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Mein Haus ist schön. Nichts besonderes, ein ganz normales Mehrfamilienhaus, aber in einer vergleichsweise ruhigen, gepflegten Gegend. Hier ist alles gut organisiert, also wer wann die Strasse kehrt, wie viel wir in die Hausgemeinschaftskasse zahlen und für was wir das Geld ausgeben. Wir haben sogar ein eigenes Hausmitteilungsblatt! Die Nachbarn sind im Großen und Ganzen halbwegs ok (zumindest nerven sie in der Regel nicht groß), die Vorgärten gepflegt, alles ganz nett. Manchmal sogar fast ein bisschen langweilig, die Gegend. Aber egal, man hat seine Ruhe und das Leben hier ist vergleichsweise problemlos.

Das war nicht immer so. Früher, lange bevor ich hier eingezogen bin, muss es hier noch richtig rund gegangen sein. Gab immer wieder kräftig Randale, bis irgendwann mal die Polizei mit einem kompletten SEK eingerückt ist und dem Spuk ein Ende bereitet hat. Gab damals wohl eine richtige Strassenschlacht, bei der, wie ich gehört habe, auch einiges zu Bruch ging, aber nachdem die Polizei die übelsten Krawallmacher aus dem Verkehr gezogen hatten, setzten sich die übrigen Bewohner zusammen und beschlossen, gemeinsam alles dafür zu tun, dass das Viertel nie mehr so runterkommen sollte.

Sie haben dann angefangen miteinander Geschäfte zu machen statt sich gegenseitig zu beklauen, bemühten sich wenigstens, einander gegenüber höflich zu sein, und irgendwann wurden manche, deren Eltern sich noch abgrundtief gehasst haben, richtige Freunde. Es haben sogar welche untereinander geheiratet, das wäre früher undenkbar gewesen. Ist natürlich sicher noch nicht perfekt, manchmal sogar ein bisschen spießig, aber man muss zugeben, sie haben doch ganz schön was draus gemacht. Auch wenn hier die Mieten natürlich etwas höher sind, ist es schon toll, hier leben zu können.

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Das Ende der Blockade ist also eine reine Frage der Vernunft. Zumal es Alternativen gibt. Niemand denkt daran, die Grenzen Gazas zu Israel und Ägypten so zu öffnen wie die zwischen Straßburg und Kehl. Die EU hat längst angeboten, sich an effektiven Grenzkontrollen zu beteiligen. Ladungen würden durchleuchtet und durchsucht: Raketen und Granatwerfer bitte beim Zoll abgeben.

Man fragt sich unwillkürlich, an welche Art von Kontrolleuren der Autor beim Schreiben seines Textes gedacht hat. Vielleicht an jene Vollprofis, die heute auf Steuerzahlerkosten Urlaub im Hotel in Ashkelon machen, weil es ihnen in Gaza selbst zu heiß geworden ist? Die Schiffchen, die vor der libanesischen Küste dümpeln, damit die Besatzung wenigstens einen Yachturlaub im Mittelmeer bekommt, wenn sie dort schon keine ernsthaften Kontrollen durchführen darf? Ihre Kollegen an Land, die die Wiederbewaffnung der Hisbollah im Südlibanon schon seit 4 Jahren nicht zu verhindern in der Lage sind? Oder gar deren Kameraden an der Grenze zu Syrien, die nur deswegen nicht von ihren Grenzposten türmen können, weil sie sie erst gar nicht beziehen?

Es wäre jedenfalls interessant zu erfahren, welche Garantien dem verantwortlichen Redakteur so vorschweben, um die israelische Regierung zu überzeugen, daß sich ein Debakel wie die bisherigen EU/UNO-Kontrollen nie mehr wiederholen wird, und diesmal alles, aber auch wirklich alles anders wird. Aber das sind wohl nur Detailfragen, über die sich große Denker keine Gedanken machen müssen. Hauptsache, Bibi unterschreibt die Kapitulationsurkunde, dann wird der ZEIT sicher noch rechtzeitig was einfallen. Und wenn nicht, macht’s auch nix. Die Raketen schlagen ja schließlich nicht im eigenen Verlagshaus ein.


Drei Iraner, die auf den Seychellen mit israelischen Pässen festgenommen wurden? Na, da wird der einzige Grund dafür, daß die EU-Staaten noch nicht ihre jeweiligen iranischen Botschafter einbestellt haben, wohl der sein, daß die Nachricht bisher nur auf hebräisch verfügbar ist. Aber wenn sie es in die internationalen Qualitätsmedien geschafft hat, bricht sicherlich ein Sturm der Entrüstung los.