Tag Archive: WikiLeaks


Böser Baschir!


Sudans Präsident Umar al-Baschir wird wegen Völkermordes gesucht – nun wird ihm nach WikiLeaks-Informationen auch noch vorgeworfen, neun Milliarden Dollar unterschlagen zu haben.

Schon lustig: Kaum gerät WikiLeaks ob des zunehmend manische Züge annehmenden Privatkriegs ihres Chefs gegen die USA ein wenig unter Druck, fällt ihnen auf, dass es auch außerhalb des Weißen Hauses noch Schurken gibt, und sie kommen auf einmal tatsächlich mit Informationen über Despoten und Tyrannen rüber.

Ok, natürlich nichts richtig knackiges wie die Live-Videos amerikanischer Hubschrauberpiloten (wäre ja auch ein wenig unappetitlich, zu zeigen, wie die Dschandschawid gerade Zivilisten massakrieren, gerade weil sie wissen, dass ihre Opfer unbewaffnet sind), aber das sind ja ohnehin Peanuts, die von den Medien nur hochgespielt werden.

Dafür erfahren wir jetzt erstaunliches, was wir uns ohne Julians „Informationsportal“ nie hätten vorstellen können: Diktatoren sind doch tatsächlich korrupt und veruntreuen Geld! Im Sudan herrschen gewissermaßen italienische Verhältnisse, und al-Baschir spielt jetzt in einer Liga mit Berlusconi. Mindestens.

Womit die Vorwürfe der Einseitigkeit gegenüber WikiLeaks für die Öffentlichkeit wohl erst mal widerlegt sein dürften.

Advertisements

Super, Julian, ganz toll…


Einzelzelle, Laptopverbot, graue Sträflingskleidung: Nach seiner Festnahme kämpft WikiLeaks-Gründer Assange mit der rauen britischen Gefängnisrealität. Immerhin: Das Internetverbot für den Australier wird wohl gelockert werden – der 39-Jährige soll Zugang zu einem Computer erhalten.

Gerüchten zufolge sollen im Rahmen der Gefängnisreform zudem inhaftierte Diebe in Zukunft mit Einbruchswerkzeug ausgestattet werden, Mörder mit Hieb- und Stichwaffen sowie Spione mit einer abhörsicheren Leitung in eine Botschaft ihrer Wahl. Aber gut, vielleicht nutzt Assange ja die Gelegenheit und distanziert sich nicht nur unmißverständlich von den DDOS-Attacken der selbsternannten WikiLeaks-Rächer, sondern ruft sie auch auf, diesen Unsinn sofort zu beenden.

Sonst ist das Internet nämlich ganz schnell nicht mehr für alle da, sondern nur noch für jene, die einen millionenstarken Cybermob zusammentrommeln können, um Kraft eigener Arroganz den Zugriff auf mißliebige Websites zu verhindern. Wenn aber dank der Anhänger des Assange-Kults jetzt auch außerhalb von Staaten wie China und dem Iran weltweit Zensur geübt werden kann, wird ihr Idol ganz sicher nicht als Held in die Annalen des Internet eingehen. Sondern als sein Totengräber.


Erst stoppten Visa und Mastercard Zahlungen an WikiLeaks – jetzt veröffentlicht die Enthüllungsplattform Material über die Firmen. Einer Depesche zufolge drängten die Konzerne die US-Botschaft in Moskau, Lobbyarbeit gegen ein ungeliebtes Gesetz zu machen. Die Kreditkartenfirmen wollen sich dazu nicht äußern.

Einerseits kann man in gewisser Weise verstehen, wenn WikiLeaks sich jetzt gegen die Zahlungssperre von Visa und Mastercard wehrt (zumindest sofern man auch vorher Verständnis für die US-Regierung hatte, daß sie sich gegen den Geheimnisverrat durch WikiLeaks wehrt), andererseits erbringen die Datenklausöldner damit selber den Beweis für die Richtigkeit des Vorwurfs, dass es ihnen eben nicht darum geht, alle geheimen Informationen unabhängig vom Ansehen der Person und möglichen eigenen Präferenzen ans Tageslicht zu zerren, sondern dass sie eine spezielle Agenda haben, nach der die zugespielten Informationen ganz bewußt zur Veröffentlichung selektiert und bei Bedarf auch gerne für „besondere Aufgaben“ zurückgehalten werden.

Und zu glauben, dass dann nicht auch mal was komplett unter den Tisch fallen könnte, ist wohl noch naiver als Julian Assange für einen selbstlosen Gutmenschen zu halten. Außer natürlich man geht davon aus, dass bei Wikileaks noch gigabyteweise Material über Schurkenstaaten schlummert, das nur als Rückversicherung für den Fall einer iranischen Fatwa oder eines nordkoreanischen Killerkommandos eingelagert wurde.

Unser Unsympath


Auch wenn man sich zu Recht über die mehr als fragwürdige Vorgehensweise von WikiLeaks ärgert, so sollte dabei jedoch das durchaus interessante Ergebnis der Enthüllungen nicht vergessen werden. Denn dieses bestätigt im wesentlichen die seit Jahr und Tag – teilweise schon fast gebetsmühlenartig – wiederholten Warnungen der Kritiker der weichen Welle gegenüber der Achse des Bösen und ihren Helfershelfern und zeigt, dass die Diplomaten der zweiten Reihe nicht immer so dumm sind wie die in der ersten Reihe daherreden müssen:

Das außenpolitische Personal Deutschlands nur begrenzt einsatzbereit, Europas Führung eine Ansammlung von lächerlichen Witzfiguren, Russland eine Demokratur von Putins Gnaden, die Türkei auf dem Weg auf die dunkle Seite der Macht, Pakistan ein Musterbeispiel für die Schattenseiten der Realpolitik, und der Iran nicht nur aus neokonservativer Sicht eine Bedrohung, die selbst die Araber zwingt, auf einen Militärschlag Israels zu hoffen, weil der Präsident der Schutzmacht Amerika sich nicht zum Jagen tragen lassen will – realistischer kann man es kaum einschätzen.

Womit mal wieder bewiesen wäre, daß auch aus bösen Taten noch gutes erwachsen kann. Natürlich bleibt Assange danach immer noch ein egomanischer Idiot (ein Idiot ist ja laut Wiki – pedia, nicht leaks – „ein Mensch, der Privates nicht von Öffentlichem trennt“, was wohl selten so zutraf wie in seinem Fall). Aber immerhin hat er es wenigstens zum nützlichen Exemplar seiner Zunft gebracht. Die meisten seiner Fans schaffen nicht mal das. Oder anders ausgedrückt: Er mag ein Unsympath sein, aber gewissermaßen ist er jetzt auch unser Unsympath.


Interpol ruft zur Fahndung nach Julian Assange auf: Die Polizeiorganisation hat eine „Red Notice“ gegen den WikiLeaks-Gründer erlassen. Demnach soll weltweit nach ihm gesucht werden – wegen der in Schweden erhobenen Vergewaltigungsvorwürfe.

[…] Der Australier hatte die Vorwürfe stets bestritten und von einer Schmutzkampagne gegen ihn und WikiLeaks gesprochen. Er ist seit längerer Zeit untergetaucht, sein Aufenthaltsort ist unbekannt.

Dann sollte er sich den Behörden stellen und die Vorwürfe entkräften statt einen auf Dr. Kimble zu machen. Wenn er’s nicht war, hat er ja nichts zu befürchten. Mehr Sorgen sollte er sich hingegen wegen seines Datendiebstahls machen. Denn da dürfte er tatsächlich verdammt schlechte Karten haben, die Vorwürfe zu widerlegen, ist doch digitale Inkontinenz kombiniert mit dem Abfluß jeglicher Logik und Ausgewogenheit durch das WikiLeak im Kopf seine eigentliche Geschäftsidee.

[…] Zuletzt erwog er, sich in der Schweiz niederzulassen und dort politisches Asyl zu beantragen. Die Schweiz sei neben Island das einzige westliche Land, in dem sich WikiLeaks sicher fühle, sagte er Anfang November im Schweizer Fernsehen.

Dass er sich da mal nicht täuscht. Denn kriminelle Ausländer werden dort seit neustem ratzfatz in die Heimat zurückgeschickt. Womit die Ausschaffungsinitiative wenigstens etwas gutes hätte, da sich die australische Regierung sicher freuen wird, den kleinen Julian am Flughafen wieder in Empfang nehmen zu dürfen, um anschließend mit dem amerikanischen Botschafter in aller Ruhe die Formalitäten des unweigerlich folgenden Auslieferungsgesuches zu klären.

Mitarbeiter der Plattform fühlten sich wegen der Protokolle über die Kriege im Irak und in Afghanistan vom US-Verteidigungsministerium bedroht, erklärte der Internetaktivist mehrmals.

Klar, in der Schweiz oder Island wäre er vor den Todesschwadronen der CIA natürlich sicher, denn wenn die US-Killerkommandos vor was Respekt haben, dann sind es sicherlich Geissen und Geysire. Schon klasse, wenn jemand, der permanent Verschwörungsscheisse absondert, sich so offensichtlich weigert, selber reinzutreten.

[…] Wenn Clinton für die von WikiLeaks aufgedeckten Spionageanweisungen verantwortlich sei, müsse sie dafür auch die Verantwortung übernehmen, sagte Assange am Dienstag.

Diplomaten, die für ihr Land Informationen weitergeben? Am Ende gar Spione in Botschaftsgebäuden? So was gibt es doch nur im James Bond-Film, in der Wirklichkeit wäre das schließlich verwerflich. Die Russen oder Iraner machen so was ja auch nicht (täten sie es, hätte WikiLeaks das sicher schon mit dem selben Engagement aufgedeckt).

„Damit hätten die USA gegen internationale Vereinbarungen verstoßen. Sie sollte zurücktreten.“

Im Ernst, wenn die Vereinigten Staaten von Amerika sich als einziges Land der Erde daran halten würden, müßte Hillary tatsächlich zurücktreten, und zwar wegen erwiesener Unfähigkeit. Dass unser Möchtegern-Datenzorro es gerade mit dieser Begründung trotzdem fordert, beweist zusammen mit der fast schon obsessiven Konzentration auf die USA, worum es seiner virtuellen Räuberbande wirklich geht, nämlich um blanken Antiamerikanismus. Und darauf kann es nur eine Antwort geben: WikiLeckt mich am Assange!


Die ganze Welt kann nachlesen, wie Amerikas Außenpolitik funktioniert – die Enthüllung der Geheimdepeschen schockiert US-Diplomaten: Sie müssen nun wütende Kollegen in vielen Ländern besänftigen. Experten sehen die Beziehungen zwischen Botschaftern und ihren Gastländern schwer beschädigt.

Ach, wie schön, dass die Außenpolitik anderer Länder ganz anders funktioniert. Der deutsche Botschafter in Washington hat sicher immer nur lobende Worte für Präsident Bush und dessen Minister gefunden, in russischen Auslandvertretungen werden westliche Politiker traditionell in allen Ehren gehalten, Briten reden schon aus purer Höflichkeit nicht schlecht über ihre Mitmenschen, und dass ein französischer Diplomat auf das Politpersonal anderer Länder herabsehen könnte, ist nachgerade unvorstellbar. Vom Tonfall der Unterlinge der diversen Drittwelt-Despoten wollen wir da gar nicht reden, der ist bekanntlich sowieso über jeden Zweifel erhaben. Da macht es natürlich Sinn, auf die USA zu zeigen. Bleiben ja schließlich noch genug Finger übrig.


Ich kann mir nicht helfen, aber irgendwie erschließt es sich mir nicht so recht, wie WikiLeaks-Boss Julian Assange, dessen Arbeit offenkundig unter dem Motto steht, dass jeder alles über andere erfahren sollte (ups, falsches Foto, aber der Unterschied ist jetzt nicht so groß, und der Spruch passt ohnehin perfekt), es zum Idol einer Generation von Bloggern und Journalisten bringen konnte, die sich ansonsten bei Begriffen wie Online-Durchsuchung oder Vorratsdatenspeicherung 24 Stunden am Tag vor Angst ins Hemd machen.

Zugegeben, das kann natürlich auch daran liegen, dass hier nur ein paar lächerliche internationale Krisen riskiert werden, um verabscheuungswürdige Kapitalverbrechen wie abfällige Bemerkungen über ausländische Politiker durch vertrauenswürdige Privatleute ans Tageslicht zerren zu lassen, während bei von dubiosen Richtern genehmigten staatlichen Eingriffen immerhin die Privatsphäre harmloser Eierdiebe verletzt wird, bloß um Bagatelldelikte wie die Vergewaltigung kleiner Kinder oder die Planung von Terroranschlägen aufzuklären.

Aber gut, vielleicht muss man das ganze ja auch einfach vom Unterhaltungswert her betrachten. Alleine die Vorstellung, dass ein Bediensteter der hiesigen US-Botschaft die seiner Ansicht nach schlecht gefärbten Haare früherer deutscher Bundeskanzler megapeinlich gefunden haben könnte, und dies jetzt raus käme, ohne dass man ihn dafür vor Gericht zerren könnte, entschädigt wenigstens ein klein wenig dafür, dass dieser unsympathische WikiLeaks-Schnösel niemals die Frau von John McClane kennenlernen wird.


Nachdem der SPIEGEL erst kürzlich die Sensation enthüllte, daß Soldaten mitunter Menschen töten, kommt jetzt der nächste von WikiLeaks ans Tageslicht gezerrte Skandal über die dunkle Seite des noch dunkleren Imperiums:
Die Geheim-Memos offenbaren die Kehrseite jener Waffe, die US-Militärs und auch der Präsident als Allheilmittel preisen. […] Die unbemannten Killer können mehr als 20 Stunden in der Luft verharren, und dann blitzschnell töten. Aber sie sind nicht immer zuverlässig: Nach offiziellen Angaben sind bisher 38 Predator- und Reaper-Drohnen im Kampfeinsatz in Afghanistan und im Irak abgestürzt, neun weitere bei Testflügen auf Militärbasen in den USA. Jeder Crash kostet zwischen 3,7 und 5 Millionen Dollar.

[…] Den US-Militärs machen nicht allein die Kosten der Abstürze Sorgen. Gerade die kleineren Aufklärungsdrohnen sind vollgepackt mit komplexer Computertechnik – die dem Feind partout nicht in die Hände fallen sollte. Sowohl Reaper als auch Predator verfügen über eine sogenannte Zero-out-Funktion, mit denen sich alle Daten per Fernsteuerung löschen lassen. Doch die versagt bisweilen. Aus Angst, dem Feind könnten wertvolle Informationen in die Hände fallen, wird so jeder Drohnenabsturz zur aufwendigen und gefährlichen Bergungsaktion.
Klar, ein Drohnenabsturz ist natürlich viel teurer und problematischer als der eines Jagdbombers. Der kostet schließlich nur das zwanzigfache, und abgeschossene Piloten waren den USA schon immer egal (weswegen sich die USA die größte CSAR-Hubschrauberflotte der Geschichte bekanntlich ja auch nur zum Zweck der Verschwendung von Steuergeldern zugelegt haben). Ist der Pilot weg, braucht er hinterher auch keine Pensionen. Und die Angehörigen oder die amerikanische Öffentlichkeit interessiert ein Landsmann in der Hand sadistischer Barbaren naturgemäß sowieso weit weniger als der Blue Screen of Death am Bildschirm des Nachschichtoperators in der Drohnenleitzentrale.

Zudem ist in einem Düsenjäger nix drin, was der Taliban gebrauchen oder wenigstens an Russen und Chinesen weiterverticken könnte. Kampfjets sind zwar größer als Drohnen, aber im Gegensatz zu ihnen innendrin mehr oder weniger hohl (das höhere Gewicht ist nur eine vom Bleiballast hervorgerufene Täuschung, weil Rüstungsgüter traditionell nach Gewicht bezahlt werden). Das ist ja auch der Grund, warum die Konstruktionspläne älterer US-Kampfflugzeuge (und die haben inzwischen fast alle mehr als 30 Jahre auf dem Buckel) immer von den Geheimhaltungsvorschriften befreit und inkl. aller Nachrüstungen vom DoD als Open Source ins Internet gestellt werden.

So wissen wir dank dem SPIEGEL mal wieder alle ein bißchen mehr. Und das schon vor dem Montag!


Da läßt sich jemand feiern, weil er unerlaubt Daten veröffentlicht. Das ist zwar eigentlich nicht nett, aber erstens gilt Datenschutz nicht für jeden, und zweitens veröffentlicht er ohnehin nicht alles. Es reicht schließlich seit Jahren völlig, wenn man westliche Demokratien anprangert, um in jenen erlauchten Kreis der Aktivisten mit Rebellenstatus erhoben zu werden, in welchem sich illustre Namen wie beispielsweise „amnesty international“ und „attac“ bereits befinden. Und für ein wohlwollendes SPIEGEL-Interview reicht das völlig:

Es gibt ein allgemeines Gefühl, dass es besser wäre, den Krieg zu beenden.

Stimmt, die Taliban hätten das sicher gerne. Dann können sie endlich wieder ohne Gegenwehr weitermassakrieren. Und die Abwesenheit von militärischem Widerstand ist ja bereits Frieden. Weswegen Friedhöfe auch so heißen.

Diese Dateien allein werden das nicht schaffen, aber sie werden den politischen Willen beeinflussen.

Ok, vielleicht nicht gerade den der Taliban, aber die haben eh kein Internet. Sonst würden sie auf große Denker wie Assange sicher hören.

[…] Echte Reformen kann es nur geben, wenn ungerechte Handlungen entlarvt werden.

Man erinnere sich nur an damals, als WikiLeaks die Barbarei der Taliban gegenüber der afghanischen Bevölkerung in die Öffentlichkeit gezerrt hat und Mullah Omar von schlechtem Gewissen getrieben den Rücktritt seines Regimes bekanntgab. Danach herrschte in Afghanistan dann ja bekanntlich das Paradies auf Erden, bis die bösen Amerikaner kamen und die Idylle zerstörten.

Weiterlesen