Category: Kultur



Man sollte halt auch dem Publikumsjoker nicht immer blind vertrauen:

Über 49 Prozent waren nach Ablauf der Sendung der Meinung „Ich stimme Grass vollkommen zu“, nur knapp 15 Prozent fanden „Grass ist zu weit gegangen“.

Das bedeutet, dass nur 15% der Zuschauer folgendes als „zu weit gegangen“ betrachten:

[…] Das Enfant terrible durfte der im Publikum befragte Nahost-Experte Michael Lüders geben, der Grass‘ „Grundaussage, dass Israel den Weltfrieden gefährdet“ als „absolut richtig“ bestätigte.

Das einzige, was noch erschreckender ist, ist wie der SPIEGEL dieses Ergebnis bewertet:

[…] Na, wer sagt’s denn? Auch beim Thema Israel – die Deutschen bleiben locker und zivilisiert.

Womit wir erstens wissen, was für unsere Leitmedien locker und zivilisiert ist, und zweitens, warum dieses Land es letztlich nicht wert ist, sich darüber aufzuregen.


„Multikulti ist tot“: Im Streit um Integration hat CSU-Chef Horst Seehofer mit drastischer Wortwahl nachgelegt. Auch Angela Merkel drängt Zuwanderer zu mehr Integrationsbereitschaft. Wer das christliche Menschenbild nicht akzeptiere, sagte die Kanzlerin, sei „fehl am Platze“ in Deutschland.

Da irrt Frau Merkel. Wir brauchen keine Leitkultur, sondern eine Leitzivilisation. Diese ist westlich, humanistisch und universalistisch, und ihr haben sich alle Kulturen und Religionen, also auch die deutsche und die christliche, im Konfliktfall unterzuordnen. Das heißt, Kopftuch und Nonnentracht sind zwar zulässig, aber nur, solange sie freiwillig getragen werden, und Glockengeläut und Muezzinrufe bloß, sofern dabei die allgemeinen Gesetze bezüglich der Vermeidung unnötiger  Ruhestörung eingehalten werden.

Beim sogenannten Ehrenmord (Muslime stellen dabei übrigens nicht nur die Täter, sondern auch die Opfer) hört der Spaß der kulturellen Selbstbestimmung hingegen ebenso auf wie bei der Vergewaltigung in der Ehe (deren Leugnung bzw. Beschönigung gerade vielen unserer Unionschristen ja – man glaubt es kaum! – auch erst vor gerade mal 13 Jahren ausgetrieben werden konnte). Wofür sich mündige Bürger aber aus freien Stücken entscheiden, darf ihnen nicht mit egal welcher kulturellen Begründung untersagt werden.

Wer wiederum seine jeweilige Kultur fördern will, nur zu! Die diversen Schuhplattlervereine und Bauchtanzgruppen werden sich freuen, wenn sich endlich mal wieder jemand mehr für sie interessiert statt für HipHop und Heavy Metal. Im übrigen wird niemand daran gehindert, mehr Kinder zu kriegen als die kulturelle Konkurrenz. Und wenn der eine es vorzieht Karriere zu machen, dann darf er sich auch nicht beklagen, wenn in der nächsten Generation die Kinder des armen Nachbarn den geschaffenen Mehrwert auf den Kopf hauen statt der nie geborenen eigenen.

Welche Kultur sich dann am Ende als „Leitkultur“ herausstellt, kann nicht – und sollte auch nicht! – verordnet werden, sondern wird sich als Folge einer ganz normalen evolutionären Entwicklung erst im Laufe der Zeit herausstellen. Und da sollte sich niemand Illusionen machen: Diese Kultur wird genauso wenig islamisch wie christlich sein oder auch nur deutsch bzw. türkisch, sondern wie immer, wenn man den Dingen ihren Lauf läßt, von der liberalen, demokratischen, verführerischen, quietschbunten englischsprachen Welt dominiert werden.

Weder wird der Döner-Index den BigMac ersetzen, noch wird das jemals die Currywurst schaffen. Die Menschen werden weiter Coca Cola trinken und auf dem iPod den Sound des Global Village konsumieren, während ihre Kinder von Barbiepuppen und Disney-Filmen träumen. Italienisches Essen, afrikanische Kunst, russische Literatur, indische Filme und japanische Weisheiten werden natürlich weiterbestehen, aber letztlich nur nette kleine Tupfer auf der ansonsten im Alltag weit praktischeren angelsächsischen Gebrauchskultur sein.

Selbst die deutsche Sprache hat dabei hierzulande nur deswegen hervorgehobene Bedeutung, weil die Welt momentan noch staatlich organisiert ist, und im Staat Deutschland nun mal Deutsch die gemeinsame Amtssprache ist (was sich, auch wenn die Chinesen dann in die Ming-Vase kotzen und den Franzosen der Frosch im Halse stecken bleibt, eines Tages ändern wird, weil sich irgendwann in ferner Zukunft ohnehin Englisch durchsetzen wird). Kommunikation aber ist nun mal der Schlüssel zur zivilisierten Interaktion mit seiner Umwelt.

Wenn die Kanzlerin sich dann trotzdem ganz doll darüber freut, daß ihre Christen diese Leitkultur maßgeblich mitgeprägt haben, sei Ihr das selbstverständlich unbenommen. Die Muslime dürfen sich dafür im Gegenzug darüber amüsieren, daß selbst Sarrazin seine eigenen Statistiken nur deswegen überhaupt zu lesen in der Lage war, weil er seine Excel-Tabelle vorher vom abendländisch-römischen Zahlenformat auf die für wissenschaftliche Zwecke weit überlegenen arabischen Ziffern umgestellt hat. Und so hat dann jeder seinen Spaß.


Seit Günter Grass den Mund hält, ist wohl bei wenigen Intellektuellen der geistige Niedergang der denkenden Klasse so schön zu beobachten wie bei dem schwedischen Bestsellerautor Henning Mankell, der, wenn er sich zu Israel äußert, immer ein wenig (oder auch gerne ein wenig mehr) den Eindruck erweckt, zu oft beim Elchtest durchgefallen zu sein:

Mankell erklärt, dass er bis zum Betreten der Lufthansa-Maschine, die ihn vorgestern aus Israel ausflog, nichts von den Vorgängen an Bord der „Marmara“ erfahren hatte und bis heute, wie er sagt „so sehr damit beschäftigt war, mit Journalisten zu reden“, dass er keine Zeit gefunden habe, sich die Videos anzuschauen, auf denen zu sehen ist, wie sich einige Passagiere auf eine gewaltsame Auseinandersetzung vorbereiten und dann auf die israelischen Soldaten brutal mit Eisenstangen und Ketten eindreschen. Dafür weiß der erfahrene Krimi-Autor erstaunlich gut über die Motive der Israelis Bescheid: „Das israelische Militär war darauf aus, Mord zu begehen.“

Weswegen dort, wo die Passagiere nicht versucht haben, möglichst viele Juden totzuschlagen, die Opferzahlen unter den wehrlosen Passagieren bekanntlich ja auch besonders hoch waren. Und Paintball-Waffen haben diese grausamen zionistischen Teufel bestimmt nur eingesetzt, weil es so länger dauert, jemanden damit zu erschießen.

Weniger gut informiert ist Mankell über jene, „zutiefst menschenfreundliche“ Organisation IHH, die hinter der Aktion stand. Gegen sie ermittelte schon kurz nach ihrer Gründung die deutsche Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts, Spendengelder an islamistische Terrorgruppen weiterzuleiten. Nilüfer Narli von der Universität Istanbul hält es für bewiesen, dass die IHH die Hamas finanziert. Und IHH-Sprecher Ümer Faruk Korkmaz sagte breit lächelnd bei einer Pressekonferenz, es sei bei der sogenannten Hilfsaktion für Gaza darum gegangen, „Israel vorzuführen“. Von dieser Zeitung auf diese Fakten angesprochen, antwortet Mankell zuerst unwirsch, die Fragen zeugten von „Aggressivität“.

Interessant. Die Frage nach dem Grund für die widerspruchslose Hinnahme aggressiven Verhaltens ist also selber aggressiv. Angesichts derart krasser logischer Aussetzer fragt man sich im Nachhinein, wie Mankell jemals einen Krimi hinbekommen konnte, der einen Verleger findet oder gar verfilmt wird. Aber wer weiß, am Ende ja vielleicht gerade deswegen.

Dann aber sagt er, wenn sie zuträfen, werde er „sehr sauer“ sein.

Na immerhin. Damit mir aber die Zeit nicht so lang wird, bis unser vielbeschäftigter Interviewgeber jene lächerlichen 42 Sekunden freimachen konnte, um sich die folgenden antisemitischen Haßgesänge seiner friedlichen Mitstreiter anzusehen, bin ich auch erst mal sauer, zumal da ja noch folgende Meldung unwidersprochen im Raum steht:

Drei Tage nach dem israelischen Angriff auf die pro-palästinensische Hilfsflotte denkt Henning Mankell darüber nach, die Übersetzung ins Hebräische einzustellen.

Angesichts der Parole „Verkauft nicht an Juden Israelis Menschen, die zufällig hebräisch sprechen!“ kann es denn auch nur eine Antwort geben: Kauft nicht bei Menschen, die nicht an Juden Israelis Menschen, die zufällig hebräisch sprechen, verkaufen. Und lest nicht ihre Bücher. Und schaut nicht ihre Filme. Und hoffen wir, daß die Juden wenigstens über halb so viel Geld verfügen, wie es ihnen von den Antisemiten unterstellt wird. Dann sind die Menschen, die nicht an Juden Israelis Menschen, die zufällig hebräisch sprechen, verkaufen, wenigstens bald pleite.


Dutzende Schülerinnen im afghanischen Kunduz sind schwer erkrankt. Die afghanischen Behörden verdächtigen die Taliban, einen Giftgasanschlag auf die Schule verübt zu haben – um die Mädchen vom Unterricht fernzuhalten.

Kein Problem. Roger Willemsen setzt sich einfach auf ein Friedenspfeifchen mit Mullah Omar zusammen, und dann regeln die das in einem Gespräch unter Männern. Irgendeine Kompromißlinie wird der Intellektuelle unter den Weltenlenkern (oder war’s der Weltenlenker unter den Intellektuellen?) mit seinem lokalkoloritgetränkten Indianerhäuptling schon finden.

Am Ende kann der Roger dann vielleicht sogar ohne den Begleitschutz der Bundeswehr weiter Mädchenschulen bauen, und der Omar darf sie dann nach der Machtübernahme für seine Koranschüler weiterverwenden. So macht das mit dem Giftgas als der Neutronenbombe des kleinen Mannes auch erst richtig Sinn. Beim Einsatz von Sprengstoff könnte ja was kaputtgehen.

Matt. Damon.


Hat hier irgendjemand die Null gewählt?

Matt Damon enttäuscht von Obama

Da spricht zweifellos ein Fachmann.

And the loser is…


SPIEGEL ONLINE. Und zwar in der Kategorie „unqualifiziertester Zwischenruf eines ausländischen Nachrichtenmagazins“ mit seiner anderthalb Jahre alten Bemerkung zum heutigen Oscar-Gewinner „The Hurt Locker“:

Die wirklich nervenzerfetzende, schlimm aufs Gemüt schlagende Beunruhigung des Films aber entsteht nicht durch die Explosionen, von denen er erzählt, sondern daraus, das die Regisseurin keine politische und keine militärische Partei ergreift: Sie zeigt nur den Kampf einer zufällig zusammengepferchten Männergemeinschaft ums Überleben.

Heißt das jetzt, daß der SPIEGEL es weniger beunruhigend gefunden hätte, wenn Kathryn Bigelow während der Dreharbeiten einen „Irakkrieg? Find ich gut!“-Sticker auf ihr Megaphon geklebt hätte, oder, was ein klitzekleines bißchen wahrscheinlicher sein dürfte, daß der SPIEGEL jede politische Einstellung zum Irakkrieg, die nicht militärisch Partei gegen die USA ergreift, beunruhigender empfindet als eine Explosion?