Tag Archive: Politically Incorrect



Daß die Deutschen auf einmal so schön Fußball spielen gelernt haben, seit sie nicht mehr blind ihrem Spielführer Ballack folgen können, sondern zur Abwechslung mal ihren eigenen individuellen Fähigkeiten vertrauen vermüssen, führt hierzulande nicht nur zu Begeisterungsstürmen. Im Gegenteil, je weiter man in die intellektuell verwahrlosten Randgebiete des politischen Prekariats vordringt, desto ablehnender die Haltung und verwirrender die Frontlage. Auf der rechten Seite wird dabei überraschenderweise trotz – und manchmal sogar wegen! – ihres Erfolgs über die eigene Nationalmannschaft gehetzt, weil die Zahl an blonden, blauäugigen Hünen offenbar unter den von der Gauleitung genehmigten Anteil an Spielern mit ausreichend weit zurückdatierendem Ariernachweis gefallen ist.

Hier haben wir dann die absurde Situation, daß man bei der NPD (!) die afrikanischen Mannschaften dem eigenen Team vorzieht, aber nur, weil man offenbar noch nicht mitbekommen hat, daß man die Mannschaftszugehörigkeit nicht nur an der Hautfarbe, sondern auch den Trikots erkennen kann. Und da man sich nicht vorstellen kann, daß ein Trainer seine Mannschaft aufgrund der Kombination von fachlichen Überlegungen mit schlichten Sachzwängen trifft, projiziert man nach dem Grundsatz „Lieber reinrassige Gegner als gar keine Rassentrennung – Hauptsache Rassismus!“ die eigene kranke Weltsicht auf den Fußball. Also bitte nicht wundern, wenn das Motto beim nächsten NPD-Parteitag „Braun hilft Schwarz“ oder „Nazis für Neger!“ heißt. Nur die Ku-Klux-Klan-Kapuzen müssen bei der anschließenden Sonnenwendfeier dann ausnahmsweise wohl mal zu Hause bleiben.

Wo aber der Otto Normalfascho sich wenigstens noch ein kleines bißchen von fußballerischer Brillianz beeindrucken läßt („Immerhin kann der Türke wat“), ordnet man im Umfeld der sich selbst immer als so unglaublich gemäßigt und überhaupt nicht rechtsradikal ansehenden Antiislambloggern um Fakten & Fiktionen oder Politically Incorrect den an den nationalen Grenzen ausgerichteten Patriotismus inzwischen konsequent völkischen oder religiösen Kriterien unter. Vor allem den armen Mesut Özil hat man sich in diesen Kreisen als Zielscheibe erkoren. Ganz gleich wie gut er spielt, wieviele Tore er schießt oder vorbereitet, er ist immer nur das trojanische Pferd, mit dem der türkische Dschihadismus (oder war’s die islamische Weltverschwörung?) das Abendland von innen zersetzt, indem man uns mit Fladenbrot und Spielen einzulullen versucht.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß sich die Hetze beim PI-Publikum, wo man die Probleme der Welt lange Zeit monokausal auf den Islam zurückzuführte und immer wieder betonte, daß man mit Einwanderern ja eigentlich keine Probleme habe, inzwischen zunehmend weg von der rein religiösen Trennlinie zur generellen Ausländerfeindlichkeit verlagert. Ursprünglich waren dabei sogar die „Polen“ Podolski und Klose als zu undeutsch im Gespräch, und erst seit ein paar besonders schlaue Kommentatoren Opas vergilbte Atlanten aus der alten Kiste vom Dachboden geholt haben (die war so verstaubt, da konnten sie das Hakenkreuz auf dem Vorhängeschloß natürlich nicht erkennen), einigte man sich darauf, daß es sich hier ja um „Schlesier“ handelt, womit die Tore dann gerade doch noch mal OK gingen. Da haben Poldi und Miro wohl Glück gehabt.

Angesichts dieser unterirdischen Vorstellung hat man sich bei den Genossen von der anderen Feldpostnummer offenbar gesagt, daß die Rechte in nichts besser sein darf als die Linke, also auch nicht beim Blödsein, und wurden bei der Suche nach einem besonders idiotischen Anlaß zum Hyperventilieren auch prompt fündig. Das beanstandete Autobahnteilstück ist schwarz-rot-gold und hängt hochkant an einem Haus in Berlin, und wer es runterreißt, bekommt 100 Punkte. Der arabische Besitzer der Flagge wird sich jetzt vermutlich fragen, in was für einem Irrenhaus er da gelandet ist.  Erst heißt es er soll sich integrieren, und kaum tut er das geradezu mustergültig, kriegt er Ärger mit der Kiezmiliz wegen zu deutscher Umtriebe, während ihn die Islamophobiker trotzdem weiter verabscheuen, weil er ja nur ein doofer Musel ist, der ihre schöne Flagge beschmutzt.

Aber gut, immerhin wissen wir jetzt, daß Integration auf der äußersten Linken genauso wenig erwünscht ist wie auf der Rechten. Was zeigt, daß man selbst beim Fußball noch was lernen kann.


Die österreichische Krone titelt: “Bikini statt Burka” – die Rechtgläubigen werden toben.

So what? Die Rechtsgläubigen toben dafür, wenn es heißt „Burka statt Bikini“. Das gibt sich unterm Strich nicht viel.

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten wurde jetzt die 24-jährige Rimah Fakih (Foto) zur Miss USA gewählt.

Da hat sie bloß Glück, daß sie in den USA lebt und nicht hierzulande unter der Herreschaft des PI-Kommentarmobs. Der hätte sie nämlich zusammen mit ihren hisbollahverdächtigen Eltern schon vor Jahren in den Libanon ausgewiesen, weil die ihr Kopftuchmädchen eh nur in die Welt gesetzt haben, um sich unrechtmäßig das schöne deutsche Kindergeld zu erschleichen.

Die Schönheit ist im Säuglingsalter als Kind libanesischer Einwanderer in die USA immigriert.

Daß ich das noch erleben darf: Eine Muslima als feuchter Traum eines PI-Redakteurs. Vermutlich wäre er völlig verblüfft, wenn er erführe, daß muslimische Frauen unter der Burka auch nicht anders aussehen als unter dem Bikini.

In New York hat sie dann eine katholische Schule besucht und später Wirtschaft studiert. Die strengen Vorschriften “Allahs” ignoriert die junge Dame offensichtlich.

Aha? Geht das also doch? Das heißt, man kann Muslim sein, ohne Sprengstoffgürtel oder wenigstens ein Klappmesser zu tragen? Mal schauen, wie lange die Erkenntnis hält. Ich schätze mal, ein, höchstens zwei Artikel. Halt so lange, bis die Hitzewallungen mit der nächsten kalten Dusche des Redakteurs verschwunden sind. Und dann darf wieder wie gewohnt gehetzt werden.


Das ist schon seltsam. Da kommt eine Vorzeigemigrantin, ist intelligent, fleißig, gebildet, modern, verfassungstreu und wie aus dem Bilderbuch integriert, und schafft es trotz ihrer türkischen Wurzeln sogar in der christlichen CDU was zu werden. Eigentlich sollte man da erwarten, daß sich all jene Konservativen, die sonst bei jeder Gelegenheit klagen, daß Muslime grundsätzlich dumm, faul, primitiv, rückständig sowie deutschenfeindlich seien und sich immer in ihren Parallelgesellschaften abschotten würden, jetzt vor Begeisterung regelrecht überschlagen.

Immerhin könnten sie diese Frau den so gern kritisierten Fundamentalisten, Rütli-Schlägern und Familienpatriarchen mit einem triumphierenden „Na geht doch!“ als gutes und nachahmenswertes Beispiel vorhalten, wie man es als Einwanderer hierzulande durch aufrichtiges Bemühen und Anpassung an die landesüblichen Gepflogenheiten zu was bringen kann, und sie gleichzeitig als Beweis dafür benutzen, daß die Deutschen überhaupt nicht fremdenfeindlich seien, sondern auch aus dem Ausland stammende Neubürger mit offenen Armen empfangen.

Doch weit gefehlt. Schon bevor Aygül Özkan ihr Amt überhaupt angetreten hat, schlug ihr bei den angeblich auf dem Boden des Grundgesetzes stehenden Antiislambloggern von PI eine Welle von Ablehnung, ja Haß entgegen, die ihresgleichen sucht. Von Anfang an und noch bevor sie überhaupt ihren Mund aufgemacht hatte, wurde dort aus allen Rohren mit Beleidigungen und Unterstellungen gegen Frau Özkan gefeuert, die als unter der Kontrolle finsterer orientalischer Strippenzieher stehende Exekutorin türkischer Interessen dargestellt wurde.

Özkans durchaus bedenkenswerte Äußerungen zum Vorteil des Migrationshintergrunds einzelner Richter und zur berechtigten Frage nach der Sinnhaftigkeit von religiösen Symbolen in den Klassenzimmern öffentlicher Schulen wurden in der Folge als Versuch gewertet, zweierlei Recht einzuführen (so als ob die Paragraphen im Strafgesetzbuch inzwischen nach Herkunft geordnet wären) bzw. als unverschämter Angriff auf das christliche Abendland (die Trennung von Kirche und Staat hat sich offenbar noch überall herumgesprochen) angesehen.

Besonders infam dabei ist, daß man ihr nur die Wahl läßt, wofür sie geprügelt wird, nicht ob. Würde sie tatsächlich die Einführung der Scharia fordern, wäre die Empörung bei PI nicht größer, denn wenn sie sich zum deutschen Rechtsstaat bekennt (was bei Ministern ja nicht völlig unüblich ist), dann ist das halt Taqiyya, und damit zusätzlich noch verlogen. Die Schutzbehauptung, man habe ja nur was gegen den Islam als Ideologie, aber nichts gegen Muslime als Menschen, können sie sich bei PI nach diesem Auftritt jedenfalls in die Haare schmieren.


Türkei droht 100.000 Armeniern mit Deportation

Hey, hey, das klingt schlimmer als es ist! Er will sie ja nicht gleich wieder massakrieren lassen. Hier ist es eher im Sinne eines ganz normalen freundschaftlichen „Ausländer raus!“ gemeint. Und hätte man je gehört, daß sich hierzulande irgendjemand aufregt, wenn mal wieder ein depperter Populist nach seiner Entlassung aus der geschlossenen Abteilung „Türken raus“ grölt? Na also.

UPDATE: Kein Update. Und damit auch kein Link. Denn bei PI (das ist das Blog, wo jeder in der Türkei geplatzte Sack Reis üblicherweise zeitnah auf eine entsprechende Stelle im Koran hin abgeklopft wird) gibt es zur Stunde tatsächlich immer noch keine offizielle Reaktion auf Erdogans Äußerungen. Offenbar hat man sich redaktionsintern noch nicht auf eine einheitliche Sprachregelung einigen können, weil man diesmal ja nicht einfach mit dem Finger auf die bösen Türken zeigen kann ohne daß dann die übrigen Finger auf das geistige Prekariat im eigenen Kommentarbereich deuten. Die dortige Kundschaft ist nämlich weit rückständiger als Ali Normalleser:

In den Leserreaktionen und Internetforen der Türkei waren es „seine“ Bürger, die Erdogan auf den gröbsten Unsinn seiner Bemerkung hinwiesen: Sollte die Türkei diesen Fehler begehen, dann wäre das nur der Präzedenzfall, auf den ganz Europa warte, um die Türken in europäischen Ländern auszuweisen, hieß es in einer ganzen Anzahl der zuletzt 337 Leserkommentare auf der Webseite der Zeitung „Hürriyet“.

UPDATE II: Es ist soweit. Bei PI scheint man aber zu ahnen, daß eine direkte Kritik an der Ausweisung von ethnischen und/oder religiösen Minderheiten die eigenen Leser nur unnötig verwirren würde, also deutet man einfach an, daß da mehr hintersteckt:

Erdogan ist davon überzeugt, dass der Mord an den Armeniern “notwendig” war und betrachtet sie nicht als türkische Bürger:

“In meinem Land sind 170 000 Armenier ansässig, von denen 70 000 türkische Bürger sind. Im Notfall würde ich morgen den restlichen 100 000 sagen, dass sie unser Land verlassen. Ich tu das, weil sie nicht meine Bürger sind und ich nicht verpflichtet bin, sie in meinem Land zu unterhalten.”

Das von Erdogan im Interview verwendete Wort “Deportation”, ist derselbe Ausdruck, den man bereits 1915 für den Massenmord verwendete.

So geht’s natürlich auch.


Bedrohlich? Häßlich? Altmodisch? Einfallslos?

Also mir fällt da wie damals bei dem – zugegeben noch genialeren – architektonischen Meisterwerk in Köln-Ehrenfeld eher hübsch, schick, modern und elegant ein. Und daß derartige Bauwerke nicht nur für sich selbst eine Zierde sein, sondern, wenn die Rahmenbedingungen stimmen, durchaus auch mit unserer westlichen Zivilisation harmonieren können, sieht man schon daran, wo sie zu finden sind. Deswegen habe ich für folgende Meldung schon aus ästhetischen Gründen vollstes Verständnis:

USA prangern Minarettverbot in der Schweiz an

Spätestens das sollte auch unseren sich so gerne proamerikanisch gebenden Rechtsaußenbloggern zu denken geben, denn selbst Paranoiker wie sie werden kaum zu behaupten wagen, daß die USA bereits von den muselmanischen Horden übernommen worden seien. Obwohl, andererseits – wer weiß das bei ihnen (den Rechtsaußenbloggern, nicht den muselmanischen Horden!) schon so genau…


Und nein, wir reden hier nicht von irgendwelchen verrückten Rednecks aus dem Mittlereren Westen der USA, die ständig auf der Flucht vor schwarzen UN-Hubschraubern sind, sondern von einem sich selbst irrtümlicherweise innerhalb unserer Zivilisation verortenden deutschen Blog, dessen Macher nicht nur den in Bosnien abgeschlachteten Muslimen zusammen mit ihrem neuen Idol Karadzic kaum verhohlen ein trotziges „Selber schuld!“ ins Massengrab hinterherschleudern, sondern auch die diensthabenden Chefkomiker der damaligen rot-grüne Regierung gerade wegen einer der wenigen richtigen außenpolitischen Entscheidungen ihrer ganzen Amtszeit nach Den Haag schleifen wollen. Und daß ich dadurch gezwungen bin, Joschka Fischer und Rudolf Scharping in Schutz zu nehmen, nehme ich Stefan Herre doppelt übel.