Category: Wirtschaft



Mein Haus ist schön. Nichts besonderes, ein ganz normales Mehrfamilienhaus, aber in einer vergleichsweise ruhigen, gepflegten Gegend. Hier ist alles gut organisiert, also wer wann die Strasse kehrt, wie viel wir in die Hausgemeinschaftskasse zahlen und für was wir das Geld ausgeben. Wir haben sogar ein eigenes Hausmitteilungsblatt! Die Nachbarn sind im Großen und Ganzen halbwegs ok (zumindest nerven sie in der Regel nicht groß), die Vorgärten gepflegt, alles ganz nett. Manchmal sogar fast ein bisschen langweilig, die Gegend. Aber egal, man hat seine Ruhe und das Leben hier ist vergleichsweise problemlos.

Das war nicht immer so. Früher, lange bevor ich hier eingezogen bin, muss es hier noch richtig rund gegangen sein. Gab immer wieder kräftig Randale, bis irgendwann mal die Polizei mit einem kompletten SEK eingerückt ist und dem Spuk ein Ende bereitet hat. Gab damals wohl eine richtige Strassenschlacht, bei der, wie ich gehört habe, auch einiges zu Bruch ging, aber nachdem die Polizei die übelsten Krawallmacher aus dem Verkehr gezogen hatten, setzten sich die übrigen Bewohner zusammen und beschlossen, gemeinsam alles dafür zu tun, dass das Viertel nie mehr so runterkommen sollte.

Sie haben dann angefangen miteinander Geschäfte zu machen statt sich gegenseitig zu beklauen, bemühten sich wenigstens, einander gegenüber höflich zu sein, und irgendwann wurden manche, deren Eltern sich noch abgrundtief gehasst haben, richtige Freunde. Es haben sogar welche untereinander geheiratet, das wäre früher undenkbar gewesen. Ist natürlich sicher noch nicht perfekt, manchmal sogar ein bisschen spießig, aber man muss zugeben, sie haben doch ganz schön was draus gemacht. Auch wenn hier die Mieten natürlich etwas höher sind, ist es schon toll, hier leben zu können.

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Stoppt den durch blutsaugende Heuschrecken in Nadelstreifenanzug und mit dicken Zigarren in den dunklen Hinterzimmern der Finanzwelt organisierten heimlichen Transfer des hier erwirtschafteten Wohlstands in ferne Länder, die uns nichts angehen!

Es kann nicht sein, dass reiche Eliten, elitäre Reiche und andere Asoziale nur um der höheren Rendite willen ihr der Volksgemeinschaft entzogenes Geld dazu mißbrauchen, um irgendwo in Indien oder Brasilien Fabriken errichten zu lassen, während hier die Armen verelenden.

In der III. Welt werden eh nur Produkte hergestellt, die unseren eigenen Konkurrenz machen, während wir Millionen von Arbeitslosen haben. Globalisierung, Freihandel und Dauerwachstum im Ausland bei gleichzeitiger Stagnation im Inland müssen endlich ein Ende haben!

Deshalb: Spitzensteuersatz rauf und Goldspeicherpegel runter! Je weniger Spielgeld die Investoren haben, desto geringer ist der Anteil, der außer Landes geschafft wird, und desto mehr bleibt hier, was wir an die wirklich Bedürftigen – sprich: unsere Wähler – verteilen können.

Die da unten können ja selber sparen. Wir müssen nicht den eigenen Wohlstand verschenken, nur damit andere schneller aufholen. Wir haben auch Jahrhunderte gebraucht, da müssen die das nicht in Jahrzehnten schaffen, sondern sollen gefälligst warten, bis sie dran sind.

Ok, mit so einem nationalegoistischen Touch kann man das natürlich nicht sagen. Aber vielleicht so. Oder so. Oder so.


Die Bässe wummern, Zigarettenqualm und Schweiß hängen in der Luft. Dicht an dicht stehen die Partygänger im „Andarin Club“. Palästinenserinnen sind nicht darunter, dafür zucken auf der überfüllten Tanzfläche Schwedinnen, Deutsche und Amerikanerinnen im Takt von R’n’B, umschwärmt von jungen palästinensischen Männern.

[…] „Es ist wahrscheinlicher, einen Stoßtrupp betrunkener Schweden als ein Mädchen aus Ramallah in den Clubs hier zu treffen“, sagt der Palästinenser Alla‘ Hilu, 29, und hebt sein Bier prostend in die Luft. „Welcome to Ramallah.“

Sieben Stockwerke weiter unten vor dem Club sind die Straßen im Zentrum Ramallahs fast menschenleer. Nur ein paar einheimische Jugendliche sitzen vor einer Imbissbude. Wer nach Mitternacht noch unterwegs ist, ist jung und männlich.

Da gibt es jetzt genau zwei Möglichkeiten: Entweder sind die Palästinenserinnen die einzigen Frauen auf der Welt, die weniger gerne tanzen als ihre Kerle, oder aber sie würden gerne, dürfen aber nicht. Letzteres wirft jedoch die Frage auf, ob die erwähnten Schwedinnen sich wirklich nur den letzten Rest Verstand weggesoffen haben, oder ob ihnen das Schicksal zumindest der weiblichen Hälfte der Bevölkerung schlicht und einfach am westlichen Knackarsch vorbeigeht. Sonst würden sie den männlichen Palästinensern nämlich sehr schnell nachdrücklich klarmachen, dass diese ohne eine ziemlich zügige Gleichberechtigung der Frau nicht auf irgendwelche weitere Unterstützung im Kampf für ihr rechtsreaktionäres Weltbild zählen können.

[…] Mehr als tausend Nichtregierungsorganisationen tummeln sich nach Schätzungen des proisraelischen Jerusalemer Thinktanks „NGO-Monitor“ im Westjordanland. Und das auf 5655 Quadratkilometern, einer Fläche nicht einmal ein Viertel von Rheinland-Pfalz. Das NGO-Mapping-Project von 2007 listet in seiner Statistik 1196 NGO, die meisten haben ihr Büro in Ramallah.

Die jungen „Internationalen“ kaufen Wein, Bier und Schnaps in einem der wenigen christlichen und damit mit Alkohollizenz ausgestatteten Supermärkte und schleppen ihre Einkäufe oft auf Privatpartys – wie an diesem Abend in die Wohnung einer französischen Praktikantin des Deutsch-Französischen Kulturcenters. Einen Joint zum Bier zu organisieren ist in Ramallah auch kein Problem.

[…] „Palästina ist das bestgehütete Geheimnis in der Hilfsindustrie. (..) Es klingt cool und gefährlich, weil es als Kriegsgebiet bezeichnet werden kann, aber tatsächlich ist es ziemlich sicher und hat all den Komfort, den Internationale wollen“, zitiert das palästinensische Veranstaltungsmagazin „This week in Palestine“ Emily Watson, die amerikanische Projektmanagerin einer medizinischen NGO.

Also alle fünf Quadratkilometer eine Hilfsorganisation, was immerhin einer auf ca. 1.500 Einwohner entspricht. Für ein Land, in dem es noch Discos gibt, in denen Touristen aus dem Ausland zusammen mit ortsansässigen Bürgern gemütlich Gebäck knabbern, Schnaps trinken und Joints rauchen können, ohne dass die Einheimischen anschließend im GULag oder einer Folterkammer verschwinden, ist das kein schlechter Wert. Sofern die Zahl der in Nordkorea oder Syrien arbeitenden NGOs nicht wenigstens im deutlich fünfstelligen Bereich liegt, könnte ganz schnell nicht nur die Frage nach der Motivation unserer nordischen Blondinen aufkommen, sich gerade Israel als persönlichen Lieblingsfeind ausgesucht zu haben, sie täte das auch zu Recht.


Erst stoppten Visa und Mastercard Zahlungen an WikiLeaks – jetzt veröffentlicht die Enthüllungsplattform Material über die Firmen. Einer Depesche zufolge drängten die Konzerne die US-Botschaft in Moskau, Lobbyarbeit gegen ein ungeliebtes Gesetz zu machen. Die Kreditkartenfirmen wollen sich dazu nicht äußern.

Einerseits kann man in gewisser Weise verstehen, wenn WikiLeaks sich jetzt gegen die Zahlungssperre von Visa und Mastercard wehrt (zumindest sofern man auch vorher Verständnis für die US-Regierung hatte, daß sie sich gegen den Geheimnisverrat durch WikiLeaks wehrt), andererseits erbringen die Datenklausöldner damit selber den Beweis für die Richtigkeit des Vorwurfs, dass es ihnen eben nicht darum geht, alle geheimen Informationen unabhängig vom Ansehen der Person und möglichen eigenen Präferenzen ans Tageslicht zu zerren, sondern dass sie eine spezielle Agenda haben, nach der die zugespielten Informationen ganz bewußt zur Veröffentlichung selektiert und bei Bedarf auch gerne für „besondere Aufgaben“ zurückgehalten werden.

Und zu glauben, dass dann nicht auch mal was komplett unter den Tisch fallen könnte, ist wohl noch naiver als Julian Assange für einen selbstlosen Gutmenschen zu halten. Außer natürlich man geht davon aus, dass bei Wikileaks noch gigabyteweise Material über Schurkenstaaten schlummert, das nur als Rückversicherung für den Fall einer iranischen Fatwa oder eines nordkoreanischen Killerkommandos eingelagert wurde.


Es gibt ja eine Menge Gründe, der Industrie Vorwürfe zu machen, wenn sie mit einem Terrorregime Handel treibt, aber wenn es ein Argument FÜR die Lieferung von HighTech-Gütern an die Mullahs gibt, dann das hier:

Mahmoud Alyaee, secretary-general of Iran’s industrial computer servers, including its nuclear facilities control systems, confirmed Saturday, Sept. 25, that30,000 computers belonging to classified industrial units had been infected and disabled bythemalicious Stuxnet virus.

[…] The Iranian official said Stuxnet had been designed to strike the industrial control systems in Iran manufactured by the German Siemens and transfer classified data abroad.


Die Kanzlerin distanziert sich von Thilo Sarrazin, räumt aber Defizite in der Integrationspolitik ein. Darüber müsse ohne Tabus und ohne einen Verdacht von Fremdenfeindlichkeit diskutiert werden – beispielsweise über die erhöhte Gewaltbereitschaft strenggläubiger muslimischer Jugendlicher.

Vielleicht sollte sie aber auch mal überlegen, über die erhöhte Gewaltbereitschaft jugendlicher Schulschwänzer, die nicht mal den Hauptschulabschluß schaffen, zu diskutieren. Oder über die erhöhte Gewaltbereitschaft Jugendlicher aus sozial schwachen Familien, deren Eltern seit Jahren arbeitslos sind. Oder über die erhöhte Gewaltbereitschaft Jugendlicher, die von ihren Eltern mißhandelt wurden. Oder über die erhöhte Gewaltbereitschaft Jugendlicher, deren kriminelle Freunde dickere Autos fahren als die nichtkriminellen Freunde. Oder über die erhöhte Gewaltbereitschaft Jugendlicher, die auch nach der zehnten Gewalttat noch keine ernsthaften Konsequenzen zu spüren bekommen haben. Oder einfach auch nur mal über die erhöhte Gewaltbereitschaft Jugendlicher, die ausschließlich Hosen tragen statt Röcke.

Vielleicht würde sich nach all diesen Diskussionen herausstellen, daß am Ende viel zu wenige strenggläubige muslimische Jugendliche übrig bleiben, über die es sich dann noch groß zu diskutieren lohnt. Und dann könnte man bezüglich der anderen Diskussionspunkte endlich mal handeln, anstatt immer nur drüber zu reden.


Jahrelang hat die Politik die Bahn zum Sparen gedrängt, erst kürzlich wurde sie verdonnert, eine halbe Milliarde Euro jährlich an den Staat abzuführen – doch jetzt kommen andere Töne aus der Regierung. Wegen des Hitzedesasters greift Verkehrsminister Ramsauer den Sparkurs des Konzerns an.

Das wär‘ schön, gell? Die Politik, die böse, war’s mal wieder, und alle sind’s zufrieden. Doch die Realität ist dummerweise etwas unangenehmer, als der nur bedingt zur Einsicht in komplexe ökonomische Zusammenhänge – wie den zwischen Einnahmen und Ausgaben – fähige Leser es zu verstehen in der Lage ist.

Denn die Politiker fordern letztlich ja nur Dinge, von denen sie annehmen, daß es ihre Chancen erhöht, gewählt zu werden. Sie sagen also genau das, was die Wähler – das sind wir! – hören wollen. Und das ist nun mal nicht „Wenn ich gewinne, erhöhe ich als erstes entweder die Steuern oder die Bahn die Ticketpreise!“.

Und daß gerade der SPIEGEL so einen bis zur Naivität ehrlichen Politiker nach der Wahlniederlage auf der Titelseite zum Volkshelden erklärt, der sich für eine ehrenhafte Sache geopfert hat, weil er unangenehme Wahrheiten ausgesprochen hat, darf dann doch bezweifelt werden. Selbst dann, wenn er aus der CSU stammt.


Der tragische Fall der drohenden Steinigung einer iranischen Mutter wurde von einem Bloggerkollegen zum Anlaß genommen, mal wieder einen neuen Anlauf für die Privatisierung des Militärs zu unternehmen. Nicht daß es grundsätzlich falsch wäre, über ein effizienteres System der Zuweisung militärischer Resourcen nachzudenken, aber die hier gemachten Vorschläge sind so rührend naiv, daß sie dem Versuch, einen sinnvollen Einsatz privatwirtschaftlicher Mechanismen im Verteidigungsbereich einzuführen, eher schaden als nutzen.

Denn bei allem Verständnis für die ehrenwerte Motivation in diesem konkreten Fall und die Verärgerung über die Untätigkeit der großen Politik, aber das Kriegspielen überläßt man nicht ohne Grund besser den Profis. Die Welt funktioniert nämlich nicht so einfach wie in einem Chuck-Norris-Film. Deshalb irrt der Artikel auch gleich in einer ganzen Reihe von Punkten, und solange die Libertären keine Antworten auf die daraus resultierenden Fragen finden, wird’s nicht nur nichts werden mit der Privatisierung des Militärs, es ist auch besser so.

1. Die Ausrüstung

Für das Geld, was man hier durch Spenden eintreiben könnte, bekäme man ohnehin bestenfalls ein paar Dutzend mangelhaft ausgerüsteter osteuropäischer Schlagetots, die selbst von den militärisch zweitklassigen iranischen Revolutionsgardisten mühelos zusammengeschossen würden. Und das auch nur wenn sie Glück haben. Wenn sie Pech haben, fallen sie noch lebend in die Hände der islamistischen Fanatiker, und wie man dort zur Genfer Konvention steht, sollte sich auch in der realen Welt eher abgewandten Kreisen inzwischen herumgesprochen haben.

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G8: Gaza situation unsustainable

Stimmt! Das geht nun wirklich nicht:

Eine islamisch orientierte Oligarchie sei entstanden, sagt der Politologe Mkhaimar Abusada, ein engmaschiges Beziehungsnetz zwischen den Hardlinern in der Hamas und den Geschäftsleuten, die vom Tunnelgeschäft profitieren. Sie favorisieren die Hamas nicht, weil sie religiös sind, sondern weil sie vom Status quo profitieren. «Wenn wir Raketen abfeuern müssen, um die Grenzen geschlossen zu halten, dann schiessen wir halt», sagt ein Tunnelbauer.


Allen kritischen Meinungen zum Trotz profitieren die Vereinigten Staaten nicht so sehr vom Öl-Vorkommen des Irak wie oftmals angenommen.

[…] Russlands Lukoil zusammen mit der norwegischen Statoil bekam den Zuschlag für die Erschließung eines der größten Ölfelder im Süden des Irak – West Qurna. Damit sind insgesamt 15 ausländische Firmen mit der Entwicklung künftiger Ölquellen betraut worden. Amerikanische Unternehmen sind dabei klar in der Minderheit – anders als Verschwörungstheoretiker seit der amerikanisch geführten Invasion 2003 unkten.

Na und? Die Verschwörungstheorie hat ihren Zweck jedenfalls vollauf erfüllt. Ob sie stimmt, hat die Irakkriegsgegner schon damals nicht interessiert, da werden sie sich um die Widerlegung ihrer Behauptung auch nicht groß kümmern. Und hinterher will das eh kein Schwein mehr wissen. Hauptsache, man konnte das Engagement der USA diskreditieren, als es darauf ankam. Die meisten Leute wollen ohnehin keine Fakten, sondern nur die Bestätigung ihrer Ressentiments. Und wenn es nicht das Öl ist, dann sind es halt die Juden, wie Leser TheBrad um 06:57 feststellt:

Es ging im Irak vor allem darum:

– ein Land abzustrafen, welches den Dollar als Leitwährung ablehnte
und keine einzige Rothschild-kontrollierte-Bank im Land hatte

– einen Brückenkopf gegen den Iran zu schaffen und zur Kontrolle von Nahost (Geostrategie)

– einen Entlastungsangriff für Israel zu fühen.