Category: Entwicklungshilfe



Stoppt den durch blutsaugende Heuschrecken in Nadelstreifenanzug und mit dicken Zigarren in den dunklen Hinterzimmern der Finanzwelt organisierten heimlichen Transfer des hier erwirtschafteten Wohlstands in ferne Länder, die uns nichts angehen!

Es kann nicht sein, dass reiche Eliten, elitäre Reiche und andere Asoziale nur um der höheren Rendite willen ihr der Volksgemeinschaft entzogenes Geld dazu mißbrauchen, um irgendwo in Indien oder Brasilien Fabriken errichten zu lassen, während hier die Armen verelenden.

In der III. Welt werden eh nur Produkte hergestellt, die unseren eigenen Konkurrenz machen, während wir Millionen von Arbeitslosen haben. Globalisierung, Freihandel und Dauerwachstum im Ausland bei gleichzeitiger Stagnation im Inland müssen endlich ein Ende haben!

Deshalb: Spitzensteuersatz rauf und Goldspeicherpegel runter! Je weniger Spielgeld die Investoren haben, desto geringer ist der Anteil, der außer Landes geschafft wird, und desto mehr bleibt hier, was wir an die wirklich Bedürftigen – sprich: unsere Wähler – verteilen können.

Die da unten können ja selber sparen. Wir müssen nicht den eigenen Wohlstand verschenken, nur damit andere schneller aufholen. Wir haben auch Jahrhunderte gebraucht, da müssen die das nicht in Jahrzehnten schaffen, sondern sollen gefälligst warten, bis sie dran sind.

Ok, mit so einem nationalegoistischen Touch kann man das natürlich nicht sagen. Aber vielleicht so. Oder so. Oder so.

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Die Bässe wummern, Zigarettenqualm und Schweiß hängen in der Luft. Dicht an dicht stehen die Partygänger im „Andarin Club“. Palästinenserinnen sind nicht darunter, dafür zucken auf der überfüllten Tanzfläche Schwedinnen, Deutsche und Amerikanerinnen im Takt von R’n’B, umschwärmt von jungen palästinensischen Männern.

[…] „Es ist wahrscheinlicher, einen Stoßtrupp betrunkener Schweden als ein Mädchen aus Ramallah in den Clubs hier zu treffen“, sagt der Palästinenser Alla‘ Hilu, 29, und hebt sein Bier prostend in die Luft. „Welcome to Ramallah.“

Sieben Stockwerke weiter unten vor dem Club sind die Straßen im Zentrum Ramallahs fast menschenleer. Nur ein paar einheimische Jugendliche sitzen vor einer Imbissbude. Wer nach Mitternacht noch unterwegs ist, ist jung und männlich.

Da gibt es jetzt genau zwei Möglichkeiten: Entweder sind die Palästinenserinnen die einzigen Frauen auf der Welt, die weniger gerne tanzen als ihre Kerle, oder aber sie würden gerne, dürfen aber nicht. Letzteres wirft jedoch die Frage auf, ob die erwähnten Schwedinnen sich wirklich nur den letzten Rest Verstand weggesoffen haben, oder ob ihnen das Schicksal zumindest der weiblichen Hälfte der Bevölkerung schlicht und einfach am westlichen Knackarsch vorbeigeht. Sonst würden sie den männlichen Palästinensern nämlich sehr schnell nachdrücklich klarmachen, dass diese ohne eine ziemlich zügige Gleichberechtigung der Frau nicht auf irgendwelche weitere Unterstützung im Kampf für ihr rechtsreaktionäres Weltbild zählen können.

[…] Mehr als tausend Nichtregierungsorganisationen tummeln sich nach Schätzungen des proisraelischen Jerusalemer Thinktanks „NGO-Monitor“ im Westjordanland. Und das auf 5655 Quadratkilometern, einer Fläche nicht einmal ein Viertel von Rheinland-Pfalz. Das NGO-Mapping-Project von 2007 listet in seiner Statistik 1196 NGO, die meisten haben ihr Büro in Ramallah.

Die jungen „Internationalen“ kaufen Wein, Bier und Schnaps in einem der wenigen christlichen und damit mit Alkohollizenz ausgestatteten Supermärkte und schleppen ihre Einkäufe oft auf Privatpartys – wie an diesem Abend in die Wohnung einer französischen Praktikantin des Deutsch-Französischen Kulturcenters. Einen Joint zum Bier zu organisieren ist in Ramallah auch kein Problem.

[…] „Palästina ist das bestgehütete Geheimnis in der Hilfsindustrie. (..) Es klingt cool und gefährlich, weil es als Kriegsgebiet bezeichnet werden kann, aber tatsächlich ist es ziemlich sicher und hat all den Komfort, den Internationale wollen“, zitiert das palästinensische Veranstaltungsmagazin „This week in Palestine“ Emily Watson, die amerikanische Projektmanagerin einer medizinischen NGO.

Also alle fünf Quadratkilometer eine Hilfsorganisation, was immerhin einer auf ca. 1.500 Einwohner entspricht. Für ein Land, in dem es noch Discos gibt, in denen Touristen aus dem Ausland zusammen mit ortsansässigen Bürgern gemütlich Gebäck knabbern, Schnaps trinken und Joints rauchen können, ohne dass die Einheimischen anschließend im GULag oder einer Folterkammer verschwinden, ist das kein schlechter Wert. Sofern die Zahl der in Nordkorea oder Syrien arbeitenden NGOs nicht wenigstens im deutlich fünfstelligen Bereich liegt, könnte ganz schnell nicht nur die Frage nach der Motivation unserer nordischen Blondinen aufkommen, sich gerade Israel als persönlichen Lieblingsfeind ausgesucht zu haben, sie täte das auch zu Recht.


G8: Gaza situation unsustainable

Stimmt! Das geht nun wirklich nicht:

Eine islamisch orientierte Oligarchie sei entstanden, sagt der Politologe Mkhaimar Abusada, ein engmaschiges Beziehungsnetz zwischen den Hardlinern in der Hamas und den Geschäftsleuten, die vom Tunnelgeschäft profitieren. Sie favorisieren die Hamas nicht, weil sie religiös sind, sondern weil sie vom Status quo profitieren. «Wenn wir Raketen abfeuern müssen, um die Grenzen geschlossen zu halten, dann schiessen wir halt», sagt ein Tunnelbauer.


Da muß ich mich gleich doppelt korrigieren: Nicht nur, daß ich mich in der pessimistischen Einschätzung geirrt habe, daß sich niemand mehr für die Kurden interessieren würde; die mich da gerade widerlegen, sind auch beileibe keine nützlichen Idioten, die sich von irgendwem für etwas einspannen lassen, das sie selber nicht durchschauen, sondern im Gegenteil ausgesprochen kluge Köpfe, die das ganze gleich selbst in die Hand nehmen:

Israeli students are planning a „peace flotilla“ to Turkey with humanitarian aid for nations who suffered under Turkish imperialism – the Kurds and Armenians. The initiative comes in response to the world’s sharp criticism of Israel’s lethal raid on the Gaza flotilla which left nine activists dead and many wounded.

Was mal wieder zeigt, daß man die Hoffnung nie aufgeben soll. Selbst wenn es am Ende am Geld scheitern sollte, den Versuch war es zumindest wert.


Durch Zufall bin ich auf eine kleine Geschichte gestoßen, die zwar schon etwas über ein Jahr alt, aber immer noch topaktuell ist, weil sie nicht nur einen etwas anderen Blick auf den Nahostkonflikt wirft, sondern auch sehr gut in die derzeit in Deutschland geführte Integrationsdebatte paßt. Obwohl sie „nur“ im wahren Leben statt der großen Politik spielt, ist sie spannend und vor allem ausgesprochen lehrreich, da sie wie in einem Brennglas nicht nur eine ganze Reihe Probleme bündelt, sondern oft auch noch die Lösung aufzeigt.

Dabei ist sie geeignet, völlig unterschiedlichen und teilweise sogar untereinander erbittert verfeindeten Zielgruppen gleichzeitig die Vorurteile um die Ohren zu hauen (zumindest sofern man dort des Lesens mächtig ist). Vom antiwestlichen Islamistenversteher bis zum pseudowestlichen Islamhasser, vom konservativen Einwanderungsskeptiker bis zum möchtegernprogressiven Antizionisten und vom europäischen Medienmacher bis zum amerikanischen Präsidenten ist für jeden genug dabei, daß er mal ernsthaft ins Grübeln kommen sollte.

Auf diese Weise haben wir die einmalige Gelegenheit, die praktische Widerlegung der beliebtesten Irrtümer über Muslime wie Israelis in einem Artikel zusammen vorzufinden. Also frisch aufgemerkt und Hörgeräte auf volle Lautstärke, liebe Links- wie Rechtsreaktionäre, hier könnt Ihr alle was für’s Leben lernen:

Vorurteil 1: Muslime sind intolerante Religionsfanatiker

In Zichron Ya’akov leben heute drei Darfuri Flüchtlingsfamilien. Die Familien sind Muslime, doch von einer freieren und toleranteren Art, als sie in unserer Region üblich ist.

Vorurteil 2: Die Muslime sind alle eine große Familie

Sie flohen aus Darfur erst in den Sudan und dann nach Ägypten. In beiden Ländern wurden sie verfolgt, verprügelt und ausgegrenzt.

Vorurteil 3: Muslime fürchten Israel als ultimativen Todfeind

Wie viele andere hörten sie von Israel und wollten dorthin fliehen. Sie gaben ihr letztes Geld an beduinische Fluchthelfer aus, die sie in die Nähe der israelischen Grenze im Sinai bringen.

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