Category: Migration



Mein Haus ist schön. Nichts besonderes, ein ganz normales Mehrfamilienhaus, aber in einer vergleichsweise ruhigen, gepflegten Gegend. Hier ist alles gut organisiert, also wer wann die Strasse kehrt, wie viel wir in die Hausgemeinschaftskasse zahlen und für was wir das Geld ausgeben. Wir haben sogar ein eigenes Hausmitteilungsblatt! Die Nachbarn sind im Großen und Ganzen halbwegs ok (zumindest nerven sie in der Regel nicht groß), die Vorgärten gepflegt, alles ganz nett. Manchmal sogar fast ein bisschen langweilig, die Gegend. Aber egal, man hat seine Ruhe und das Leben hier ist vergleichsweise problemlos.

Das war nicht immer so. Früher, lange bevor ich hier eingezogen bin, muss es hier noch richtig rund gegangen sein. Gab immer wieder kräftig Randale, bis irgendwann mal die Polizei mit einem kompletten SEK eingerückt ist und dem Spuk ein Ende bereitet hat. Gab damals wohl eine richtige Strassenschlacht, bei der, wie ich gehört habe, auch einiges zu Bruch ging, aber nachdem die Polizei die übelsten Krawallmacher aus dem Verkehr gezogen hatten, setzten sich die übrigen Bewohner zusammen und beschlossen, gemeinsam alles dafür zu tun, dass das Viertel nie mehr so runterkommen sollte.

Sie haben dann angefangen miteinander Geschäfte zu machen statt sich gegenseitig zu beklauen, bemühten sich wenigstens, einander gegenüber höflich zu sein, und irgendwann wurden manche, deren Eltern sich noch abgrundtief gehasst haben, richtige Freunde. Es haben sogar welche untereinander geheiratet, das wäre früher undenkbar gewesen. Ist natürlich sicher noch nicht perfekt, manchmal sogar ein bisschen spießig, aber man muss zugeben, sie haben doch ganz schön was draus gemacht. Auch wenn hier die Mieten natürlich etwas höher sind, ist es schon toll, hier leben zu können.

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Sex & Drugs & Sarrazin


Was für ein Titel! Wenn der keinen Traffic bringt, weiß ich auch nicht. Nein, Spaß beiseite, die Sache ist viel zu ernst, deshalb einen Witz, den ein Kollege letztens zum besten gab:

Woran erkennt man eine türkische Domina? Am Lederkopftuch.

Und mit diesem grenzwertigen Scherz (grenzwertig deshalb, weil ich allen Klischees zum Trotz trotzdem laut lachen mußte) wären wir auch schon mitten beim Thema, (nein, nicht Sex), sondern der Integrationsdebatte, auch wenn das auf den ersten Blick nicht so klingen mag. Denn die Frage ist doch folgende:

Sollte der Staat SadoMaso-Spielchen erlauben? Also so richtig mit Peitschen, Ketten und das volle Programm? Hat der Bürger überhaupt das Recht, freiwillig Dinge zu ertragen, die Andersdenkende gemeinhin nur unter dem Begriff „Folter“ kennen und die zweifellos weit unangenehmer sind als nur die falsche Wahl der Kopfbedeckung oder ein Aufenthalt im Club Gitmo?

Oder sollte der Staat derartigen Praktiken grundsätzlich einen Riegel vorschieben, weil es ja weit häufiger vorkommt, daß Menschen gegen ihren Willen gequält werden als freiwillig, und der Staat offenkundig nicht in der Lage ist, derartige Mißstände, deren Bekämpfung immerhin seine primäre Existenzberechtigung darstellen, halbwegs zuverlässig zu unterbinden.

Die Antwort ist letztlich einfach: Wenn das Verwerfliche daran die Tatsache ist, daß jemandem Schmerz zugefügt wird, müssen S/M-Ferkeleien natürlich verboten werden. Wenn das Schlimme daran hingegen ist, daß jemandem etwas gegen seinen Willen aufgewungen wird, gibt es für einen Verbot keinen Grund, sondern nur dafür, die Freiwilligkeit endlich sicherzustellen.

Ähnlich verhält es sich mit Alkohol. Er macht die Menschen oft aggressiv und Millionen von Frauen – wohlgemerkt auch und gerade ohne Migrationshintergrund – haben unter den Folgen zu leiden. Trotzdem käme niemand auf die Idee, wegen des nachgewiesenen Zusammenhangs zwischen Gewalt und Alkohol den Genuß von letzterem zu verbieten, um erstere einzudämmen.

Und aus genau diesem Grund sollten wir der Türkin ihr Kopftuch selbst dann lassen, wenn es nicht aus Leder ist, und dem Christen sein Bierchen, solange er dann nicht wild um sich schlägt. Und wenn ich nicht aus persönlichen Gründen was gegen Drogen hätte, würde ich genau jetzt einen dicken fetten Joint rauchen. Nur so aus Trotz. Aber eben freiwillig.


„Multikulti ist tot“: Im Streit um Integration hat CSU-Chef Horst Seehofer mit drastischer Wortwahl nachgelegt. Auch Angela Merkel drängt Zuwanderer zu mehr Integrationsbereitschaft. Wer das christliche Menschenbild nicht akzeptiere, sagte die Kanzlerin, sei „fehl am Platze“ in Deutschland.

Da irrt Frau Merkel. Wir brauchen keine Leitkultur, sondern eine Leitzivilisation. Diese ist westlich, humanistisch und universalistisch, und ihr haben sich alle Kulturen und Religionen, also auch die deutsche und die christliche, im Konfliktfall unterzuordnen. Das heißt, Kopftuch und Nonnentracht sind zwar zulässig, aber nur, solange sie freiwillig getragen werden, und Glockengeläut und Muezzinrufe bloß, sofern dabei die allgemeinen Gesetze bezüglich der Vermeidung unnötiger  Ruhestörung eingehalten werden.

Beim sogenannten Ehrenmord (Muslime stellen dabei übrigens nicht nur die Täter, sondern auch die Opfer) hört der Spaß der kulturellen Selbstbestimmung hingegen ebenso auf wie bei der Vergewaltigung in der Ehe (deren Leugnung bzw. Beschönigung gerade vielen unserer Unionschristen ja – man glaubt es kaum! – auch erst vor gerade mal 13 Jahren ausgetrieben werden konnte). Wofür sich mündige Bürger aber aus freien Stücken entscheiden, darf ihnen nicht mit egal welcher kulturellen Begründung untersagt werden.

Wer wiederum seine jeweilige Kultur fördern will, nur zu! Die diversen Schuhplattlervereine und Bauchtanzgruppen werden sich freuen, wenn sich endlich mal wieder jemand mehr für sie interessiert statt für HipHop und Heavy Metal. Im übrigen wird niemand daran gehindert, mehr Kinder zu kriegen als die kulturelle Konkurrenz. Und wenn der eine es vorzieht Karriere zu machen, dann darf er sich auch nicht beklagen, wenn in der nächsten Generation die Kinder des armen Nachbarn den geschaffenen Mehrwert auf den Kopf hauen statt der nie geborenen eigenen.

Welche Kultur sich dann am Ende als „Leitkultur“ herausstellt, kann nicht – und sollte auch nicht! – verordnet werden, sondern wird sich als Folge einer ganz normalen evolutionären Entwicklung erst im Laufe der Zeit herausstellen. Und da sollte sich niemand Illusionen machen: Diese Kultur wird genauso wenig islamisch wie christlich sein oder auch nur deutsch bzw. türkisch, sondern wie immer, wenn man den Dingen ihren Lauf läßt, von der liberalen, demokratischen, verführerischen, quietschbunten englischsprachen Welt dominiert werden.

Weder wird der Döner-Index den BigMac ersetzen, noch wird das jemals die Currywurst schaffen. Die Menschen werden weiter Coca Cola trinken und auf dem iPod den Sound des Global Village konsumieren, während ihre Kinder von Barbiepuppen und Disney-Filmen träumen. Italienisches Essen, afrikanische Kunst, russische Literatur, indische Filme und japanische Weisheiten werden natürlich weiterbestehen, aber letztlich nur nette kleine Tupfer auf der ansonsten im Alltag weit praktischeren angelsächsischen Gebrauchskultur sein.

Selbst die deutsche Sprache hat dabei hierzulande nur deswegen hervorgehobene Bedeutung, weil die Welt momentan noch staatlich organisiert ist, und im Staat Deutschland nun mal Deutsch die gemeinsame Amtssprache ist (was sich, auch wenn die Chinesen dann in die Ming-Vase kotzen und den Franzosen der Frosch im Halse stecken bleibt, eines Tages ändern wird, weil sich irgendwann in ferner Zukunft ohnehin Englisch durchsetzen wird). Kommunikation aber ist nun mal der Schlüssel zur zivilisierten Interaktion mit seiner Umwelt.

Wenn die Kanzlerin sich dann trotzdem ganz doll darüber freut, daß ihre Christen diese Leitkultur maßgeblich mitgeprägt haben, sei Ihr das selbstverständlich unbenommen. Die Muslime dürfen sich dafür im Gegenzug darüber amüsieren, daß selbst Sarrazin seine eigenen Statistiken nur deswegen überhaupt zu lesen in der Lage war, weil er seine Excel-Tabelle vorher vom abendländisch-römischen Zahlenformat auf die für wissenschaftliche Zwecke weit überlegenen arabischen Ziffern umgestellt hat. Und so hat dann jeder seinen Spaß.


Der Sparkassendirektor spricht und die Wellen der Empörung schlagen hoch:

Bundespräsident Wulff hat einen Nerv getroffen: „Auch der Islam gehört zu Deutschland“, befand er in seiner Einheits-Rede – nun wächst in seiner eigenen Partei der Unmut. Konservative Unionspolitiker warnen vor einer Gleichsetzung des Islams mit dem Christentum.

Doch bloß weil Wulff eine Fehlbesetzung ist und hier erwartungsgemäß nur eine Wischiwaschi-Wohlfühlrede gehalten hat, muß er nicht in jedem Punkt irren. Auch wenn die C-Parteien schäumen, aber der Islam gehört tatsächlich zu Deutschland, und – um einen anderen Wischiwaschiwohlfühlpolitiker zu zitieren – „das ist auch gut so“. Man sollte sich halt nur zusätzlich die Rede des anderen Bundespräsidenten (das ist der, der leider gegen Wulff verloren hat) in Erinnerung rufen, und der hat zum Thema folgendes wichtige zu ergänzen:

„Der Staat darf sich nicht selbst zur Disposition stellen, indem er die eigenen Normen nicht ernst nimmt“, sagte er. „Bei der Versorgung wollen selbst diejenigen integriert sein, die unsere Kultur ablehnen, sie sogar bekämpfen und denunzieren“, sagte Gauck. Dies sei „ein merkwürdiger Zustand und der kann nicht unbesprochen bleiben“, fügte er hinzu. „Wenn eingewanderte Familien sich noch jahrelang der Landessprache verweigern, dann werden alle Integrationsbemühungen scheitern“, sagte Gauck.

Dies sind Mißstände, die tatsächlich nicht unbesprochen bleiben können, und der Staat hat nicht nur das Recht, sondern auch die verdammte Pflicht, sie zu bekämpfen (dies gilt im übrigen ganz unabhängig von religiösen Fragen und es ist traurig, daß man es immer wieder extra hervorheben muß, weil zu viele meinen, daß es irgendwie liberal, tolerant und nett wäre, wegzuschauen, statt universelle und nicht verhandelbare Werte notfalls auch gegen den Willen illiberaler, intoleranter und weniger netter Zeitgenossen durchzusetzen).

Wird das aber getan, dann gibt es tatsächlich keinen Grund, dem Islam das Recht abzusprechen, genauso zu diesem Land zu gehören wie Christentum, Scientology oder die Episkopalkirche der vereinigten Atheisten. Das heißt ja nicht, daß dann gleich jemand eine Zeitmaschine baut, Karl dem Großen einen Turban auf den Kopf setzt und nachträglich das Heilige Islamische Reich deutscher Nation ausruft. Aber hier und jetzt leben nun mal Millionen von Muslimen, und gerade wenn Sarrazin recht behalten sollte, werden es sogar noch einige mehr.

Mit anderen Worten, wenn der Staat dafür sorgt, daß Muslime genau wie ihre christlichen Brüder und Schwestern, die inzwischen ebenfalls gelernt haben, sich vom Papst keine gesetzeswidrigen Anweisungen mehr zu holen, akzeptieren, daß im Konfliktfall Angela Merkel das letzte Wort hat und nicht Mohammed, dann spricht auch nichts dagegen, daß eines Tages mitten in Köln eine Moschee errichtet wird, deren Minarette höher sind als die Türme des benachbarten Doms. Und mit einem guten Architekten wird sie sogar richtig hübsch.


Weil jetzt sogar schon die GEW (das ist jene Organisation, die am lautesten schreit, wenn man den Schülern was beizubringen versucht, wenn die darauf gerade keinen Bock haben, weil das Abitur gefälligst aus der Steckdose zu kommen hat und Lernen nur was für konservative Eliteförderer mit reaktionärem Menschenbild ist) auf den Islam einprügelt, noch mal eine Klarstellung der jetzt offenbar auch auf der Linken zunehmend verzerrten Wahrnehmung der Realität:

Wenn der prügelnde Papa demonstrativ vor den Nachbarn in Handschellen aus dem Haus gezerrt wird, wenn die Mama auch gegen den Willen des Patriarchen zum Deutschkurs geht, wenn die Eltern nach mehrmaligem Fehlen ihrer Sprößlinge im Kindergarten sich das Sorgerecht für ihre Kinder temporär mit dem Jugendamt teilen müssen, wenn der in der Schule schwächelnde Nachwuchs nachmittags im Förderkurs büffelt statt auf der Straße herumzulungern, wenn der angehende Gangsta nach der zweiten gemeinsamen Gewalttat seine Kumpels wegen einer Kontaktsperre für die nächsten 6 Monate nicht mehr sieht, wenn der Macho-Gangleader vor der Webcam in rosa Unterwäsche Damenklos putzt statt im tiefergelegten 3er-BMW herumzucruisen, während die Perspektive seiner ehemaligen Gefolgsleute eine sichere Lehrstelle statt Hartz IV ist, dann spielt es schlicht und einfach keine Rolle mehr, ob zuhause aus dem Koran statt der Bibel gelesen wurde oder wie sich der alte Mohammed vor 1400 Jahren die Zeit vertrieben hat.


Die Kanzlerin distanziert sich von Thilo Sarrazin, räumt aber Defizite in der Integrationspolitik ein. Darüber müsse ohne Tabus und ohne einen Verdacht von Fremdenfeindlichkeit diskutiert werden – beispielsweise über die erhöhte Gewaltbereitschaft strenggläubiger muslimischer Jugendlicher.

Vielleicht sollte sie aber auch mal überlegen, über die erhöhte Gewaltbereitschaft jugendlicher Schulschwänzer, die nicht mal den Hauptschulabschluß schaffen, zu diskutieren. Oder über die erhöhte Gewaltbereitschaft Jugendlicher aus sozial schwachen Familien, deren Eltern seit Jahren arbeitslos sind. Oder über die erhöhte Gewaltbereitschaft Jugendlicher, die von ihren Eltern mißhandelt wurden. Oder über die erhöhte Gewaltbereitschaft Jugendlicher, deren kriminelle Freunde dickere Autos fahren als die nichtkriminellen Freunde. Oder über die erhöhte Gewaltbereitschaft Jugendlicher, die auch nach der zehnten Gewalttat noch keine ernsthaften Konsequenzen zu spüren bekommen haben. Oder einfach auch nur mal über die erhöhte Gewaltbereitschaft Jugendlicher, die ausschließlich Hosen tragen statt Röcke.

Vielleicht würde sich nach all diesen Diskussionen herausstellen, daß am Ende viel zu wenige strenggläubige muslimische Jugendliche übrig bleiben, über die es sich dann noch groß zu diskutieren lohnt. Und dann könnte man bezüglich der anderen Diskussionspunkte endlich mal handeln, anstatt immer nur drüber zu reden.


Wie weit sich einige der sogenannten Islamkritiker bereits vom ihren anfangs vielleicht tatsächlich mal vorhandenen westlichen Wurzeln entfernt haben, kann man auf schaurige Weise an der folgenden intellektuellen Zeitreise zurück in die ethnisch reine Vergangenheit sehen, als „der Feind“ noch klar daran erkennbar war, daß er sich jenseits des Schlagbaums an der Grenze aufhielt, und Stammesgesellschaften noch eine feine Sache waren, weil nicht nur die bösen Muselmanen welche hatten, sondern man selber ja letztlich auch nicht groß anders dachte:

Die westliche Verteidigungsallianz NATO war ein Produkt des kalten Krieges. Während sie damals ein nützliches Werkzeug war, hat sich die Organisation bisher als vollkommen unfähig erwiesen mit der Flutwelle islamischer Aggression und der Invasion der Dritten Welt durch Massenimmigration umzugehen, welche die westliche Welt verschlingt.

[…] Die NATO hat mit ihren militärischen Aktionen in Serbien und im Kosovo die Islamisierung Europas aktiv unterstützt.

Die USA haben mindestens seit Woodrow Wilsons Lebzeiten versucht Europa und den Rest der Welt nach ihem Bild zu formen. Diese Politik beinhaltet das Niederreißen sozialer Stukturen und das Befördern von Masseneinwanderung aus der dritten Welt – das gleiche Programm, das die US- Eliten jahrzehntelang in Nordamerika vorangetrieben haben.

Einheimische Europäer müssen von ihren kulturellen Identitäten „geheilt“ werden. Die amerikanischen Eliten sind genauso daran beteiligt – vielleicht sogar noch stärker – wie ihre europäischen Amtskollegen innerhalb der EU und ihrer pro- arabischen Netzwerke.

[…] Die dümmlichen Politprojekte der westlichen Nationen in Irak und Afghanistan können nicht funktionieren; es ist einfach unmöglich „Demokratie“ zu exportieren, um islamische Stammeskulturen zurückzudrängen und es ist sinnlos das Leben junger Männer und wichtige Ressourcen bei diesem Versuch zu verschwenden, während das Gesetz der Scharia sich im Westen ausbreitet – ohne Gegenwehr und oft unter Beifall der westlichen Obrigkeit

[…] Derzeit ist es Politik aller NATO Mitgliedstaaten, von Kanada bis zu den Niederlanden, die Islamisierung der westlichen Länder zu befördern. US General Wesley Clark, der die NATO Bombenangriffe auf christliche Serben im Kosovo befehligte, erklärte 1999 rundweg, es gebe im modernen Europa keinen Platz für ethnisch homogene („ethnic pure“) Staaten. Das sei eine Idee des 19. Jahrhunderts und man versuche eben diese Idee so abzuändern, dass sie ins 21. Jahrhundert passe, was multiethnische Staaten zur Folge habe.

[…] Ist die multikulturelle Doktrin noch immer das Leitbild der NATO Politik – christliche Europäer vernichten, wo auch immer sie anstatt „multiethnischen Staaten“ leben? Wenn das so ist, wer beschützt uns dann vor der NATO?

Daß der Text vom einschlägig bekannten Fjordman stammt und hier nur übersetzt wurde, macht es angesichts der kommentarlosen Weiterverbreitung der dahinter stehenden Ideen nicht besser, denn hier ist die ursprüngliche Kritik an den Auswüchsen des islamischen Fundamentalismus über den Durchlauferhitzer der Islamkritik inzwischen zum bloßen Muslimbashing oder gleich zur generellen Einwanderungsfeindlichkeit degeneriert, die sich so auch bei harten Rechtsextremisten findet (wenn auch nicht bei den ganz harten, die haben die Islamisten ja wieder ganz doll lieb).

Man bekommt jedenfalls den Eindruck, daß der Betreiber der Seite nicht mal ansatzweise verstanden hat, was viele der von ihm verlinkten Blogs – darunter auch dieses hier – überhaupt antreibt (kleiner Tip: der „Kreuzzug für die Demokratie“ hat nichts mit Kreuz zu tun, aber umso mehr mit dem von ihm verlachten Demokratieexport). Jedenfalls sollte er bei pauschaler Zustimmung zu Fjordmans kranken Thesen ernsthaft darüber nachdenken, seine Blogroll vielleicht mal einem kleinen Revirement zu unterziehen. Nicht daß es da zu inliebsamen Mißverständnissen kommt.


Daß die Deutschen auf einmal so schön Fußball spielen gelernt haben, seit sie nicht mehr blind ihrem Spielführer Ballack folgen können, sondern zur Abwechslung mal ihren eigenen individuellen Fähigkeiten vertrauen vermüssen, führt hierzulande nicht nur zu Begeisterungsstürmen. Im Gegenteil, je weiter man in die intellektuell verwahrlosten Randgebiete des politischen Prekariats vordringt, desto ablehnender die Haltung und verwirrender die Frontlage. Auf der rechten Seite wird dabei überraschenderweise trotz – und manchmal sogar wegen! – ihres Erfolgs über die eigene Nationalmannschaft gehetzt, weil die Zahl an blonden, blauäugigen Hünen offenbar unter den von der Gauleitung genehmigten Anteil an Spielern mit ausreichend weit zurückdatierendem Ariernachweis gefallen ist.

Hier haben wir dann die absurde Situation, daß man bei der NPD (!) die afrikanischen Mannschaften dem eigenen Team vorzieht, aber nur, weil man offenbar noch nicht mitbekommen hat, daß man die Mannschaftszugehörigkeit nicht nur an der Hautfarbe, sondern auch den Trikots erkennen kann. Und da man sich nicht vorstellen kann, daß ein Trainer seine Mannschaft aufgrund der Kombination von fachlichen Überlegungen mit schlichten Sachzwängen trifft, projiziert man nach dem Grundsatz „Lieber reinrassige Gegner als gar keine Rassentrennung – Hauptsache Rassismus!“ die eigene kranke Weltsicht auf den Fußball. Also bitte nicht wundern, wenn das Motto beim nächsten NPD-Parteitag „Braun hilft Schwarz“ oder „Nazis für Neger!“ heißt. Nur die Ku-Klux-Klan-Kapuzen müssen bei der anschließenden Sonnenwendfeier dann ausnahmsweise wohl mal zu Hause bleiben.

Wo aber der Otto Normalfascho sich wenigstens noch ein kleines bißchen von fußballerischer Brillianz beeindrucken läßt („Immerhin kann der Türke wat“), ordnet man im Umfeld der sich selbst immer als so unglaublich gemäßigt und überhaupt nicht rechtsradikal ansehenden Antiislambloggern um Fakten & Fiktionen oder Politically Incorrect den an den nationalen Grenzen ausgerichteten Patriotismus inzwischen konsequent völkischen oder religiösen Kriterien unter. Vor allem den armen Mesut Özil hat man sich in diesen Kreisen als Zielscheibe erkoren. Ganz gleich wie gut er spielt, wieviele Tore er schießt oder vorbereitet, er ist immer nur das trojanische Pferd, mit dem der türkische Dschihadismus (oder war’s die islamische Weltverschwörung?) das Abendland von innen zersetzt, indem man uns mit Fladenbrot und Spielen einzulullen versucht.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß sich die Hetze beim PI-Publikum, wo man die Probleme der Welt lange Zeit monokausal auf den Islam zurückzuführte und immer wieder betonte, daß man mit Einwanderern ja eigentlich keine Probleme habe, inzwischen zunehmend weg von der rein religiösen Trennlinie zur generellen Ausländerfeindlichkeit verlagert. Ursprünglich waren dabei sogar die „Polen“ Podolski und Klose als zu undeutsch im Gespräch, und erst seit ein paar besonders schlaue Kommentatoren Opas vergilbte Atlanten aus der alten Kiste vom Dachboden geholt haben (die war so verstaubt, da konnten sie das Hakenkreuz auf dem Vorhängeschloß natürlich nicht erkennen), einigte man sich darauf, daß es sich hier ja um „Schlesier“ handelt, womit die Tore dann gerade doch noch mal OK gingen. Da haben Poldi und Miro wohl Glück gehabt.

Angesichts dieser unterirdischen Vorstellung hat man sich bei den Genossen von der anderen Feldpostnummer offenbar gesagt, daß die Rechte in nichts besser sein darf als die Linke, also auch nicht beim Blödsein, und wurden bei der Suche nach einem besonders idiotischen Anlaß zum Hyperventilieren auch prompt fündig. Das beanstandete Autobahnteilstück ist schwarz-rot-gold und hängt hochkant an einem Haus in Berlin, und wer es runterreißt, bekommt 100 Punkte. Der arabische Besitzer der Flagge wird sich jetzt vermutlich fragen, in was für einem Irrenhaus er da gelandet ist.  Erst heißt es er soll sich integrieren, und kaum tut er das geradezu mustergültig, kriegt er Ärger mit der Kiezmiliz wegen zu deutscher Umtriebe, während ihn die Islamophobiker trotzdem weiter verabscheuen, weil er ja nur ein doofer Musel ist, der ihre schöne Flagge beschmutzt.

Aber gut, immerhin wissen wir jetzt, daß Integration auf der äußersten Linken genauso wenig erwünscht ist wie auf der Rechten. Was zeigt, daß man selbst beim Fußball noch was lernen kann.


Die österreichische Krone titelt: “Bikini statt Burka” – die Rechtgläubigen werden toben.

So what? Die Rechtsgläubigen toben dafür, wenn es heißt „Burka statt Bikini“. Das gibt sich unterm Strich nicht viel.

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten wurde jetzt die 24-jährige Rimah Fakih (Foto) zur Miss USA gewählt.

Da hat sie bloß Glück, daß sie in den USA lebt und nicht hierzulande unter der Herreschaft des PI-Kommentarmobs. Der hätte sie nämlich zusammen mit ihren hisbollahverdächtigen Eltern schon vor Jahren in den Libanon ausgewiesen, weil die ihr Kopftuchmädchen eh nur in die Welt gesetzt haben, um sich unrechtmäßig das schöne deutsche Kindergeld zu erschleichen.

Die Schönheit ist im Säuglingsalter als Kind libanesischer Einwanderer in die USA immigriert.

Daß ich das noch erleben darf: Eine Muslima als feuchter Traum eines PI-Redakteurs. Vermutlich wäre er völlig verblüfft, wenn er erführe, daß muslimische Frauen unter der Burka auch nicht anders aussehen als unter dem Bikini.

In New York hat sie dann eine katholische Schule besucht und später Wirtschaft studiert. Die strengen Vorschriften “Allahs” ignoriert die junge Dame offensichtlich.

Aha? Geht das also doch? Das heißt, man kann Muslim sein, ohne Sprengstoffgürtel oder wenigstens ein Klappmesser zu tragen? Mal schauen, wie lange die Erkenntnis hält. Ich schätze mal, ein, höchstens zwei Artikel. Halt so lange, bis die Hitzewallungen mit der nächsten kalten Dusche des Redakteurs verschwunden sind. Und dann darf wieder wie gewohnt gehetzt werden.


Durch Zufall bin ich auf eine kleine Geschichte gestoßen, die zwar schon etwas über ein Jahr alt, aber immer noch topaktuell ist, weil sie nicht nur einen etwas anderen Blick auf den Nahostkonflikt wirft, sondern auch sehr gut in die derzeit in Deutschland geführte Integrationsdebatte paßt. Obwohl sie „nur“ im wahren Leben statt der großen Politik spielt, ist sie spannend und vor allem ausgesprochen lehrreich, da sie wie in einem Brennglas nicht nur eine ganze Reihe Probleme bündelt, sondern oft auch noch die Lösung aufzeigt.

Dabei ist sie geeignet, völlig unterschiedlichen und teilweise sogar untereinander erbittert verfeindeten Zielgruppen gleichzeitig die Vorurteile um die Ohren zu hauen (zumindest sofern man dort des Lesens mächtig ist). Vom antiwestlichen Islamistenversteher bis zum pseudowestlichen Islamhasser, vom konservativen Einwanderungsskeptiker bis zum möchtegernprogressiven Antizionisten und vom europäischen Medienmacher bis zum amerikanischen Präsidenten ist für jeden genug dabei, daß er mal ernsthaft ins Grübeln kommen sollte.

Auf diese Weise haben wir die einmalige Gelegenheit, die praktische Widerlegung der beliebtesten Irrtümer über Muslime wie Israelis in einem Artikel zusammen vorzufinden. Also frisch aufgemerkt und Hörgeräte auf volle Lautstärke, liebe Links- wie Rechtsreaktionäre, hier könnt Ihr alle was für’s Leben lernen:

Vorurteil 1: Muslime sind intolerante Religionsfanatiker

In Zichron Ya’akov leben heute drei Darfuri Flüchtlingsfamilien. Die Familien sind Muslime, doch von einer freieren und toleranteren Art, als sie in unserer Region üblich ist.

Vorurteil 2: Die Muslime sind alle eine große Familie

Sie flohen aus Darfur erst in den Sudan und dann nach Ägypten. In beiden Ländern wurden sie verfolgt, verprügelt und ausgegrenzt.

Vorurteil 3: Muslime fürchten Israel als ultimativen Todfeind

Wie viele andere hörten sie von Israel und wollten dorthin fliehen. Sie gaben ihr letztes Geld an beduinische Fluchthelfer aus, die sie in die Nähe der israelischen Grenze im Sinai bringen.

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