Category: Blogosphäre


Super, Julian, ganz toll…


Einzelzelle, Laptopverbot, graue Sträflingskleidung: Nach seiner Festnahme kämpft WikiLeaks-Gründer Assange mit der rauen britischen Gefängnisrealität. Immerhin: Das Internetverbot für den Australier wird wohl gelockert werden – der 39-Jährige soll Zugang zu einem Computer erhalten.

Gerüchten zufolge sollen im Rahmen der Gefängnisreform zudem inhaftierte Diebe in Zukunft mit Einbruchswerkzeug ausgestattet werden, Mörder mit Hieb- und Stichwaffen sowie Spione mit einer abhörsicheren Leitung in eine Botschaft ihrer Wahl. Aber gut, vielleicht nutzt Assange ja die Gelegenheit und distanziert sich nicht nur unmißverständlich von den DDOS-Attacken der selbsternannten WikiLeaks-Rächer, sondern ruft sie auch auf, diesen Unsinn sofort zu beenden.

Sonst ist das Internet nämlich ganz schnell nicht mehr für alle da, sondern nur noch für jene, die einen millionenstarken Cybermob zusammentrommeln können, um Kraft eigener Arroganz den Zugriff auf mißliebige Websites zu verhindern. Wenn aber dank der Anhänger des Assange-Kults jetzt auch außerhalb von Staaten wie China und dem Iran weltweit Zensur geübt werden kann, wird ihr Idol ganz sicher nicht als Held in die Annalen des Internet eingehen. Sondern als sein Totengräber.

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Ani ma’amin


Im Nirgendwo habe ich zufällig den Verweis auf einen wie eine Präzisionsbombe treffenden Artikel von Hannes Stein gefunden, den ich aus Zeitgründen bisher leider übersehen hatte, der aber zweifellos zur Pflichtlektüre der seit Tagen tobenden Lieblingsdiskussion der Deutschen gehören sollte. Da er einige der Punkte anspricht, die ich Skeptikern gegenüber auch immer wieder gebetsmühlenartig wiederhole, seien hier die schönsten Stellen noch einmal zitiert (ich hoffe Hannes wird mir vergeben, aber er spricht mir einfach zu sehr aus der Seele, so ich denn eine haben sollte):

Dass die arabischen Gesellschaften in einem grauenhaften Zustand sind – näheres darüber im „Arab Human Development Report“ von 2002 –, daran ist, glaube ich, der Islam eigentlich nur am Rande schuld. Viel verheerender ist der Umstand, dass die Staaten im Nahen Osten seit Menschengedenken von Diktatoren beherrscht werden (Diktaturen verblöden die ihnen Unterworfenen bekanntlich ungemein), ferner gibt es im Nahen Osten, wie wir von Gunnar Heinsohn gelernt haben, einen „youth bulge“: einen Überschuss an jungen, sexuell frustrierten Männern, die dann auch noch ökonomisch alimentiert werden, sei´s durch Petrodollars (Saudi-Arabien), sei´s durch die liebe gute Uno (Gazastreifen).

[…] Ich fresse eine Moschee samt Minarettverbot, wenn die Mitglieder der türkischen und libanesischen Jugendbanden, die Neukölln unsicher machen, je auch nur eine Seite im Koran gelesen haben. Wahrscheinlich handelt es sich bei denen um strukturelle Analphabeten, die dazu gar nicht in der Lage wären. Das Problem mit den Muslimen ist, kurz gesagt, das Ergebnis eines außer Rand und Band geratenen Sozialstaates, der exakt jenes Elend zementiert, das er abschaffen möchte – allerdings betrifft das eben nicht nur die jungen Türken und Araber, von denen 40 Prozent keinen Schulabschluss schaffen.

[…] Ich war schon 1992 dafür, dass die Nato die eine oder andere Bombe auf Belgrad schmeißt, um die bosnischen Muslime vor dem Genozid zu retten, und wollte 1995, als Europa das Massaker von Srebrenica geschehen ließ, im Grunde nichts mehr mit der Alten Welt zu tun haben. In diesem Punkt bin ich zufällig immer noch meiner Meinung. Und ich halte den Genossen Wladimir Putin, der 20 Prozent der muslimischen Tschetschenen ausrotten ließ, für einen Verbrecher; ich wünsche ihm genauso den Tod wie Osama Bin Laden und Machmud Achmadingsbumsda in Teheran.

[…] Ich war – das ist kein Geheimnis – für den Afghanistankrieg. Ich war für den Irakkrieg. Je ne regrette rien. Und ich fürchte (wie mein Kollege Richard Herzinger), dass Amerika seine Soldaten viel zu früh aus dem Irak abgezogen hat. Ich habe Angst, dass der Westen Afghanistan im Stich lassen wird und dass sich dann die Pforten der Hölle öffnen, die bekanntlich in Pakistan liegt. Ich glaube, dass nur noch ein Militärschlag die „Islamische Republik Iran“ davon abhalten kann, dass sie die Mittel zum Massenmord in ihre blutverschmierten Finger bekommt, und bin sehr froh, dass die Israelis schon mal üben.

Aber ich möchte hier auf etwas anderes aufmerksam machen: Wer allen Ernstes glaubt, dass der Islam an und für sich der Feind sind – wer denkt, dass 1,6 Milliarden Muslime auf keinen Fall, nach keinem denkbaren Szenario, in die liberale Moderne integriert werden können –, der hätte nach dem 11. September etwas ganz anderes befürworten müssen als den Einmarsch in Afghanistan (also die Befreiung der muslimischen Afghanen vom Talibanregime) und den Irakkrieg (die Befreiung der muslimischen Araber und Kurden im Irak von Saddam Hussein).

Wer diesen Text nicht gelesen hat, sollte zum Thema „Sarrazin und die Sarazenen“ jedenfalls besser schweigen. Das einzige, was man an diesem „Glaubensbekenntnis“ kritisieren kann, ist, daß es dort keine Kommentarfunktion gibt, bei der man es unterschreiben kann. Was ich hiermit getan habe.


Die Hamas (das ist jene sympathische Hilfsorganisation, zu der der Sandalista unserer Tage bevorzugt pilgert) hat offiziell mit unmißverständlichen Worten, klargestellt, daß Zivilisten grundsätzlich und immer legitime Ziele ihres bewaffneten Kampfes sind:

In an interview with London-based Arabic daily a-Sharq al-Awsat published Thursday, al-Zahar said the attempt to link the attacks to the peace talks is „fundamentally wrong,“ adding that the decision to carry out the attacks was made by „people in the field.“

„There are those who are saying the timing of the attacks was deliberate, but this is not true. When people have an opportunity, as well as the capabilities and targets, they act.“

Doch wer daraus jetzt schließt, daß nur rechtsextreme Muslime den vorsätzlichen Mord an schwangeren Frauen als Kampf gegen den Kolonialismus verherrlichen, irrt gewaltig. Auch linksextreme Nichtmuslime wie unser alter Bekannter Marcel B.  finden so was richtig cool:

Vier Kolonialisten in der Westbank erschossen

Es wird interessant sein zu beobachten, wer seiner verbliebenen politischen Freunde sich wenigstens nach dieser letzten Entgleisung unseres inzwischen bis hin zur Hysterie antisemitischen Hardcore-Stalinisten distanziert. Vor allem aber, wer das nicht tut.

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Das mußte mal gesagt werden. Technorati wollte das so. Also am besten einfach ignorieren.


Wie weit sich einige der sogenannten Islamkritiker bereits vom ihren anfangs vielleicht tatsächlich mal vorhandenen westlichen Wurzeln entfernt haben, kann man auf schaurige Weise an der folgenden intellektuellen Zeitreise zurück in die ethnisch reine Vergangenheit sehen, als „der Feind“ noch klar daran erkennbar war, daß er sich jenseits des Schlagbaums an der Grenze aufhielt, und Stammesgesellschaften noch eine feine Sache waren, weil nicht nur die bösen Muselmanen welche hatten, sondern man selber ja letztlich auch nicht groß anders dachte:

Die westliche Verteidigungsallianz NATO war ein Produkt des kalten Krieges. Während sie damals ein nützliches Werkzeug war, hat sich die Organisation bisher als vollkommen unfähig erwiesen mit der Flutwelle islamischer Aggression und der Invasion der Dritten Welt durch Massenimmigration umzugehen, welche die westliche Welt verschlingt.

[…] Die NATO hat mit ihren militärischen Aktionen in Serbien und im Kosovo die Islamisierung Europas aktiv unterstützt.

Die USA haben mindestens seit Woodrow Wilsons Lebzeiten versucht Europa und den Rest der Welt nach ihem Bild zu formen. Diese Politik beinhaltet das Niederreißen sozialer Stukturen und das Befördern von Masseneinwanderung aus der dritten Welt – das gleiche Programm, das die US- Eliten jahrzehntelang in Nordamerika vorangetrieben haben.

Einheimische Europäer müssen von ihren kulturellen Identitäten „geheilt“ werden. Die amerikanischen Eliten sind genauso daran beteiligt – vielleicht sogar noch stärker – wie ihre europäischen Amtskollegen innerhalb der EU und ihrer pro- arabischen Netzwerke.

[…] Die dümmlichen Politprojekte der westlichen Nationen in Irak und Afghanistan können nicht funktionieren; es ist einfach unmöglich „Demokratie“ zu exportieren, um islamische Stammeskulturen zurückzudrängen und es ist sinnlos das Leben junger Männer und wichtige Ressourcen bei diesem Versuch zu verschwenden, während das Gesetz der Scharia sich im Westen ausbreitet – ohne Gegenwehr und oft unter Beifall der westlichen Obrigkeit

[…] Derzeit ist es Politik aller NATO Mitgliedstaaten, von Kanada bis zu den Niederlanden, die Islamisierung der westlichen Länder zu befördern. US General Wesley Clark, der die NATO Bombenangriffe auf christliche Serben im Kosovo befehligte, erklärte 1999 rundweg, es gebe im modernen Europa keinen Platz für ethnisch homogene („ethnic pure“) Staaten. Das sei eine Idee des 19. Jahrhunderts und man versuche eben diese Idee so abzuändern, dass sie ins 21. Jahrhundert passe, was multiethnische Staaten zur Folge habe.

[…] Ist die multikulturelle Doktrin noch immer das Leitbild der NATO Politik – christliche Europäer vernichten, wo auch immer sie anstatt „multiethnischen Staaten“ leben? Wenn das so ist, wer beschützt uns dann vor der NATO?

Daß der Text vom einschlägig bekannten Fjordman stammt und hier nur übersetzt wurde, macht es angesichts der kommentarlosen Weiterverbreitung der dahinter stehenden Ideen nicht besser, denn hier ist die ursprüngliche Kritik an den Auswüchsen des islamischen Fundamentalismus über den Durchlauferhitzer der Islamkritik inzwischen zum bloßen Muslimbashing oder gleich zur generellen Einwanderungsfeindlichkeit degeneriert, die sich so auch bei harten Rechtsextremisten findet (wenn auch nicht bei den ganz harten, die haben die Islamisten ja wieder ganz doll lieb).

Man bekommt jedenfalls den Eindruck, daß der Betreiber der Seite nicht mal ansatzweise verstanden hat, was viele der von ihm verlinkten Blogs – darunter auch dieses hier – überhaupt antreibt (kleiner Tip: der „Kreuzzug für die Demokratie“ hat nichts mit Kreuz zu tun, aber umso mehr mit dem von ihm verlachten Demokratieexport). Jedenfalls sollte er bei pauschaler Zustimmung zu Fjordmans kranken Thesen ernsthaft darüber nachdenken, seine Blogroll vielleicht mal einem kleinen Revirement zu unterziehen. Nicht daß es da zu inliebsamen Mißverständnissen kommt.


Die österreichische Krone titelt: “Bikini statt Burka” – die Rechtgläubigen werden toben.

So what? Die Rechtsgläubigen toben dafür, wenn es heißt „Burka statt Bikini“. Das gibt sich unterm Strich nicht viel.

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten wurde jetzt die 24-jährige Rimah Fakih (Foto) zur Miss USA gewählt.

Da hat sie bloß Glück, daß sie in den USA lebt und nicht hierzulande unter der Herreschaft des PI-Kommentarmobs. Der hätte sie nämlich zusammen mit ihren hisbollahverdächtigen Eltern schon vor Jahren in den Libanon ausgewiesen, weil die ihr Kopftuchmädchen eh nur in die Welt gesetzt haben, um sich unrechtmäßig das schöne deutsche Kindergeld zu erschleichen.

Die Schönheit ist im Säuglingsalter als Kind libanesischer Einwanderer in die USA immigriert.

Daß ich das noch erleben darf: Eine Muslima als feuchter Traum eines PI-Redakteurs. Vermutlich wäre er völlig verblüfft, wenn er erführe, daß muslimische Frauen unter der Burka auch nicht anders aussehen als unter dem Bikini.

In New York hat sie dann eine katholische Schule besucht und später Wirtschaft studiert. Die strengen Vorschriften “Allahs” ignoriert die junge Dame offensichtlich.

Aha? Geht das also doch? Das heißt, man kann Muslim sein, ohne Sprengstoffgürtel oder wenigstens ein Klappmesser zu tragen? Mal schauen, wie lange die Erkenntnis hält. Ich schätze mal, ein, höchstens zwei Artikel. Halt so lange, bis die Hitzewallungen mit der nächsten kalten Dusche des Redakteurs verschwunden sind. Und dann darf wieder wie gewohnt gehetzt werden.


Das ist schon seltsam. Da kommt eine Vorzeigemigrantin, ist intelligent, fleißig, gebildet, modern, verfassungstreu und wie aus dem Bilderbuch integriert, und schafft es trotz ihrer türkischen Wurzeln sogar in der christlichen CDU was zu werden. Eigentlich sollte man da erwarten, daß sich all jene Konservativen, die sonst bei jeder Gelegenheit klagen, daß Muslime grundsätzlich dumm, faul, primitiv, rückständig sowie deutschenfeindlich seien und sich immer in ihren Parallelgesellschaften abschotten würden, jetzt vor Begeisterung regelrecht überschlagen.

Immerhin könnten sie diese Frau den so gern kritisierten Fundamentalisten, Rütli-Schlägern und Familienpatriarchen mit einem triumphierenden „Na geht doch!“ als gutes und nachahmenswertes Beispiel vorhalten, wie man es als Einwanderer hierzulande durch aufrichtiges Bemühen und Anpassung an die landesüblichen Gepflogenheiten zu was bringen kann, und sie gleichzeitig als Beweis dafür benutzen, daß die Deutschen überhaupt nicht fremdenfeindlich seien, sondern auch aus dem Ausland stammende Neubürger mit offenen Armen empfangen.

Doch weit gefehlt. Schon bevor Aygül Özkan ihr Amt überhaupt angetreten hat, schlug ihr bei den angeblich auf dem Boden des Grundgesetzes stehenden Antiislambloggern von PI eine Welle von Ablehnung, ja Haß entgegen, die ihresgleichen sucht. Von Anfang an und noch bevor sie überhaupt ihren Mund aufgemacht hatte, wurde dort aus allen Rohren mit Beleidigungen und Unterstellungen gegen Frau Özkan gefeuert, die als unter der Kontrolle finsterer orientalischer Strippenzieher stehende Exekutorin türkischer Interessen dargestellt wurde.

Özkans durchaus bedenkenswerte Äußerungen zum Vorteil des Migrationshintergrunds einzelner Richter und zur berechtigten Frage nach der Sinnhaftigkeit von religiösen Symbolen in den Klassenzimmern öffentlicher Schulen wurden in der Folge als Versuch gewertet, zweierlei Recht einzuführen (so als ob die Paragraphen im Strafgesetzbuch inzwischen nach Herkunft geordnet wären) bzw. als unverschämter Angriff auf das christliche Abendland (die Trennung von Kirche und Staat hat sich offenbar noch überall herumgesprochen) angesehen.

Besonders infam dabei ist, daß man ihr nur die Wahl läßt, wofür sie geprügelt wird, nicht ob. Würde sie tatsächlich die Einführung der Scharia fordern, wäre die Empörung bei PI nicht größer, denn wenn sie sich zum deutschen Rechtsstaat bekennt (was bei Ministern ja nicht völlig unüblich ist), dann ist das halt Taqiyya, und damit zusätzlich noch verlogen. Die Schutzbehauptung, man habe ja nur was gegen den Islam als Ideologie, aber nichts gegen Muslime als Menschen, können sie sich bei PI nach diesem Auftritt jedenfalls in die Haare schmieren.


Und nein, wir reden hier nicht von irgendwelchen verrückten Rednecks aus dem Mittlereren Westen der USA, die ständig auf der Flucht vor schwarzen UN-Hubschraubern sind, sondern von einem sich selbst irrtümlicherweise innerhalb unserer Zivilisation verortenden deutschen Blog, dessen Macher nicht nur den in Bosnien abgeschlachteten Muslimen zusammen mit ihrem neuen Idol Karadzic kaum verhohlen ein trotziges „Selber schuld!“ ins Massengrab hinterherschleudern, sondern auch die diensthabenden Chefkomiker der damaligen rot-grüne Regierung gerade wegen einer der wenigen richtigen außenpolitischen Entscheidungen ihrer ganzen Amtszeit nach Den Haag schleifen wollen. Und daß ich dadurch gezwungen bin, Joschka Fischer und Rudolf Scharping in Schutz zu nehmen, nehme ich Stefan Herre doppelt übel.