Category: Völkermord



  • Giving innocent victims weapons to defend themselves against being slaughtered: $500m
  • Kicking an evil dictator’s ass and rendering his hostile masters‘ weapons useless: $1-3bn
  • Creating safe areas for refugees where their murderers can’t reach them anymore: $5-10bn
  • Preventing gassing of unprotected civilians or handing over of WMDs to terrorists: $2-5bn
  • Being trusted by allies and feared by enemies again by proving you’re still the most powerful force of freedom in the history of mankind: Priceless

Letzte Hoffnung Luftschlag

Dass man so eine Titelzeile mal im SPIEGEL lesen darf… Und dann wohlgemerkt nur, weil ein Diktator seine Armee wenig überraschend gegen bewaffnete Rebellen einsetzt, nicht wegen irgendwelchen außergewöhnlichen Menschenrechtsverletzungen, deren er sich die letzten Jahre nicht auch schon schuldig gemacht hätte.

Wie lautet dann eigentlich die Schlagzeile, wenn es wie in Syrien um Massaker an unbewaffneten Demonstranten durch den örtlichen Faschistenführer geht? Und wie erst beim Sudan, wo Völkermord keine theoretisch denkbare Option mehr ist, der man rechtzeitig vorbeugen muss, sondern bereits jahrelange blutige Praxis?

Wenn ich Gaddafi wäre, würde ich spätestens jetzt nicht mehr SPIEGEL ONLINE lesen. Man muß sich schließlich auch als Diktator nicht alles gefallen lassen.


Revolte gegen Gaddafi eskaliert zum Bürgerkrieg

Ja wie? Eskalation? Bürgerkrieg? Ohne einen vorherigen Einmarsch der Amerikaner? Das hat gar nicht zwingend etwas miteinander zu tun? Sollte das am Ende gar bedeuten, dass religiöse Differenzen, ethnische Spannungen und Clanrivalitäten gar nicht durch westliche Interventionen hervorgerufen werden, sondern durch religiöse Differenzen, ethnische Spannungen und Clanrivalitäten?

Upps, dann müssen die Opferzahlen des Irakkriegs nach der Lancet-Pleite aber wohl noch ein weiteres Mal drastisch nach unten korrigiert werden, denn ohne die Opfer des Milizenterrors durch die miteinander verfeindeten ethnischen und religiösen Gruppen bleibt nicht mehr allzu viel für die Amerikaner übrig, was man ihnen wegen ihres Kampfes gegen den Ba’ath-Faschismus bei allem bösen Willen noch halbwegs schlüssig zurechnen könnte.

Außer natürlich man vertritt die seit dem Fallen der arabischen Dominosteine nicht nur faktisch, sondern endlich auch politisch zunehmend unkorrekte Position, dass die USA mit dem Sturz von Saddam Hussein die Büchse der Pandora geöffnet hätten, weil der vorher mit harter Hand für Ruhe und Ordnung gesorgt habe, und dass das in irgendeiner Weise etwas positives gewesen sei (also sozusagen Massengräber mit Autobahnanschluss).

Dann allerdings sollte man jetzt auch nicht wegen eines angesichts von Völkermördern der Saddam-Klasse vergleichsweise harmlosen Clowns wie Gaddafi anfangen zu weinen. Denn selbst wenn der wollte, könnte er sich ohne den Zugriff auf Atomwaffen (die er ja auch nicht einfach so aufgegeben hat) nicht mal annähernd in jene Regionen morden, in denen Saddam Husseins Herrschaft vielen, die sich heute zu Wort melden, noch schützenswert schien.

Womit die Irakkriegsgegner aus der Libyendiskussion dann mal raus wären. Denn wie man sieht, argumentieren sie entweder skrupellos oder dumm. Wobei die Erfahrung zeigt, dass sie es natürlich problemlos schaffen werden, beides bei Bedarf miteinander zu verbinden.

Böser Baschir!


Sudans Präsident Umar al-Baschir wird wegen Völkermordes gesucht – nun wird ihm nach WikiLeaks-Informationen auch noch vorgeworfen, neun Milliarden Dollar unterschlagen zu haben.

Schon lustig: Kaum gerät WikiLeaks ob des zunehmend manische Züge annehmenden Privatkriegs ihres Chefs gegen die USA ein wenig unter Druck, fällt ihnen auf, dass es auch außerhalb des Weißen Hauses noch Schurken gibt, und sie kommen auf einmal tatsächlich mit Informationen über Despoten und Tyrannen rüber.

Ok, natürlich nichts richtig knackiges wie die Live-Videos amerikanischer Hubschrauberpiloten (wäre ja auch ein wenig unappetitlich, zu zeigen, wie die Dschandschawid gerade Zivilisten massakrieren, gerade weil sie wissen, dass ihre Opfer unbewaffnet sind), aber das sind ja ohnehin Peanuts, die von den Medien nur hochgespielt werden.

Dafür erfahren wir jetzt erstaunliches, was wir uns ohne Julians „Informationsportal“ nie hätten vorstellen können: Diktatoren sind doch tatsächlich korrupt und veruntreuen Geld! Im Sudan herrschen gewissermaßen italienische Verhältnisse, und al-Baschir spielt jetzt in einer Liga mit Berlusconi. Mindestens.

Womit die Vorwürfe der Einseitigkeit gegenüber WikiLeaks für die Öffentlichkeit wohl erst mal widerlegt sein dürften.


“For a final solution, you cannot ignore Hamas. That’s what we are saying,” said Ambassador Namik Tan. “This is not the first time that we are trying to bring this into the discussion. We have told this to the Israelis, to our American friends, to our international interlocutors, everyone. How could you imagine a final solution without Hamas?”

Stimmt, kann man tatsächlich nicht.


Durch Zufall bin ich auf eine kleine Geschichte gestoßen, die zwar schon etwas über ein Jahr alt, aber immer noch topaktuell ist, weil sie nicht nur einen etwas anderen Blick auf den Nahostkonflikt wirft, sondern auch sehr gut in die derzeit in Deutschland geführte Integrationsdebatte paßt. Obwohl sie „nur“ im wahren Leben statt der großen Politik spielt, ist sie spannend und vor allem ausgesprochen lehrreich, da sie wie in einem Brennglas nicht nur eine ganze Reihe Probleme bündelt, sondern oft auch noch die Lösung aufzeigt.

Dabei ist sie geeignet, völlig unterschiedlichen und teilweise sogar untereinander erbittert verfeindeten Zielgruppen gleichzeitig die Vorurteile um die Ohren zu hauen (zumindest sofern man dort des Lesens mächtig ist). Vom antiwestlichen Islamistenversteher bis zum pseudowestlichen Islamhasser, vom konservativen Einwanderungsskeptiker bis zum möchtegernprogressiven Antizionisten und vom europäischen Medienmacher bis zum amerikanischen Präsidenten ist für jeden genug dabei, daß er mal ernsthaft ins Grübeln kommen sollte.

Auf diese Weise haben wir die einmalige Gelegenheit, die praktische Widerlegung der beliebtesten Irrtümer über Muslime wie Israelis in einem Artikel zusammen vorzufinden. Also frisch aufgemerkt und Hörgeräte auf volle Lautstärke, liebe Links- wie Rechtsreaktionäre, hier könnt Ihr alle was für’s Leben lernen:

Vorurteil 1: Muslime sind intolerante Religionsfanatiker

In Zichron Ya’akov leben heute drei Darfuri Flüchtlingsfamilien. Die Familien sind Muslime, doch von einer freieren und toleranteren Art, als sie in unserer Region üblich ist.

Vorurteil 2: Die Muslime sind alle eine große Familie

Sie flohen aus Darfur erst in den Sudan und dann nach Ägypten. In beiden Ländern wurden sie verfolgt, verprügelt und ausgegrenzt.

Vorurteil 3: Muslime fürchten Israel als ultimativen Todfeind

Wie viele andere hörten sie von Israel und wollten dorthin fliehen. Sie gaben ihr letztes Geld an beduinische Fluchthelfer aus, die sie in die Nähe der israelischen Grenze im Sinai bringen.

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Serbien bekennt sich zu seiner Vergangenheit: Fast 15 Jahre nach der Ermordung Tausender Muslime im bosnischen Srebrenica hat das Parlament den Hinterbliebenen sein Mitleid ausgesprochen.

[…] Die von der proeuropäischen Regierung von Ministerpräsident Boris Tadic eingebrachte Resolution wurde mit den Stimmen von 127 der 173 anwesenden Abgeordneten verabschiedet. Die Regierungsparteien hatten die Resolution bereits im Vorfeld deutlich entschärft, um ihrer Annahme überhaupt eine Chance zu geben. So hatte die Regierungskoalition das Wort „Völkermord“ aus dem Resolutionsentwurf gestrichen, um die Zustimmung der Sozialisten zu erreichen.

Traurig, traurig. Jetzt muß man also schon Völkermorde leugnen, um die Zustimmung von Leuten zu erhalten, die sich selbst für links halten.


Die Invasion war notwendig: Wie sein Vorgänger Blair hat auch der britische Premier Brown den Krieg im Irak verteidigt – und ließ im Untersuchungsausschuss alle Vorwürfe an sich abprallen. Anders als Blair fand er jedoch warme Worte für die Opfer des Einsatzes.

Nett von ihm. Aber eigentlich nicht sein Job. Denn wenn sich schon jemand für die getöteten britischen Soldaten entschuldigen sollte, dann ja wohl die Islamisten und Faschisten, die sie getötet haben. Wenn der SPIEGEL aber auf so was steht, kein Problem. Denn nach dieser Logik sind jetzt all die Kriegsgegner und Realpolitiker an der Reihe, sich bei den Angehörigen der hunderttausenden von Irakern zu entschuldigen, die nur gestorben sind, weil man mit dem Sturz Saddam Husseins so lange gewartet hat. Und das schließt Nachrichtenmagazine, die lautstark gegen die Befreiung des Irak getrommelt haben, ausdrücklich mit ein.


Das Votum erzürnt einen engen Verbündeten: Ein US-Kongressausschuss hat trotz Warnungen aus dem Weißen Haus die Verfolgung von Armeniern im Osmanischen Reich als Genozid bezeichnet. Die Türkei droht mit massiven Konsequenzen – und bestellte sogleich ihren Botschafter zu Konsultationen nach Ankara.

Soso, die Türkei nimmt übel, weil der US-Kongreß es wagt, in dieser Angelegenheit den Begriff Genozid zu verwenden. Na, da fragen wir doch einfach einen Experten. Denn wenn sich jemand mit Völkermord auskennt, dann ja wohl er:

„Ich habe den Befehl gegeben — und ich lasse jeden füsilieren, der auch nur ein Wort der Kritik äußert — daß das Kriegsziel nicht im Erreichen von bestimmten Linien, sondern in der physischen Vernichtung des Gegners besteht. So habe ich, einstweilen nur im Osten, meine Totenkopfverbände bereitgestellt mit dem Befehl, unbarmherzig und mitleidslos Mann, Weib und Kind polnischer Abstammung und Sprache in den Tod zu schicken. Nur so gewinnen wir den Lebensraum, den wir brauchen. Wer redet heute noch von der Vernichtung der Armenier?“

(Adolf Hitler vor Offizieren am 22. August 1939)


Und nein, wir reden hier nicht von irgendwelchen verrückten Rednecks aus dem Mittlereren Westen der USA, die ständig auf der Flucht vor schwarzen UN-Hubschraubern sind, sondern von einem sich selbst irrtümlicherweise innerhalb unserer Zivilisation verortenden deutschen Blog, dessen Macher nicht nur den in Bosnien abgeschlachteten Muslimen zusammen mit ihrem neuen Idol Karadzic kaum verhohlen ein trotziges „Selber schuld!“ ins Massengrab hinterherschleudern, sondern auch die diensthabenden Chefkomiker der damaligen rot-grüne Regierung gerade wegen einer der wenigen richtigen außenpolitischen Entscheidungen ihrer ganzen Amtszeit nach Den Haag schleifen wollen. Und daß ich dadurch gezwungen bin, Joschka Fischer und Rudolf Scharping in Schutz zu nehmen, nehme ich Stefan Herre doppelt übel.