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Russland schlägt wieder härtere Töne gegenüber dem Westen an. Erst hat Präsident Dmitrij Medwedew in seiner Rede zur Lage der Nation am Dienstag vor einem „neuen Wettrüsten“ gewarnt.

Muss man verstehen. Immerhin hatte Obama fast durchgedrückt, dass die USA ohne nennenswerte Gegenleistung auf das Niveau ihres halb so großen und vielfach ärmeren Möchtegernkonkurrenten abrüsten, damit der Putinator sich wieder etwas wichtiger fühlen kann. Die jetzige Entwicklung gefällt seinem Sesselwärmer natürlich überhaupt nicht.

Dann erregten Berichte Aufsehen, denen zufolge Russland taktische Atomwaffen heimlich an seinen Westgrenzen postiert haben soll.

Russland? Andere Länder bedrohen? An der Westgrenze aufrüsten? Und das ganze auch noch heimlich? So eine Überraschung aber auch…

Und nun das: Ministerpräsident Wladimir Putin sagt in einem Interview mit CNN, Russland behalte sich die Stationierung technologisch neuartiger Atomwaffen vor.

Neuartige Atomwaffen? Machen die jetzt nicht mehr „Bumm!“, sondern nur noch „Blitz!“? Sozusagen die erste Atombombe, die auch deutschen Lärmschutzvorschriften gerecht wird? Schon toll, was sich die Wunderwaffenbranche immer so alles ausdenkt, wenn’s bei Despotens gerade mal wieder nicht so rund läuft.

Es ist Säbelrasseln wie zu besten Sowjetzeiten.

Genau. Und man sollte sich mal erinnern, wie das das letzte Mal, als die USA viel schwächer und ihr Gegner viel stärker war, ausgegangen ist. Schade nur, dass man Ronald Reagen dazu nicht mehr befragen kann, der könnte das Geheimnis sicher aufklären.


Medwedjew warnt vor kirgisischem Demokratieversuch

Womit alles gesagt wäre. Und zwar sowohl über das Demokratieverständnis russischer Politiker als auch über ihre Relevanz bei der Lösung internationaler Probleme.

Die Kirgisen wollen die parlamentarische Demokratie einführen. Russlands Präsident hält das für einen gefährlichen Weg.

Ist ja auch widerlich, so eine Demokratie. Wahlen, Rechtsstaat, Pressefreiheit – igitt! Alles nur Teufelszeug, um aus strengen Führern warmduschende Waschlappen zu machen.

[…] Die Errichtung einer parlamentarischen Demokratie beinhalte Gefahren, wie den Zusammenbruch eines Staates. Das Land benötige eine starke, gut organisierte Regierung, um dies zu verhindern.

Der sich hier so unverholen für die Herrschaft der starken Hand ausspricht, ist wohlgemerkt in der russischen Führung der gemäßigte, „liberale“, reformorientierte Westler. Da will man gar nicht wissen, was sein Herr und Meister erst dazu sagt.

Auf jeden Fall wird es Zeit, daß man Rußland klarmacht, daß derlei Töne im Westen nicht erwünscht sind. Wenn schon G8, dann wäre Indien jedenfalls ein weit sinnvollerer Ersatz.

Medwedew kann dann statt langweiliger Konferenzen mit frei gewählten Weicheiern ja mit Kim Jong Il am malerischen Strand Nordkoreas über die Vorteile der Stabilität für das persönliche Wohlbefinden eines Diktators räsonieren.


Ich hatte mich ja spaßeshalber schon gefragt, wann mal jemand auf diese irre Idee kommt:

Nuke the Oil Leak?

Kam aber wohl offenbar tatsächlich schon jemand, und er hat sie auch gleich im Namen des Sozialismus in die Tat umgesetzt (weswegen ich bei der Erinnerung an die Friedensdemonstranten der 80er-Jahre mit ihren „Atomkraft? Nein danke!“-Aufnähern gerade ein wenig schmunzeln muß):

It was September of 1966, and gas was gushing uncontrollably from the wells in the Bukhara province of the Uzbek Soviet Socialist Republic. But the Reds, at the height of their industrial might, had a novel solution. They drilled nearly four miles into the sand and rock of the Kyzyl Kum Desert, and lowered a 30-kiloton nuclear warhead — more than half-again as large as “Little Boy,” the crude uranium bomb dropped over Hiroshima — to the depths beneath the wellhead. With the pull of a lever, a fistful of plutonium was introduced to itself under enormous pressure, setting off the chain reaction that starts with E = MC2 and ends in Kaboom! The ensuing blast collapsed the drill channel in on itself, sealing off the well.

The Soviets repeated the trick four times between 1966 and 1979, using payloads as large as 60 kilotons to choke hydrocarbon leaks. Now, as the Obama administration stares into the abyss of the Deepwater Horizon spill, and a slicker of sweet, medium crude blankets the Gulf of Mexico, slouching its way toward American beaches and wetlands, Russia’s newspaper of record is calling on the president to consider this literal “nuclear option.”

Aber wer weiß, so abwegig ist es vielleicht gar nicht, durch fossile Brennstoffe hevorgerufene Umweltverschmutzung zur Abwechslung mal mit dem nuklearen Super-GAU zu bekämpfen statt immer nur umgekehrt. Immerhin käme Obama seinem Ziel einer atomwaffenfreien Welt so wenigstens ein kleines bißchen näher, wofür er bekanntlich noch ganz andere Dinge in Kauf zu nehmen bereit ist.

Und bevor jetzt jemand aufschreit, daß wäre unverantwortlich, nun, wer riskiert, daß notfalls eine Atombombe über Tel Aviv gezündet wird um den Weltfrieden zu retten, der wird ja wohl nicht mehr Mitleid mit einem dreckigen Ölbohrloch haben als mit ein paar Millionen Juden. Oder etwa doch?


Also entweder bekommt den mit dem Mittleren Osten befaßten russischen Politikern die dortige Hitze nicht, oder aber es sind gerade Dummschwätzwochen in Moskau:

After President Medvedev meets with Hamas politburo chief in Damascus and urges Hamas involvement in peace talks, Russian foreign ministry says, ‚Hamas is a movement supported by significant part of Palestinians‘

Ein tolles Argument. Sadisten, Antisemiten, Kriminelle, Fanatiker und Mörder sind ein signifikanter Teil wohl jeder Gesellschaft. Nur daß finstere Gestalten sich zusammenrotten, sollte eigentlich noch lange kein Grund sein, mit ihnen deswegen auch gleich zu reden, sondern eher, sie umso massiver zu bekämpfen. Oder muss die sizilianische Regionalregierung die Abgesandten der Mafia jetzt auch offiziell in die Stadtplanungskommission von Palermo berufen?


FM Lavrov says countries facing Security Council sanctions ‚cannot under any circumstances be subjected to one-sided sanctions imposed by any government‘

Auch wenn sich die dahinter stehende Logik, ganz gleich wie man es betrachtet, nicht wirklich zu erschließen vermag, gebührt Lavrov zweifellos ein Sonderpreis für die originellste Idee zum Schutz von Schurkenstaaten. Denn wenn sich der Westen tatsächlich darauf einlassen sollte, ließen sich ernsthafte Sanktionen in Zukunft jederzeit dadurch verhindern, daß die Schutzmächte betroffener Terrorregime dem UNO-Sicherheitsrat als Alternative einfach unernsthafte Sanktionen vorschlagen.

Da sich der Westen solch einem „harten“ Kurs schlecht verweigern könnte und das Wort der UNO in Multilateralistan ohnehin Gesetz ist, wäre dann schon mit der kleinsten offiziellen Einschränkung des Kulturaustauschs, gefolgt von einem „Njet!“ bei jeder weiteren Verschärfung, die Soft Power schon nach dem ersten „o“ verpufft. Es bleibt zu hoffen, daß selbst für einen Barack Obama diese Idee dann doch zu idiotisch ist. Und sei es nur, weil die Idiotie hier gar zu auffällig als solche erkennbar ist.