Category: Sport


:-(


Dafür, daß 3 Millionen Menschen in Uruguay jetzt jubeln, sind 1 Milliarde in Afrika traurig und entäuscht. Mit mir sind’s dann 1.000.000.001.

Advertisements

Daß die Deutschen auf einmal so schön Fußball spielen gelernt haben, seit sie nicht mehr blind ihrem Spielführer Ballack folgen können, sondern zur Abwechslung mal ihren eigenen individuellen Fähigkeiten vertrauen vermüssen, führt hierzulande nicht nur zu Begeisterungsstürmen. Im Gegenteil, je weiter man in die intellektuell verwahrlosten Randgebiete des politischen Prekariats vordringt, desto ablehnender die Haltung und verwirrender die Frontlage. Auf der rechten Seite wird dabei überraschenderweise trotz – und manchmal sogar wegen! – ihres Erfolgs über die eigene Nationalmannschaft gehetzt, weil die Zahl an blonden, blauäugigen Hünen offenbar unter den von der Gauleitung genehmigten Anteil an Spielern mit ausreichend weit zurückdatierendem Ariernachweis gefallen ist.

Hier haben wir dann die absurde Situation, daß man bei der NPD (!) die afrikanischen Mannschaften dem eigenen Team vorzieht, aber nur, weil man offenbar noch nicht mitbekommen hat, daß man die Mannschaftszugehörigkeit nicht nur an der Hautfarbe, sondern auch den Trikots erkennen kann. Und da man sich nicht vorstellen kann, daß ein Trainer seine Mannschaft aufgrund der Kombination von fachlichen Überlegungen mit schlichten Sachzwängen trifft, projiziert man nach dem Grundsatz „Lieber reinrassige Gegner als gar keine Rassentrennung – Hauptsache Rassismus!“ die eigene kranke Weltsicht auf den Fußball. Also bitte nicht wundern, wenn das Motto beim nächsten NPD-Parteitag „Braun hilft Schwarz“ oder „Nazis für Neger!“ heißt. Nur die Ku-Klux-Klan-Kapuzen müssen bei der anschließenden Sonnenwendfeier dann ausnahmsweise wohl mal zu Hause bleiben.

Wo aber der Otto Normalfascho sich wenigstens noch ein kleines bißchen von fußballerischer Brillianz beeindrucken läßt („Immerhin kann der Türke wat“), ordnet man im Umfeld der sich selbst immer als so unglaublich gemäßigt und überhaupt nicht rechtsradikal ansehenden Antiislambloggern um Fakten & Fiktionen oder Politically Incorrect den an den nationalen Grenzen ausgerichteten Patriotismus inzwischen konsequent völkischen oder religiösen Kriterien unter. Vor allem den armen Mesut Özil hat man sich in diesen Kreisen als Zielscheibe erkoren. Ganz gleich wie gut er spielt, wieviele Tore er schießt oder vorbereitet, er ist immer nur das trojanische Pferd, mit dem der türkische Dschihadismus (oder war’s die islamische Weltverschwörung?) das Abendland von innen zersetzt, indem man uns mit Fladenbrot und Spielen einzulullen versucht.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß sich die Hetze beim PI-Publikum, wo man die Probleme der Welt lange Zeit monokausal auf den Islam zurückzuführte und immer wieder betonte, daß man mit Einwanderern ja eigentlich keine Probleme habe, inzwischen zunehmend weg von der rein religiösen Trennlinie zur generellen Ausländerfeindlichkeit verlagert. Ursprünglich waren dabei sogar die „Polen“ Podolski und Klose als zu undeutsch im Gespräch, und erst seit ein paar besonders schlaue Kommentatoren Opas vergilbte Atlanten aus der alten Kiste vom Dachboden geholt haben (die war so verstaubt, da konnten sie das Hakenkreuz auf dem Vorhängeschloß natürlich nicht erkennen), einigte man sich darauf, daß es sich hier ja um „Schlesier“ handelt, womit die Tore dann gerade doch noch mal OK gingen. Da haben Poldi und Miro wohl Glück gehabt.

Angesichts dieser unterirdischen Vorstellung hat man sich bei den Genossen von der anderen Feldpostnummer offenbar gesagt, daß die Rechte in nichts besser sein darf als die Linke, also auch nicht beim Blödsein, und wurden bei der Suche nach einem besonders idiotischen Anlaß zum Hyperventilieren auch prompt fündig. Das beanstandete Autobahnteilstück ist schwarz-rot-gold und hängt hochkant an einem Haus in Berlin, und wer es runterreißt, bekommt 100 Punkte. Der arabische Besitzer der Flagge wird sich jetzt vermutlich fragen, in was für einem Irrenhaus er da gelandet ist.  Erst heißt es er soll sich integrieren, und kaum tut er das geradezu mustergültig, kriegt er Ärger mit der Kiezmiliz wegen zu deutscher Umtriebe, während ihn die Islamophobiker trotzdem weiter verabscheuen, weil er ja nur ein doofer Musel ist, der ihre schöne Flagge beschmutzt.

Aber gut, immerhin wissen wir jetzt, daß Integration auf der äußersten Linken genauso wenig erwünscht ist wie auf der Rechten. Was zeigt, daß man selbst beim Fußball noch was lernen kann.

Was ist nur mit den Deutschen los?


Nach Jahren, ach, was sage ich, Jahrzehnten des Rumpelfussballs, in denen sich die deutsche Elf durch den Kampf zum Sieg quälte (und den Zuschauer, der von leichtfüßigen Lateinamerikanern, spritzigen Südeuropäern oder spielfreudigen Afrikanern träumte, gleich mit), liefern sie plötzlich einen mitreißenden Angriffsfußball ab, der geradezu geniale Spielzüge mit endlich auch einmal balltechnischer Brillianz kombiniert, und sogar einem Dauernörgler am deutschen Fußball wie mir ein anerkennendes Staunen abnötigt.

Dagegen stand gestern eine Mannschaft, die seit Beginn der WM im wesentlichen von der vergeblichen Hoffnung lebt, daß dieser selbst eher an deutsche Verteidiger der 80er-Jahre erinnernde Brecher namens Rooney (irgendein respektloser Witzbold hat diesen Grobmotoriker tatsächlich mit einem Genie wie Messi verglichen) auch mal ein Tor schießt, von vorneherein auf verlorenem Posten, und zwar auch ohne, daß der ohnehin bereits nicht besonders gut geratene Schiedsrichterjahrgang 2010 vorher noch im Ergebnis drin rumpfuscht.

Denn machen wir uns nichts vor: Auch mit dem zu Unrecht nicht gegebenen 2:2 (sagen wir, wir lassen diese leidige Geschichte mit Wembley ab jetzt einfach ruhen und sind endlich quitt) wäre nicht plötzlich eine Schar Engel vom Himmel herabgestiegen und hätte die gewohnt einfallslos und behäbig wirkenden Kicker ihrer Majestät in vor Ideen nur so sprühende begnadete Fußballkünstler verwandelt. Auch ein Gegentor mehr hätte weder an der klaren taktischen wie spielerischen Überlegenheit von Jogis Mannen noch an der Buchung der Heimflugtickets irgendwas geändert.

Und seien wir mal ehrlich: Es trifft ja keinen Unschuldigen. Der britische „Kick and Rush“ ist zusammen mit dem Catenaccio italienischer Prägung schließlich das einzige, was über all die Jahre noch unansehnlicher war als die Darbietungen traditioneller teutonischer Ballmißhandlung, auch wenn das für Leute, die es schon als Ausdruck spielerischer Finesse betrachten, den Ball nicht einfach nach vorne zu dreschen, sondern gezielt in die Flügel zu spielen, damit von da dann eine Flanke den Kopf des Stürmers trifft, zugegeben nicht einfach nachzuvollziehen ist. Wenn ich schwitzenden Kraftsportlern bei ihrem Kräftemessen zuschauen will, dann sehe ich mir einen alten Sandalenfilm an, im Fußball aber erwarte ich schon ein etwas filigraneres Auftreten als bei den Hammerwerfern.

Macht aber nix, liebe Engländer, Kopf hoch und Unterlippe steif, denn wichtig ist unterm Strich doch nur, daß Ihr, wenn es wirklich darauf ankam, die entscheidenden Pokale – das Viertelfinale des Seelöwen-Cups im Jahre 1940, das Halbfinale bei der Wüstenmeisterschaft von El Alamain zwei Jahre später, und dann das 1944 in der Normandie ausgespielte Endspiel um die „Festung Europa“ – immer souverän geholt habt. Auch wenn Ihr auf dem Rasen jetzt verdient den kürzeren gezogen habt, die „ten German bombers“ bleiben trotzdem ein so zeitloser wie lustiger Megahit, und die Spitfire war sowieso schon immer viel hübscher als die Me-109.

Wir gewinnen halt die Fußballspiele, Ihr dafür die Weltkriege, damit sollten eigentlich beide Seiten leben können. Denn letztlich ist das ja auch eine durchaus sinnvolle Arbeitsteilung, von der alle profitieren: Die Welt, weil die Hunnen bei Ihren Eroberungszügen spätestens von Euch immer gestoppt werden, und die Zuschauer, weil der Höhepunkt des Weltfußballs mehr sein kann als ein häßliches 2:0, von dem eins dann ein noch häßlicherer Elfmeter ist. Solange die Krauts nur auf dem Fußball- und nicht auf dem Schlachtfeld gewinnen un das dann auch noch optisch ansprechend gestalten, ist jedenfalls alles im grünen Bereich.

Und jetzt drücken wir gemeinsam die Daumen, daß Ghana das Finale gegen Deutschland gewinnt. Dann sind wir alle ein bißchen Weltmeister: Ghana, weil es mehr Tore als Deutschland geschossen hat, Ihr, weil es immerhin mal Eure Kolonie war, und wir, weil wir ja auch ein bißchen zur Familie Boateng gehören.

Man wird ja noch mal träumen dürfen…


Grün mag die Farbe der Hoffnung, des Islam oder der Umweltbewegung sein, vor allem aber ist es der gemeinsame Nenner der Flaggen jener Länder, die ich bei dieser WM das Halbfinale unter sich ausmachen sehen möchte.

In diesem Sinne: 44 Freunde sollt Ihr sein, aber der rundeste Ball ist immer noch der im Tor des Gegners! Ich erwarte daher 90 Minuten Kampf bis zum Sieg, und zwar jedesmal! Jetzt aber lauft, meine schwarzen wie weißen Freunde, lauft! Ich habe fertig.

Regime change now!


Rücktritt des Bundespräsidenten: Merkel warnte Köhler vor schwerer Krise für Deutschland

Unsinn! So betrüblich Horst Köhlers Rücktritt sein mag, aber jede Krise ist zugleich immer auch eine Chance. Und wie das Schicksal es will, ist der Zeitpunkt so kurz vor der herannahenden Fußball-WM geradezu ideal, um alte Zöpfe abzuschneiden und der letztens etwas ausgelutscht wirkenden Republik mittels eines grundsätzlichen Systemwechsels endlich wieder etwas Glanz zu verleihen:

„Um das Image aufzuwerten,
meinen Managementexperten,
muß der Kaiser wieder her,
weil dann simma wieder wer!“

Glücklicherweise haben wir auch noch genau den richtigen Mann für einen sauberen und unbelasteten Neuanfang an der Hand, bei dem das Ausland trotz des Rückgriffs auf teutonische Traditionen nicht gleich ob seiner Vergangenheit erzittern muß (höchstens die Holländer, aber nicht vor Marschstiefeln, sondern nur vor einem gut plazierten Elfmeter) und die Erinnerung an Argentinien oder Rom freudige Erinnerungen statt ungenehme Assoziationen weckt oder gar Anlaß zu geschmacklosen Scherzen gibt. Deshalb kann es nur eine sinnvolle Lösung geben:

Franzl, mach Du’s!

Schließlich kann selbst eine Pickelhaube niedlich aussehen, wenn sie nicht aus einem Nachttopf gefertigt ist, sondern aus einem halbierten Fußball. Und solange sein kongenialer Freund Gerd in Schloss Bellevue nur als Mundschenk angestellt wird und nicht als Bomber, werden sogar die Briten entzückt sein, ein neues Mitglied in der europäischen Königsfamilie begrüßen zu dürfen, das international ohnehin weit angesehener sein dürfte als alles, was unsere Parteien als Staatsoberhaupt auskungeln werden (und vor dem sie dann vielleicht auch wieder etwas mehr Respekt haben).

Im Gegensatz zu manch anderem Kandidaten, der jetzt als Köhlers Nachfolger im Gespräch ist, besteht bei ihm auch keine Gefahr, daß er während des Festbanketts besoffen in die Blumenvase kotzt oder bei Prinz Harrys Geburtstag den Golfschläger falsch herum hält. Auch für ausreichend Nachwuchs ist bereits gesorgt, so daß sich die Yellow Press keine Gedanken um die Thronfolge machen muß. Und spätestens wenn der Kaiser nach dem Halbfinale gegen Kamerun die geschlagene Nationalelf persönlich aus Afrika zurückholt, werden wir wissen, was wir an ihm haben.