Tag Archive: Kurdistan



Und wieder ein totes muslimisches Mädchen. Und wieder in Politik wie Medien Europas niemand da, den es interessiert.

Turkish strikes kill girl in Iraq’s north

Teenage girl’s family also wounded in strikes against Kurdish rebel positions in self-rule region

Seit dem 31. Mai, also dem Tag, an dem bei der Erstürmung der Gaza-Flotille durch israelische Commandos neun militante Islamisten aus der Türkei starben, und seit dem der türkische Premier sich vor Empörung gar nicht mehr einkriegt, tötete seine Armee nach eigenen Angaben insgesamt bereits mehr als 120 Kurden. Die Reaktionen der europäischen Politik sind bekannt. Es gab keine.


Wenn ein US-Präsident sich den perfekten Bündnispartner im Mittleren Osten malen könnte, dürfte er ungefähr so aussehen:

[…] a faithful, almost fervent, U.S. ally who wants nothing more than to create a prosperous Western style, capitalistic democracy.

Schade nur, daß im Weißen Haus zur Zeit jemand sitzt, der im Gegensatz zu seinem Vorgänger weder die Phantasie hat, ein Bild zu entwerfen noch selber mit Buntstiften umgehen kann, während er gleichzeitig in die künstlerischen Fähigkeiten der Leute mit den Radiergummis vertraut.


Vereint marschieren…

Turkish warplanes bombed Monday several Kurdish rebel positions in neighbouring northern Iraq, the NTV news channel reported, amid an upsurge in unrest between troops and the outlawed group. […] The raid, the second in less than three weeks, follows a May 31 rocket assault claimed by the PKK on a naval base in southern Turkey that killed six soldiers and wounded seven in one of the deadliest attacks in months.

…getrennt zuschlagen:

Iranian troops have been shelling the region for at least 12 days in pursuit of Kurdish rebels, according to Lt. Saleh Ahmed of the Kurdish security forces. He said Iranian artillery killed a 14-year-old girl and wounded three villagers on May 30. Iranian troops with artillery and tanks crossed the Iraqi border last Thursday and began building an outpost and a road leading back into the Iranian side of the border, he said.

Luftangriffe und Artilleriebeschuß von Nachbarstaaten, besetztes Land und unterdrückte Minderheiten, tote Mädchen und verwundete Zivilisten – mit anderen Worten das volle Programm für die internationale Empörungsindustrie. Eigentlich.

Doch die UNO blicket stumm in der ganzen Welt herum. Genauer gesagt in jenem Teil davon, der Israel heißt.


Da muß ich mich gleich doppelt korrigieren: Nicht nur, daß ich mich in der pessimistischen Einschätzung geirrt habe, daß sich niemand mehr für die Kurden interessieren würde; die mich da gerade widerlegen, sind auch beileibe keine nützlichen Idioten, die sich von irgendwem für etwas einspannen lassen, das sie selber nicht durchschauen, sondern im Gegenteil ausgesprochen kluge Köpfe, die das ganze gleich selbst in die Hand nehmen:

Israeli students are planning a „peace flotilla“ to Turkey with humanitarian aid for nations who suffered under Turkish imperialism – the Kurds and Armenians. The initiative comes in response to the world’s sharp criticism of Israel’s lethal raid on the Gaza flotilla which left nine activists dead and many wounded.

Was mal wieder zeigt, daß man die Hoffnung nie aufgeben soll. Selbst wenn es am Ende am Geld scheitern sollte, den Versuch war es zumindest wert.


Bei aller berechtigten Kritik an den antisemitischen Umtrieben der Free Gaza-Aktivisten sollten wir nicht vergessen, den ja nicht minder bescheuerten antiamerikanischen Irakkriegsgegnern auch noch einen mitzugeben. Nicht daß die denken, man würde sie jetzt übersehen. Wenn also schon unbedingt Märtyrer bejubelt werden müssen, dann bitte die richtigen:

„The American soldiers killed are martyrs and our people will never forget them. We will erect statues for them in important locations.“


Attacke vor Gaza: „Für die Türkei ist das fast wie ein militärischer Angriff“

Nicht nur für die Türkei. Für Israel auch, und zwar nicht erst nach der tragischen Entwicklung der ganzen Angelegenheit, ging es den fragwürdigen Gestalten hinter dem sogenannten „Hilfs“konvoi doch von vorneherein nicht um irgendwelche humanitären Ziele, sondern um die Aushöhlung der israelischen Souveränität und des Rechts Israels auf Selbstverteidigung.

Deswegen wäre es auch absolut nachvollziehbar, wenn demnächst von Haifa aus eine „Free Diyarbakir“-Flottille in Richtung Iskenderun in See stechen würde, um das bedrängte kurdische Volk mit allem zu versorgen, was die Co-Organisatoren aus dem PKK-Umfeld für wichtig genug erachten, um es den neugierigen Blicken der türkischen Besatzer zu entziehen.

Doch soweit wird es nicht kommen, und zwar nicht nur, weil sich heutzutage niemand mehr für die Kurden interessiert, obwohl sie zweifellos mehr Recht auf ihren ersten Staat hätten als die Araber auf ihren paarundzwanzigsten. Befreiungsbewegungen, die sich nicht gegen den Westen richten, und sei es nur, weil ihre Unterdrücker sich von diesem entfernen, sind schließlich uncool.

Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß die derzeit so demonstrativ empörten Türken allein im Jahrzehnt von 1985-95 (übrigens ohne größeren Ärger mit der UNO) weit mehr Kurden umgebracht haben als Palästinenser in allen Kriegen gegen Israel zusammengenommen umgekommen sind, und das, obwohl kein Kurde der Türkei je das Existenzrecht abgesprochen hätte.

Der Hauptgrund für die israelische Zurückhaltung bei der Durchführung einer derartigen Aktion dürfte aber letztlich viel banaler sein. Anders als in der Türkei – und auch in Europa! – finden sich in Israel schlicht und einfach nicht genügend nützliche Idioten, um bei so einem Unsinn mitzumachen. Was diesmal ausnahmsweise ein kleines bißchen bedauerlich ist.