Tag Archive: Irak



Wer wissen will, wie man sich für militärische Interventionen gegenüber Terrorregimen aussprechen und trotzdem ziemlichen Unsinn schreiben kann, der sollte sich aller berechtigten Abscheu zum Trotz überwinden und einen Blick in den al-Guardian werfen. Da kann man nämlich wunderbar sehen, in welche Widersprüche man sich verstrickt, nur weil man partout nicht zugeben möchte, dass man mit seiner Ablehnung des Irakkriegs leider auf der falschen Seite der Geschichte gestanden hat.

Denn die grausamen Verbrechen, die das syrische Regime derzeit an seiner eigenen Bevölkerung begeht, bewegen sich, selbst wenn man sie mit den im ebenfalls als Beispiel herangezogenen Bosnien zusammenrechnet, bisher nicht mal annähernd in jenen zahlenmäßigen Regionen, die Saddam Hussein während seiner Schreckensherrschaft zum Opfer fielen. Die einzige aus humanitären Gründen berechtigte Kritik am Irakkrieg bleibt daher die, dass er nur viel zu spät geführt wurde.

Aber auch das so beliebte wie unmoralische formalistische Zurückziehen auf die als fehlerhaft wahrgenommene Annahme des irakischen Besitzes von Massenvernichtungswaffen geht fehl, denn anders als im Falle des Irak glaubt heute niemand, dass iranische Atomwaffen in 45 Minuten einsatzbereit seien. Saddam Hussein wiederum würde ohne den Irakkrieg heute nur deswegen nicht an der Einführung von Massenvernichtungswaffen arbeiten, weil er sie schon seit Jahren besäße.

Deswegen, liebe Irakkriegsgegner, sofern Ihr nicht gleichzeitig zugebt, wie sehr Ihr Euch mit Eurem Kampf gegen den Sturz Saddam Husseins geirrt habt, könnt Ihr Euch das peinliche Hin- und Herwinden sparen und weiter wie gewohnt im Namen des Völkerrechts für die legitime Herrschaft seines faschistischen Parteigenossen Assad eintreten oder auf die „smoking gun“ der iranischen Armageddonsekte warten. Und keine Angst, da irrt sich dann keiner. Selbst Ihr werdet sie erkennen.

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Wer links ist? Na, Du bist es jedenfalls nicht, Augstein. Denn wer Millionen von Menschen ohne auch nur den Versuch von Gegenwehr finstersten mittelalterlichen Klerikalsadisten überlassen will, den Krieg gegen einen zwischen Massengräbern und Schädelbergen residierenden originalgetreuen faschistischen Diktator mit peinlichen Entgleisungen wie „Demokratie, wenn es darum jemals ging, lässt sich nicht von außen herbeibomben“ garniert und gleichzeitig dem Staat der Holocaustüberlebenden allen Ernstes nahelegt, vor größenwahnsinnigen Nationalisten mit Supermachtphantasien und reaktionären Vertriebenenverbänden mit antisemitischer Agenda zu kuschen, der kann noch so demonstrativ von sozialen Gefälligkeiten für die eigenen (Volks)genossen schwafeln, er ist und bleibt ein knallharter Rechter.


Da hat man das regelmäßige Bloggen eigentlich schon komplett durch das gelegentliche Twittern ersetzt, und dann bekommt man von einem altgedienten Kontrahenten, der seit Jahren immer mal wieder seinen Abschied verkündet hat, bis er dann endgültig in Rente gegangen zu sein schien, einen aktuellen Kommentar zur Lage der Nationen, und den sogar unter dem legendären Pseudonym seiner frühen Schaffensphase.

Die Wiederaufstehung von Ivan dem Schrecklichen ist dann doch Anlass genug, zur Abwechslung mal wieder für einen längeren Text in die Tasten zu hauen, nicht zuletzt weil in den letzten Jahren wohl wenige so konstant so falsch gelegen haben wie er. Auch wenn es für ihn bitter ist, aber man hat fast das Gefühl, die Weltgeschichte der letzten Jahre wäre vor allem dem einen Ziel untergeordnet gewesen, ihn zu widerlegen:

1. Die USA mussten am Ende nicht unter Zurücklassen ihrer schweren Waffen vor einem überlegenen Feind flüchten, sondern hatten diesen militärisch geschlagen, bevor sie sich in aller Ruhe planmäßig aus dem Irak zurückzogen.

2. Sie haben das besiegte Land folglich auch nicht als Kolonie behandelt und dauerhaft besetzt, sondern sind, als dessen legitime Regierung die Präsenz der amerikanischen Truppen nicht länger wünschte, vertragsgemäß abgezogen.

3. Der Irak ist zwar sicherlich noch keine perfekte Demokratie, aber er war diesem Ziel spätestens nach den zweiten Wahlen, an denen sich dann auch die Sunniten ausreichend beteiligten, näher als jeder andere arabische Staat.

4. Der einzige Flächenbrand, der durch den Sturz des grausamsten wie gefährlichsten arabischen Tyrannen ausbrach, war der arabische Frühling, der sich allen Risiken zum Trotz langfristig als von Vorteil erweisen wird.

5. Trotzdem kostete der Irakkrieg nur einen Bruchteil der durchschnittlichen Opferzahlen von Saddam Husseins Herrschaft über einen vergleichbaren Zeitraum (also jenem Zustand, den die Irakkriegsgegner als „Frieden“ erhalten wollten).

6. Damit erwies sich die von den Strategie der forcierten Demokratisierung der arabischen Welt entgegen den Kassandrarufen der Kulturrelativisten nicht nur als praktisch machbar, sondern auch als moralisch richtig.

Dass die amtierende US-Regierung es am Ende doch noch schaffen könnte, die vergleichsweise gute Ausgangslage, die ihm sein Amtsvorgänger im Irak hinterlassen hat (und die dieser damals gegen Obamas erbitterten Widerstand erkämpfen musste!), zu verspielen, und einen militärischen Sieg tatsächlich in eine politische Niederlage verwandeln, bestätigt leider nur, wie richtig Bush mit seiner harten Haltung lag und wie fatal sich die Bereitschaft seines Nachfolgers zu einer Verständigung mit dem Mullahregime auch auf die einstigen Verbündeten im Irak auswirkt.

Wenn sich jetzt nämlich – wohlgemerkt gerade NACH dem Abzug der US-Truppen, nicht wegen deren Verbleibs im Land! – Schiiten wie Sunniten zu neuen Schutzmächten umorientieren, weil sie nicht ganz unberechtigt den Eindruck bekommen haben, dass die USA sich im Gegensatz zu früher den Herrschaftsansprüchen Teherans nicht länger in den Weg stellen werden, und sie anders als Amerika noch eine Zeitlang in der Region überleben wollen, ist das nun wahrlich nichts, was für einen Kuschelkurs gegenüber größenwahnsinnigen Möchtegernsupermächten spricht.

Dies ist umso tragischer, als Obama selbst dies im Gegensatz zu seinen Fans inzwischen sogar erkannt zu haben scheint. Zumindest versucht er nach einer erneuten Kehrtwende inzwischen den Anschein zu vermeiden, dass die USA unter seiner Amtsführung nicht mehr Ernst zu nehmen seien. Bush mußte vielleicht manchen Krieg nicht führen, weil man ihm jederzeit abnahm, dass er es tun könnte. Obama hingegen, der notfalls sogar lieber die Franzosen vorschickt, wird dazu möglicherweise gezwungen sein, gerade weil man es ihm nicht zutraut.

Bush und die NeoCons haben damit also wie erwartet auch im nachhinein auf ganzer Linie recht behalten, Obama sowie die anderen Irakkriegsgegner – und hier, um noch mal auf den Anlass dieses Artikels zurückzukommen, ganz besonders natürlich unser Ivan! – hingegen entsprechend unrecht. Ist zwar ein bißchen gemein, gerade jetzt, wo sie am Boden liegen, noch mal so demonstrativ darauf rumzureiten, aber wenn man so eine schön verpacktes Geschenk bekommt, dann will man auch mal am Schleifchen ziehen. Gerade an Weihnachten.


A memory from those bygone days when the President of the United States not only knew where to go to but also how to get there and – even more important! – why he should do so in the first place.

Happy Birthday, Mr. President!


Also entweder haben die Beteiligten an der aktuellen Entwicklung in Nordafrika einen erstaunlichen Sinn für’s Timing oder aber die Geschichte ist doch gerechter als man gemeinhin glaubt.

Jedenfalls fällt auf, dass Sarkozy, der das Rad der französischen Geschichte zur Abwechslung mal von der Friedensachse abgeschraubt hat, seine Bomber am selben Tag losschlagen lässt, an dem Bush und dessen Koalition der Willigen das bereits vor 8 Jahren taten (dass gerade die oft verlachten Franzosen Bushs Nachfolger zum Jagen tragen mussten, gibt dem ganzen eine besondere Würze).

Die Ägypter wiederum haben denselben Tag passenderweise gleich für ihr Verfassungsreferendum gewählt (upps, falsches Bild, die Ägypter nehmen ja mehr pink als lila, da ist das natürlich was ganz anderes und überhaupt nicht vergleichbar).

Selbst der Schurke im Stück hat den Terminplan für seinen Vorstoß auf die Cyreneika bis auf wenige Tage dem 70-jährigen Jubiläum eines früheren Versuchs angepasst (ok, ist dann ein wenig schiefgegangen, weil die Alliierten die Panzerkolonnen des Wüstenfuchses diesmal noch vor Bengasi gestoppt haben, aber der gute Wille zählt).

Und was lernen wir daraus? Nicht jeder kann vielleicht ein Churchill oder Bush sein, aber man könnte den Menschen so manches Leid und sich selbst die eine oder andere Peinlichkeit ersparen, wenn man rechtzeitig zuhört, statt alle Erfahrungen wie ein kleines Kind immer erst selbst machen zu wollen.


Revolte gegen Gaddafi eskaliert zum Bürgerkrieg

Ja wie? Eskalation? Bürgerkrieg? Ohne einen vorherigen Einmarsch der Amerikaner? Das hat gar nicht zwingend etwas miteinander zu tun? Sollte das am Ende gar bedeuten, dass religiöse Differenzen, ethnische Spannungen und Clanrivalitäten gar nicht durch westliche Interventionen hervorgerufen werden, sondern durch religiöse Differenzen, ethnische Spannungen und Clanrivalitäten?

Upps, dann müssen die Opferzahlen des Irakkriegs nach der Lancet-Pleite aber wohl noch ein weiteres Mal drastisch nach unten korrigiert werden, denn ohne die Opfer des Milizenterrors durch die miteinander verfeindeten ethnischen und religiösen Gruppen bleibt nicht mehr allzu viel für die Amerikaner übrig, was man ihnen wegen ihres Kampfes gegen den Ba’ath-Faschismus bei allem bösen Willen noch halbwegs schlüssig zurechnen könnte.

Außer natürlich man vertritt die seit dem Fallen der arabischen Dominosteine nicht nur faktisch, sondern endlich auch politisch zunehmend unkorrekte Position, dass die USA mit dem Sturz von Saddam Hussein die Büchse der Pandora geöffnet hätten, weil der vorher mit harter Hand für Ruhe und Ordnung gesorgt habe, und dass das in irgendeiner Weise etwas positives gewesen sei (also sozusagen Massengräber mit Autobahnanschluss).

Dann allerdings sollte man jetzt auch nicht wegen eines angesichts von Völkermördern der Saddam-Klasse vergleichsweise harmlosen Clowns wie Gaddafi anfangen zu weinen. Denn selbst wenn der wollte, könnte er sich ohne den Zugriff auf Atomwaffen (die er ja auch nicht einfach so aufgegeben hat) nicht mal annähernd in jene Regionen morden, in denen Saddam Husseins Herrschaft vielen, die sich heute zu Wort melden, noch schützenswert schien.

Womit die Irakkriegsgegner aus der Libyendiskussion dann mal raus wären. Denn wie man sieht, argumentieren sie entweder skrupellos oder dumm. Wobei die Erfahrung zeigt, dass sie es natürlich problemlos schaffen werden, beides bei Bedarf miteinander zu verbinden.


Der SPIEGEL macht sich in seiner aktuellen Ausgabe mal wieder Sorgen:

Irak – Die Pentagon-Protokolle

Über 100.000 Tote und immer noch kein Frieden

War es das wert?

Das läßt sich ganz einfach herausfinden. Schauen wir uns doch einfach mal die Alternativszenarios zum Sturz des Ba’ath-Regimes an:

Variante 1 – Business as usual

Nach zusätzlichen 7 Jahren Sanktionen, während denen Saddam Hussein seiner Bevölkerung weiterhin vorsätzlich die nötigen Hilfsgüter vorenthielt, weil ihm die unvorteilhaften Bilder von hungernden Menschen als vorteilhaft für seine eigenen Pläne erschienen, starben alleine zwischen 2003 und 2009 mindestens 500.000 Iraker (nach Angaben der Sanktionsgegner sogar mehr als 1 Million), darunter hauptsächlich Kinder, an Hunger und Krankheiten. Der SPIEGEL titelt am 25.10.2010 vor Begeisterung darüber, daß 2003 der Irakkrieg vermieden werden konnte:

Irak – Die Rotkreuz-Protokolle

Über 500.000 Tote und immer noch Frieden

Das war es wert!

Wie? Die Sanktionen hätte es gar nicht so lange gegeben? Stimmt, sie standen ja bereits 2003 kurz vor dem Zusammenbruch:

Variante 2 – Leben und morden lassen

Die zur Durchsetzung der Sanktionen in immer kürzeren Abständen notwendigen alliierten Luftoffensiven forderten zwar kaum nennenswerte Opfer unter der irakischen Zivilbevölkerung, jedoch gingen den USA nach Desert Wolf 2003, Desert Rat im Frühjahr 2004 und Desert Jackal im Herbst desselben Jahres nicht nur allmählich die Tiernamen aus, sondern auch die notwendige internationale Unterstützung verloren, weil die französische Ölindustrie einen 100-Mrd-Dollar-Deal mit dem Irak in der Tasche hatte. Mit dem offiziellen Ende des Sanktionsregimes der Vereinten Nationen widmete sich Saddam Hussein wieder verstärkt seinen Untertanen, vor allem jenen in den jetzt nicht mehr unter dem Schutz einer Flugverbotszone stehenden abtrünnigen kurdischen und schiitischen Gebieten. Der SPIEGEL titelt am 25.10.2010 vor lauter Freude über den 2003 vermiedenen Irakkrieg:

Irak – Die amnesty-Protokolle

Über 200.000 Tote und immer noch kein richtiger Krieg

Das war es wert!

Aber das Best Case-Szenario können wir eigentlich auch beiseite lassen, denn ein Saddam Hussein hat nicht nur depressive Phasen, sondern an guten Tagen – also meistens – weit größere Pläne:

Variante 3 – Frieden ist, was der SPIEGEL so nennt

Nach Ende der UNO-Sanktionen und der gleichberechtigten Rückkehr in die Völkergemeinschaft im Jahre 2004 nahm der Irak seine Programme zur Entwicklung von Massenvernichtungswaffen an der Stelle wieder auf, wo er sie zwischenzeitlich hatte stoppen müssen. Während der Aufbau eines Arsenals an Chemiewaffen mit Hilfe Syriens recht schnell voranging, zog sich das mit nordkoreanischer Unterstützung vorangetriebene Atomwaffenprogramm etwas in die Länge. Nach dem ersten Atomwaffentest 2008 fühlte Saddam Hussein sich jedoch stark genug, um endlich die Ernte seiner mehrjährigen Wiederaufrüstung einzufahren und – diesmal geschützt von einem Atomschirm – offene Rechnungen zu begleichen. Ging der Anschluß von Kuweit als 19. Provinz des Irak 2009 noch ohne militärische Gegenwehr vonstatten, zeigt sich das Mullahregime trotz der militärischen Überlegenheit des Irak uneinsichtig und kapitulierte trotz monatelanger erbitterter Kämpfe erst im Oktober 2010 nach dem Atomschlag, der die heilige Stadt Ghom auslöschte und alleine für rund ein Viertel der Kriegstoten verantwortlich war. Der SPIEGEL kriegt sich ob des 2003 vermiedenen Irakkriegs trotzdem nicht ein und titelt am 25.10.2010:

Irak – Die Sicherheitsrat-Protokolle

Über 1.000.000 Tote und immer noch kein Krieg mit amerikanischer Beteiligung

Das war es wert!

Und genau deswegen war die SPIEGEL-Ausgabe 43/10 den Kauf auch nicht wert.


Wenn es einen ernsthaften Grund gibt zu behaupten, daß George W. Bush nicht der großartigste Politiker der letzten Dekade war, dann den, daß es da eine einzige Person gibt, die ihm diese Position tatsächlich streitig machen könnte. Sollte ich mir demnächst mal wieder ein Buch kaufen, weiß ich jedenfalls schon welches.


Über 4400 tote US-Soldaten und mehr als eine Billion Dollar Kriegskosten: Mit dieser Bilanz hat Barack Obama den Kampfeinsatz im Irak offiziell für beendet erklärt. Wichtigste Aufgabe sei es nun, die heimische Wirtschaft anzukurbeln, kündigte der Präsident in seiner Rede an die Nation an.

Das hätte er wohl gerne. Abzug aus dem Irak und alles wird gut. Dumm nur, daß die Fakten dem entgegenstehen. Denn so wie es aussieht, wurden hier zunächst mal die Kosten anderer militärischer Operationen einfach dem Irakkrieg zugerechnet. Wäre Obama der Grundrechenarten mächtig, hätte er hingegen auf Seite 15 des Berichts seiner eigenen für die Ermittlung der Zahlen zuständigen Behörde, des Congressional Budget Office, nachlesen können, daß die Kosten bei $709 Mrd. lagen, was natürlich zugegeben nicht so knackig klingt wie „mehr als eine Billion“.

Somit betrugen die Kriegskosten nur ca. 3,2% der Bundesausgaben, und die direkten negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft sind alleine schon deswegen zweifelhaft, weil der Krieg allen Unterstellungen neoliberaler Umtriebe auch unter Bush ja nur auf Pump finanziert wurde (wobei er selbst zur Neuverschuldung nur etwa ein Siebtel beiträgt und sogar nur ein Zwölftel der Gesamtverschuldung des Bundes ausmacht), so daß die Folgen daher sowieso erst in der Zukunft spürbar werden, wenn es darum geht, das Geld wieder zurückzuzahlen.

Rein wirtschaftlich betrachtet wäre der Irakkrieg also eher eine – wenn auch wie immer bei Rüstungsausgaben nur begrenzt effiziente – Konjunkturspritze gewesen. Und gemessen an dem selbst nach Ansicht des SPIEGEL mehr als fragwürdigen Konjunkturprogramm, mit dem Obama die heimische Wirtschaft gleich nach seinem Amtsamtritt beglückte, war der Irakkrieg geradezu ein Schnäppchen, denn wo Bush noch 6 Jahre Krieg brauchte, um das Geld loszuwerden, verpulverte sein Nachfolger denselben Betrag bereits in zwei Jahren Frieden.

Spätestens jetzt kommt der Einwand, daß Obama hier vielleicht ein bißchen gemogelt hat, aber an der Zahl der amerikanischen Opfer dafür nicht zu rütteln ist (gerettete Iraker zählen bei Leuten, die solche Einwände bringen, ja bekanntlich nichts), und Blut nun mal viel wichtiger ist als Geld. Doch dumm gelaufen, denn wenn es tatsächlich darum ginge, könnte Obama anders weit mehr Menschenleben retten. Der verlustreichste Krieg findet nämlich nicht in den Straßen von Baghdad statt, sondern auf denen von New York und Los Angeles, und zwar ohne daß ein Schuß fällt.

Im selben Zeitraum, in welchem mehr als 4.000 GIs im Irak fielen, starben nämlich zuhause schätzungsweise zwischen 250.000 und 300.000 amerikanische Zivilisten. Oder um es etwas deutlicher zu machen: In jeder Woche sterben mehr Amerikaner im Straßenverkehr als in einem Jahr Krieg im Irak. Im Jahre 2003 waren es mit fast 43.000 alleine fast zehnmal soviele wie im gesamten Irakkrieg, und daß die Zahl bis 2008 auf etwas über 37.000 gefallen ist, hat bereits mehr gebracht als dies durch den Verzicht auf den Sturz Saddam Husseins zu erreichen gewesen wäre.

Die Opfer dieses Krieges finden vielleicht weniger mediale Aufmerksamkeit als tote Soldaten, aber sie sind nicht nur genauso tot, sie sind es zudem auch noch völlig sinnlos, da niemandem dadurch geholfen ist, wenn man durch die Windschutzscheibe fliegt. Und nachdem ungefähr die Hälfte der getöteten Unfallopfer nicht angeschnallt war, würde alleine eine Durchsetzung der Gurtpflicht mehr Amerikanern das Leben retten als der Abzug aus dem Irak. Aber das klingt im Wahlkampf natürlich nicht so cool. Und nur darum geht es.

(Hat tip: S1IG)

Ami stay here!


US-Truppenabzug aus dem Irak: Bagdad trauert den früheren Feinden nach

Ja, da staunt der SPIEGEL, hat man doch jahrelang gleich doppelt falsch gelegen. Nicht nur, daß die Besetzten die Besatzer offenbar gar nicht mehr missen mögen, sondern auch darin, daß Obama noch einen Extra-Eßlöffel Weisheit zu sich genommen hat, bevor er verkündete, die Truppen unabhängig von der Lage aus dem Irak abziehen zu wollen.

Denn selbst wenn die Iraker das – ja noch unter dem angeblichen Kriegstreiber Bush ausgehandelte – Abkommen zum Truppenabzug revidieren wollten, könnte Obama dem aufgrund seiner voreiligen Versprechen nicht ohne Gesichtsverlust zustimmen. Denn wie heißt es noch so schön „Image ist alles, der Irak ist nichts (wofür es sich zu kämpfen lohnt)“.