Tag Archive: Nordkorea



US-Präsident Obama hat das Regime in Pjöngjang lange vernachlässigt, andere Probleme schienen dringlicher. Nordkorea will durch die jüngste Provokation womöglich erreichen, wieder Ernst genommen zu werden.

Ach so, Kim Jong Il will nur ein wenig mehr Aufmerksamkeit und Zuneigung? Dann ist’s ja halb so schlimm. Wäre nur schön, wenn der SPIEGEL bei US-Präsidenten genauso verständnisvoll wäre wie bei dahergelaufenen Tyrannen. Denn Bush wollte ja vielleicht auch bloß, daß die Vereinigten Staaten wieder ernst genommen werden, und der Irakkrieg war am Ende nur ein verzweifelter Hilferuf angesichts eines global grassierenden Antiamerikanismus.

Erschreckend ist, wie wenig die USA über das stalinistische Land wissen.

Noch erschreckender ist allerdings, wie wenig Gregor Peter Schmitz über das stalinistische Land und seine internationalen Verflechtungen sowie ganz allgemein über das Funktionieren von Diktaturen weiß. Die Wahrscheinlichkeit, dass Nordkorea die Krise nur künstlich inszeniert, um den iranischen Spießgesellen angesichts des Flottenaufmarschs im Mittleren Osten etwas Entlastung zu bringen und die USA dort von etwaigen Abenteuern abzuhalten, ist jedenfalls mindestens genauso groß, wie dass der geliebte Führer gerade nur ein wenig „ronery“ ist.

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Mir fällt ja gerade nichts kluges ein, aber wozu auch, das erledigt der SPIEGEL mit seinem netten Hinweis auf die thailändischen Kollegen diesmal ausnahmsweise selber ganz hervorragend:

Für Thailands Zeitung „The Nation“ ist US-Präsident Barack Obama schon jetzt ein Verlierer der Auseinandersetzung. Denn anders als sein Vorgänger George W. Bush könne der Friedensnobelpreisträger nicht ungeniert mit dem Säbel rasseln: „Pjöngjang ist total glücklich, diese offene Flanke Obamas schamlos ausnutzen zu können.“


Die Angst vor einer Eskalation wächst entsprechend. Denn das Regime in Pjöngjang zeigt sich wenig beeindruckt von der scharfen Kritik des Rests der Welt – allen voran der Amerikaner.

Obama schickt seine Expertin für deutliche Worte

Dabei spricht für die USA „Obama’s bad cop“, wie das US-Magazin „Newsweek“ gerade Außenminister Hillary Clinton titulierte. Die Frau für die harten Worte, für das entschlossene Krisenmanagement.

DAS erklärt natürlich einiges. Denn wenn Hillary bereits der „bad cop“ ist und in ihrer Regierung als der Experte für die deutlichen Worte gilt, dann ist es natürlich nur folgerichtig, wenn Obama ungefähr so hart rüberkommt wie eine alte Banane (geschält wohlgemerkt). Und auf die Bösewichter der internationalen Politik auch ungefähr dieselbe Wirkung hat.


Nein, nicht der Bill, sondern der Bob. Aber selbst wenn er das „Gourmet Haus Staudt“ nicht mal kennen sollte, sein Memo hat jedenfalls trotzdem jemand irgendwo rumliegen lassen. Allerdings keines mit dem Plan iRan 4G, sondern eines, das die bisher offenbar noch nicht mal angedachte Version 3G einklagt, von der konkreten Entwicklung des 3GS mal ganz zu schweigen:

Ein vertrauliches Memo von US-Verteidigungsminister Gates sorgt in Washington für Wirbel: Barack Obama habe keine klare Linie im Umgang mit Irans Atomprogramm, soll es darin heißen. Der Pentagon-Chef spielt die Bedeutung des Papiers herunter – doch die Kontroverse zeigt die Schwäche der Teheran-Politik des Präsidenten.

[…] unbestritten ist, dass die Iran-Strategie der Obama-Regierung auf dem Prüfstand steht. Er brauche kein geheimes Memo, um beurteilen zu können, dass diese wenig kohärent sei, höhnt John McCain, Ex-Präsidentschaftskandidat der Republikaner.

Daß ein kluger Kopf wie McCain zu dieser Erkenntnis auch ohne das geheimnisumwitterte Memo kommt, überrascht nicht wirklich. Daß der SPIEGEL anfängt, Obamas Iran-Politik wenigstens ansatzweise kritisch zu beäugen, schon eher. Die wirkliche Überraschung aber ist, daß dabei sogar die linke „Huffington Post“ als Kronzeuge gegen Obamas Versagen herangezogen wird, deren Machern angesichts des realexistierenden „Change“ mittlerweile auch ein wenig mulmig zu werden beginnt, weswegen von dort mittlerweile Vorschläge in den Ring geworfen werden, die hierzulande wohl parteiübergreifend als „neokonservative Kriegshetze“ abgelehnt würden:

Richard Haass, Präsident des Council on Foreign Relations in New York, ist in der „Huffington Post“ noch skeptischer. „Diese Maßnahmen werden Irans Atomprogramm kaum aufhalten können.“

Nötig seien umfassendere Einschränkungen, so Haass, etwa von iranischen Ölexporten. Damit einhergehen müsse ein amerikanischer Plan, notfalls militärische Mittel einzusetzen – um Irans Atomprogramm zumindest verzögern zu können und das dortige Regime zu schwächen.

Der folgende Satz sollte der Welt – wenn auch sicherlich vom Autor kaum beabsichtigt – dabei eine ernste Warnung sein:

Schließlich sei eine genaue Analyse nötig, ob ein atomar bewaffneter Iran ähnlich wie Nordkorea unter Kontrolle zu halten sei.

Denn wenn Nordkorea, das problemlos Raketentechnologie in den Iran exportieren konnte, eine komplette Plutoniumfabrik in Syrien aufgebaut hat und auch sonst die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und geeigneten Trägersystemen an Schurkenstaaten zu seinem neuen Lebenszweck erkoren zu haben scheint, bereits als Beispiel für erfolgreiche „Kontrolle“ herhalten muß, dann können sich vielleicht auch weniger phantasiebegabte Naturen allmählich ausmalen, was auf diesem Erdenrund los sein wird, wenn das mit der Kontrolle nicht ganz so gut klappt, wie Bob’s Brötchengeber sich das auf seinem flauschigen Himmelbett im neu errichteten Elfenbeinturmzimmer des Weißen Hauses erträumt.

Alive and threatening


Das nordkoreanische Staatsfernsehen hat Machthaber Kim Jong Il bei einer Massenveranstaltung gezeigt. Die seltenen Aufnahmen fallen zusammen mit einer Kriegsdrohung gegen das Nachbarland Südkorea. Dort bereiten Zehntausende US-Soldaten und südkoreanische Truppen ein Manöver vor.

Er mag einsam sein, aber er hat immer noch sichtlich Spaß dabei. Und zu Recht! Welchem Politiker außerhalb des Mittleren Ostens ist es schon vergönnt, unprovozierte Kriegsdrohungen gegen friedfertige Nachbarn auszustoßen und als Reaktion statt dem Abzug sämtlicher ausländischer Botschafter zur Belohnung auch noch Geschenke angeboten zu kriegen.