Category: Umwelt



Wie viele Jahre sollen deutsche Atomkraftwerke länger laufen? 10, 12 oder 15? Das entscheidende Gutachten liegt der Regierung vor – doch der Kurs der Kanzlerin ist nach wie vor unklar, die Minister Röttgen und Brüderle streiten wie eh und je. Jetzt droht Schwarz-Gelb auch noch ein Massenprotest.

Klar, die Frage, ob ein Atomkraftwerk 12 oder 15 Jahre läuft, ist natürlich viel wichtiger, als die, ob antisemitische Religionsfanatiker auf der Suche nach der schnellsten Abkürzung zum jüngsten Gericht die Atombombe kriegen oder nicht. Deswegen geht die wahre atomare Bedrohung ja auch von Merkel aus und nicht von Achmadinedschad.

Aber gut, immerhin haben wir so die endgültige Widerlegung von Sarrazins kranken Thesen. Denn die Intelligenz hat, wie wir hier sehen, nachweislich weit weniger mit den Genen zu tun als damit, ob jemand einen Presseausweis trägt oder ob ein Anti-AKW-Demonstrant von zuhause aus anreist statt von der riesigen Zeltstadt, die die Atomkriegsgegner seit Jahren als Mahnmal des Protestes vor der iranischen Botschaft aufgebaut haben.

Und in gewisser Weise hat solch ein logischer Störfall sogar etwas beruhigendes: Ganz gleich ob in Deutschland nun ein Atomkraftwerk in die Luft fliegt oder aber eine iranische Atomrakete einschlägt – der Verlust an Intelligenz, den die Menschheit dabei hinnehmen muß, wird sich angesichts dieser Prioritätensetzung sicherlich in Grenzen halten.

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Ich hatte mich ja spaßeshalber schon gefragt, wann mal jemand auf diese irre Idee kommt:

Nuke the Oil Leak?

Kam aber wohl offenbar tatsächlich schon jemand, und er hat sie auch gleich im Namen des Sozialismus in die Tat umgesetzt (weswegen ich bei der Erinnerung an die Friedensdemonstranten der 80er-Jahre mit ihren „Atomkraft? Nein danke!“-Aufnähern gerade ein wenig schmunzeln muß):

It was September of 1966, and gas was gushing uncontrollably from the wells in the Bukhara province of the Uzbek Soviet Socialist Republic. But the Reds, at the height of their industrial might, had a novel solution. They drilled nearly four miles into the sand and rock of the Kyzyl Kum Desert, and lowered a 30-kiloton nuclear warhead — more than half-again as large as “Little Boy,” the crude uranium bomb dropped over Hiroshima — to the depths beneath the wellhead. With the pull of a lever, a fistful of plutonium was introduced to itself under enormous pressure, setting off the chain reaction that starts with E = MC2 and ends in Kaboom! The ensuing blast collapsed the drill channel in on itself, sealing off the well.

The Soviets repeated the trick four times between 1966 and 1979, using payloads as large as 60 kilotons to choke hydrocarbon leaks. Now, as the Obama administration stares into the abyss of the Deepwater Horizon spill, and a slicker of sweet, medium crude blankets the Gulf of Mexico, slouching its way toward American beaches and wetlands, Russia’s newspaper of record is calling on the president to consider this literal “nuclear option.”

Aber wer weiß, so abwegig ist es vielleicht gar nicht, durch fossile Brennstoffe hevorgerufene Umweltverschmutzung zur Abwechslung mal mit dem nuklearen Super-GAU zu bekämpfen statt immer nur umgekehrt. Immerhin käme Obama seinem Ziel einer atomwaffenfreien Welt so wenigstens ein kleines bißchen näher, wofür er bekanntlich noch ganz andere Dinge in Kauf zu nehmen bereit ist.

Und bevor jetzt jemand aufschreit, daß wäre unverantwortlich, nun, wer riskiert, daß notfalls eine Atombombe über Tel Aviv gezündet wird um den Weltfrieden zu retten, der wird ja wohl nicht mehr Mitleid mit einem dreckigen Ölbohrloch haben als mit ein paar Millionen Juden. Oder etwa doch?


Es ist eine undankbare Aufgabe. Obama hat die Ölpest nach der Explosion der BP-Bohrinsel „Deepwater Horizon“ vor 48 Tagen nicht zu verantworten, und es gibt wenig, was er und sein Team nun wirklich dagegen tun können, allen unsinnigen Erwartungen zum Trotz.

Und das ist eben der Unterschied. George W. Bush hatte den Wirbelsturm Katrina damals nämlich nicht nur höchstpersönlich ausgelöst, als er auf den großen roten Knopf der in der Area 51 aufgebauten geheimen CIA-Windmaschine drückte, er hätte auch hinterher viel mehr gegen die Folgen tun können, weil die USA zu jener Zeit noch nicht aus 50 relativ unabhängigen Bundesstaaten bestanden, sondern nur aus einem einzigen riesigen, direkt der Willkür des Präsidenten zur persönlichen Verfügung unterstellten Fürstentum, mit dem Bush bis in die Niederungen der Kommunalpolitik jederzeit nach Gutdünken hätte durchregieren können, wenn er es nur wirklich gewollt hätte.

Wo Bushs Umgang mit der Umweltkatastrophe also noch von hinterhältiger Bosheit oder zumindest grober Unfähigkeit geprägt war, hat Obama schlicht und einfach nur ein bißchen Pech mit den widrigen Umständen. Zudem war Bush ja auch ein Versager, Obama hingegen nur die Reinkarnation von Superman. Da sollte man an ihn auch nicht so hohe Erwartungen stellen wie an seinen Vorgänger.


Alles wird gut im Nahen Osten. Denn wenn die großen Probleme dort erst mal darin bestehen, daß Araber und Israelis sich gegenseitig die Ziegen klauen, dürfte das gröbste wohl geschafft sein:

Lebanon has filed a complaint with the UN Security Council claiming that Israeli soldiers entered its territory in the area of the Shebaa Farms and confiscated 185 goats, the Lebanese Daily Mail reported Saturday.

Und auch die UNO macht im Libanon einen weit besseren Job als allgemein bekannt. Sie greift nämlich schon seit längerem durchaus hart und kompromißlos gegen illegale Grenzübertritte durch:

[…] A year earlier, UN soldiers shot down an Israeli bull which crossed the border into Lebanon in order to drink from the same pool. The bull was shot after trying to storm the UN forces.

Das macht der jedenfalls nicht wieder, der Bulle.


Iran has struck a secret deal with Zimbabwe to mine its untapped uranium reserves in a move to secure raw material for its steadily expanding nuclear programme.

Da müßte die nächste Menschenkette dank des Zusammenschlusses der Atomkraftgegner mit den Kollegen von Friedensbwegung, Amnesty International und Attac ja locker bis zum Nordkap reichen. Also zieht Eure Parkas gar nicht erst aus, ruft die Kumpels an und hakt Euch unter: Hier gibt’s was zu demonstrieren, wovon Ihr noch Euren Enkeln an langen Winterabenden erzählen könnt. Vor allem, weil Eure Enkel, sofern Ihr den Mann links im Bild nicht rechtzeitig stoppt, besagte Winterabende möglicherweise gar nicht mehr erleben werden. Und das hat jetzt nichts mit der globalen Erderwärmung zu tun. Sondern nur mit einer punktuellen. Da wird’s dann allerdings richtig heiß.


Menschenkette gegen Atomkraft: 120 Kilometer Widerstand

Sieh mal einer an! Wenigstens die Ökopaxe scheinen endlich aufzuwachen und demonstrieren gegen den nuklearen Wahnsinn.

Wie? Das richtete sich gar nicht gegen den Aufbau einer nuklearen Infrastruktur in Saudi-Arabien? Auch nicht gegen den Versuch des Weltlieblingsatomabrüsters, die Abschreckung im Pulverfaß des Mittleren Ostens von konventionellen auf Kernwaffen umzustellen, weil sich das nukleare Wettrüsten im Kalten Krieg ja auch schon so bewährt hat? Nicht mal gegen die atomaren Vernichtungsdrohungen der durchgeknallten Endzeitfanatiker in Teheran?

Ach so. Aber wahrscheinlich mußte man da einfach Prioritäten setzen. Denn was ist schon die Fifty-Fifty-Chance einer Atomexplosion, wenn die Mullahs die Bombe erst mal haben, mit den daraus resultierenden vernachlässigbaren Strahlungswerten gegen die im Promillebereich liegende Wahrscheinlichkeit eines ernsthaften Störfalls in einem deutschen Atomkraftwerk. Und selbst wenn die Aussicht auf einen waschechten Atomkrieg die Demonstranten ganz doll betroffen machen sollte, man kann sich schließlich nicht um alles kümmern.


Aschewolke: Kritik an Sperrung des Luftraums wächst

Man kann aber natürlich trotzdem getrost davon ausgehen, daß diejenigen, die jetzt die übertriebene Vorsicht so lautstark geißeln, ganz vorne mit dabei sein dürften, wenn nach dem ersten aschebedingten Absturz einer vollbesetzten Verkehrsmaschine Vorwürfe laut werden, daß die Sperrung des Lauftraums zu früh aufgehoben wurde. Falls nicht, wäre das im Lande der Bedenkenträger wirklich mal eine interessante Nachricht.


Also DAS hat doch mal was! Die Briten verstehen eben auch eine mißliche Lage noch stilvoll zu meistern. Da wird dann sogar aus einer geplatzten Heimreise plötzlich noch eine prächtige Mischung aus Abenteuerurlaub und Kreuzfahrt. Gegenüber einem ausgewachsenen Flugzeugträger wirkt halt selbst der schickste Sonder-ICE aus Pankow nicht sonderlich beeindruckend. Und wenn schon Ver(sch?)wendung von Steuergeldern, dann doch bitte richtig!


Den Flugverkehr von ganz Europa Tage, wenn nicht wochenlang lahmlegen, Milliardenschäden für die Wirtschaft, und jetzt werden schon die ersten Kampfflugzeuge an den Boden gezwungen und damit das Rückgrat der westlichen Verteidigung bedroht – davon kann selbst ein Bin Laden nur träumen. Deshalb: Setzt Eyjafj al-Lajökull endlich auf die Terrorliste!