Tag Archive: Sarrazin


Sex & Drugs & Sarrazin


Was für ein Titel! Wenn der keinen Traffic bringt, weiß ich auch nicht. Nein, Spaß beiseite, die Sache ist viel zu ernst, deshalb einen Witz, den ein Kollege letztens zum besten gab:

Woran erkennt man eine türkische Domina? Am Lederkopftuch.

Und mit diesem grenzwertigen Scherz (grenzwertig deshalb, weil ich allen Klischees zum Trotz trotzdem laut lachen mußte) wären wir auch schon mitten beim Thema, (nein, nicht Sex), sondern der Integrationsdebatte, auch wenn das auf den ersten Blick nicht so klingen mag. Denn die Frage ist doch folgende:

Sollte der Staat SadoMaso-Spielchen erlauben? Also so richtig mit Peitschen, Ketten und das volle Programm? Hat der Bürger überhaupt das Recht, freiwillig Dinge zu ertragen, die Andersdenkende gemeinhin nur unter dem Begriff „Folter“ kennen und die zweifellos weit unangenehmer sind als nur die falsche Wahl der Kopfbedeckung oder ein Aufenthalt im Club Gitmo?

Oder sollte der Staat derartigen Praktiken grundsätzlich einen Riegel vorschieben, weil es ja weit häufiger vorkommt, daß Menschen gegen ihren Willen gequält werden als freiwillig, und der Staat offenkundig nicht in der Lage ist, derartige Mißstände, deren Bekämpfung immerhin seine primäre Existenzberechtigung darstellen, halbwegs zuverlässig zu unterbinden.

Die Antwort ist letztlich einfach: Wenn das Verwerfliche daran die Tatsache ist, daß jemandem Schmerz zugefügt wird, müssen S/M-Ferkeleien natürlich verboten werden. Wenn das Schlimme daran hingegen ist, daß jemandem etwas gegen seinen Willen aufgewungen wird, gibt es für einen Verbot keinen Grund, sondern nur dafür, die Freiwilligkeit endlich sicherzustellen.

Ähnlich verhält es sich mit Alkohol. Er macht die Menschen oft aggressiv und Millionen von Frauen – wohlgemerkt auch und gerade ohne Migrationshintergrund – haben unter den Folgen zu leiden. Trotzdem käme niemand auf die Idee, wegen des nachgewiesenen Zusammenhangs zwischen Gewalt und Alkohol den Genuß von letzterem zu verbieten, um erstere einzudämmen.

Und aus genau diesem Grund sollten wir der Türkin ihr Kopftuch selbst dann lassen, wenn es nicht aus Leder ist, und dem Christen sein Bierchen, solange er dann nicht wild um sich schlägt. Und wenn ich nicht aus persönlichen Gründen was gegen Drogen hätte, würde ich genau jetzt einen dicken fetten Joint rauchen. Nur so aus Trotz. Aber eben freiwillig.

Chrr, de Islam!


Bürgermeister zu Tode gesteinigt, kriminelle Clans auf dem Vormarsch, religiöse Fanatiker überschwemmen uns mit ihrer Brut – da kann es angesichts der Religionszugehörigkeit der Täter nur eine logische Konsequenz geben: Das Neue Testament mitsamt dem Kult um diesen Unruhestifter Jesus muß verboten werden und straffällige Christen gehören ausgewiesen. Sonst macht mir der Sarrazin gar keinen Spaß mehr.


Seit Franz Josef Strauß war es stets oberstes Prinzip der Union, ein nennenswertes Potential rechts von ihr zu verhindern. Das ist gescheitert und wird auf keinen Fall ohne Wirkung bleiben.

Ja, das macht sie natürlich schwer betroffen, die taz. Klar, daß sie ihrem langjährigen Lieblingsatom- und Kriegsminister nachtrauert. Hat sie Strauß doch wegen seiner wichtigen Integrationsfunktion am rechten Rand jahrzehntelang als politischen Verbündeten betrachtet, den es zu unterstützen galt, und das nicht nur, weil die Sympathien des Ökoblatts seit seiner Gründung bekanntlich immer bei den Unionsparteien lagen.

Doch auch der SPIEGEL weint. Zwar nicht um unser bayerisches Urgestein, aber dafür umso mehr um dessen alten „Männerfreund“ Helmut. Denn wer, wenn nicht der SPIEGEL, hat Kohl während seiner Amtszeit immer jenen publizistischen Begleitschutz gegeben, den er brauchte, um das traditionelle Hauptziel der Hamburger Meinungsmacher, die Förderung erzkonservativer Ideen in der Union, erfolgreich durchzusetzen?

Nicht nur die SPD hat ein Problem mit Thilo Sarrazin. In der Union murren viele über die scharfe Reaktion der Kanzlerin auf die Thesen des Bundesbankers. Der Unmut zeigt: Der erzkonservative Flügel fühlt sich bei CDU und CSU nicht mehr zu Hause. Wie groß sind die Chancen für eine Protestpartei?

Und jetzt passen wir alle auf, daß wir beim Aufstehen in den unzähligen Krokodilstränen, die da aus dem Monitor tröpfeln, nicht noch ausrutschen und auf die Schnauze fallen. Obwohl, wir fallen dann ja weich, wir landen schließlich auf taz und SPIEGEL.

Ani ma’amin


Im Nirgendwo habe ich zufällig den Verweis auf einen wie eine Präzisionsbombe treffenden Artikel von Hannes Stein gefunden, den ich aus Zeitgründen bisher leider übersehen hatte, der aber zweifellos zur Pflichtlektüre der seit Tagen tobenden Lieblingsdiskussion der Deutschen gehören sollte. Da er einige der Punkte anspricht, die ich Skeptikern gegenüber auch immer wieder gebetsmühlenartig wiederhole, seien hier die schönsten Stellen noch einmal zitiert (ich hoffe Hannes wird mir vergeben, aber er spricht mir einfach zu sehr aus der Seele, so ich denn eine haben sollte):

Dass die arabischen Gesellschaften in einem grauenhaften Zustand sind – näheres darüber im „Arab Human Development Report“ von 2002 –, daran ist, glaube ich, der Islam eigentlich nur am Rande schuld. Viel verheerender ist der Umstand, dass die Staaten im Nahen Osten seit Menschengedenken von Diktatoren beherrscht werden (Diktaturen verblöden die ihnen Unterworfenen bekanntlich ungemein), ferner gibt es im Nahen Osten, wie wir von Gunnar Heinsohn gelernt haben, einen „youth bulge“: einen Überschuss an jungen, sexuell frustrierten Männern, die dann auch noch ökonomisch alimentiert werden, sei´s durch Petrodollars (Saudi-Arabien), sei´s durch die liebe gute Uno (Gazastreifen).

[…] Ich fresse eine Moschee samt Minarettverbot, wenn die Mitglieder der türkischen und libanesischen Jugendbanden, die Neukölln unsicher machen, je auch nur eine Seite im Koran gelesen haben. Wahrscheinlich handelt es sich bei denen um strukturelle Analphabeten, die dazu gar nicht in der Lage wären. Das Problem mit den Muslimen ist, kurz gesagt, das Ergebnis eines außer Rand und Band geratenen Sozialstaates, der exakt jenes Elend zementiert, das er abschaffen möchte – allerdings betrifft das eben nicht nur die jungen Türken und Araber, von denen 40 Prozent keinen Schulabschluss schaffen.

[…] Ich war schon 1992 dafür, dass die Nato die eine oder andere Bombe auf Belgrad schmeißt, um die bosnischen Muslime vor dem Genozid zu retten, und wollte 1995, als Europa das Massaker von Srebrenica geschehen ließ, im Grunde nichts mehr mit der Alten Welt zu tun haben. In diesem Punkt bin ich zufällig immer noch meiner Meinung. Und ich halte den Genossen Wladimir Putin, der 20 Prozent der muslimischen Tschetschenen ausrotten ließ, für einen Verbrecher; ich wünsche ihm genauso den Tod wie Osama Bin Laden und Machmud Achmadingsbumsda in Teheran.

[…] Ich war – das ist kein Geheimnis – für den Afghanistankrieg. Ich war für den Irakkrieg. Je ne regrette rien. Und ich fürchte (wie mein Kollege Richard Herzinger), dass Amerika seine Soldaten viel zu früh aus dem Irak abgezogen hat. Ich habe Angst, dass der Westen Afghanistan im Stich lassen wird und dass sich dann die Pforten der Hölle öffnen, die bekanntlich in Pakistan liegt. Ich glaube, dass nur noch ein Militärschlag die „Islamische Republik Iran“ davon abhalten kann, dass sie die Mittel zum Massenmord in ihre blutverschmierten Finger bekommt, und bin sehr froh, dass die Israelis schon mal üben.

Aber ich möchte hier auf etwas anderes aufmerksam machen: Wer allen Ernstes glaubt, dass der Islam an und für sich der Feind sind – wer denkt, dass 1,6 Milliarden Muslime auf keinen Fall, nach keinem denkbaren Szenario, in die liberale Moderne integriert werden können –, der hätte nach dem 11. September etwas ganz anderes befürworten müssen als den Einmarsch in Afghanistan (also die Befreiung der muslimischen Afghanen vom Talibanregime) und den Irakkrieg (die Befreiung der muslimischen Araber und Kurden im Irak von Saddam Hussein).

Wer diesen Text nicht gelesen hat, sollte zum Thema „Sarrazin und die Sarazenen“ jedenfalls besser schweigen. Das einzige, was man an diesem „Glaubensbekenntnis“ kritisieren kann, ist, daß es dort keine Kommentarfunktion gibt, bei der man es unterschreiben kann. Was ich hiermit getan habe.


Die Kanzlerin distanziert sich von Thilo Sarrazin, räumt aber Defizite in der Integrationspolitik ein. Darüber müsse ohne Tabus und ohne einen Verdacht von Fremdenfeindlichkeit diskutiert werden – beispielsweise über die erhöhte Gewaltbereitschaft strenggläubiger muslimischer Jugendlicher.

Vielleicht sollte sie aber auch mal überlegen, über die erhöhte Gewaltbereitschaft jugendlicher Schulschwänzer, die nicht mal den Hauptschulabschluß schaffen, zu diskutieren. Oder über die erhöhte Gewaltbereitschaft Jugendlicher aus sozial schwachen Familien, deren Eltern seit Jahren arbeitslos sind. Oder über die erhöhte Gewaltbereitschaft Jugendlicher, die von ihren Eltern mißhandelt wurden. Oder über die erhöhte Gewaltbereitschaft Jugendlicher, deren kriminelle Freunde dickere Autos fahren als die nichtkriminellen Freunde. Oder über die erhöhte Gewaltbereitschaft Jugendlicher, die auch nach der zehnten Gewalttat noch keine ernsthaften Konsequenzen zu spüren bekommen haben. Oder einfach auch nur mal über die erhöhte Gewaltbereitschaft Jugendlicher, die ausschließlich Hosen tragen statt Röcke.

Vielleicht würde sich nach all diesen Diskussionen herausstellen, daß am Ende viel zu wenige strenggläubige muslimische Jugendliche übrig bleiben, über die es sich dann noch groß zu diskutieren lohnt. Und dann könnte man bezüglich der anderen Diskussionspunkte endlich mal handeln, anstatt immer nur drüber zu reden.


Sarrazin schlägt Kindergeld-Halbierung für vergessene Hausaufgaben vor

Nichts gegen unkonventionelle Ansätze in der Politik, aber jetzt dreht Sarrazin offenbar völlig durch. Es macht ja sicher Sinn, die Eltern von Schulschwänzern und Hausaufgabenverweigerern bei Bedarf persönlich anzusprechen (wenn auch bestimmt nicht gleich beim zweiten Mal, da hätten meine Eltern ziemlich oft Besuch vom Jugendamt bekommen), aber wenn der Staat schon eingreifen muß, dann mit mehr, nicht weniger Hilfe für die Kinder. Wenn die Betreffenden länger in der Schule bleiben müssen, um den Rückstand zu ihren draußen spielenden Klassenkameraden aufzuholen, steigt die Motivation zum zeitgerechten und eigenständigen Erledigen der Hausaufgaben schon von ganz alleine. Jedenfalls weit eher, als wenn sie wegen des daraus resultierenden finanziellen Schadens zuhause verprügelt werden.

Aber Kindern die Essensrationen zu kürzen ist nicht nur unmoralisch, sondern auch kontraproduktiv. Und genau darauf läuft es zumindest im Hartz IV-Umfeld, das bei derartigen Problemen sicherlich nicht unterrepräsentiert sein dürfte, ja hinaus, denn anders als bei gutverdienenden Bildungsbürgern, wo dann schlimmstenfalls im Urlaub eine Hotelnacht weniger gebucht werden kann, macht sich ein derartiger Einschnitt bei einkommensschwachen Familien, bei denen das ohnehin zu knapp bemessene Kindergeld einen nicht unwesentlichen Teils des verfügbaren Nettoeinkommens darstellt, direkt am Mittagstisch bemerkbar. Vom Hungern aber ist noch niemand schlau geworden. Die Redensart „voller Bauch studiert nicht gern“ heißt jedenfalls noch lange nicht, daß deswegen gleich der Umkehrschluß zutrifft.

Ein Mann, ein Kaltwasserhahn


Sarrazin äußerte sich in der „Süddeutschen Zeitung“ auch zur derzeitigen Hartz-IV-Debatte. Er verteidigte die geltenden Sätze und nannte sie ausreichend. Letztlich sei es keine Geldfrage, sondern eine Frage der Mentalität, des Wollens und der Einstellung. „Wo diese fehlt, hilft auch kein Geld, und wo diese da ist, ist das Geld gar nicht so wichtig.“ Als Sparmöglichkeit nannte Sarrazin das Duschen: „Kalt duschen ist doch eh viel gesünder. Ein Warmduscher ist noch nie weit gekommen im Leben.“

Heißt das, daß Hartz IV-Empfänger, die ganz aufs Duschen verzichten, eine Bonuszahlung bekommen? Und sollten dann Eltern, die ihre Kinder nach der Geburt ein paar Minuten ins Eiswasser tauchen, wegen der daraus unweigerlich resultierenden Erhöhung der Volksgesundheit (wenn auch vermutlich nur der Überlebenden) einen Nachlaß beim Krankenkassenbeitrag kriegen? Könnten wir am Ende nicht gar Hartz IV-Empfänger in den GULag schicken (in Sibirien kann man auch im Sommer noch Schnee schippen)? Der Möglichkeiten wären ja viele, wenn man das Sozialsystem erst mal nach dem Motto „Nur die Harten kommen in den Garten“ umbaut.

Im Ernst: Bei allem Verständnis für markige Worte in der Politik und auch angesichts der dringenden Notwendigkeit, den muffig gewordenen Sozialstaat mit etwas frischem neoliberalen Wind zu durchlüften, aber daß jetzt nur noch bärenstarke Wikinger ein Recht auf Hilfe haben sollen, geht am Solidaritätsprinzip, das eigentlich ja ursprünglich mal primär zum Schutz der Schwachen gedacht war, dann doch ein kleines bißchen vorbei. Über die Notwendigkeit von Kneipenbesuchen auf Steuerzahlerkosten läßt sich gewißlich streiten, aber in diesem Fall hätte Sarrazin es vor seiner Wortmeldung besser wohl selber mal mit kalten Duschen probieren sollen.