Category: Islam(ismus)



Vor den Kämpfen mit den Milizen hatten in Bengasi Zehntausende Menschen gegen Ansar al-Scharia demonstriert. „Nein, nein zu den Milizen“, riefen sie. „Nach dem, was im amerikanischen Konsulat geschehen ist, haben wir genug von den Extremisten“, sagte ein Mann dem TV-Sender al-Dschasira. Einige Demonstranten brachten auch ihre Trauer um die getöteten Amerikaner zum Ausdruck. Sie trugen Schilder mit der Aufschrift: „Der Botschafter war Libyens Freund“ und „Libyen hat einen Freund verloren“.

Da kann man mal sehen, was den Unterschied ausmacht zwischen Mutbürgern, die sich gegen wirkliche Bedrohungen auflehnen, und Wutbürgern, die sie sich nur herbeifantasieren. Angesichts dieser wunderschönen Klatsche gegen fast die gesamte schwätzende Klasse in Deutschland muss ich meine selbstgewählte Blogabstinenz daher mal unterbrechen, weil die Liste der Abgewatschten einfach zu lang ist, um sie in einen Tweet zu pressen, und die Kandidaten direkt untereinander aufgelistet noch viel schräger rüberkommen als sie es für sich genommen schon sind:

  • die Irak-/Iran-/Libyen-/Syrien-/Was-auch-immer-Kriegsgegner, die behaupten, Freiheit und Demokratie liessen sich nicht herbeibomben
  • die Kritiker humanitärer Interventionen, die uns erzählen, dass man, wenn man’s doch versucht, von den Befreiten für die Befreiung gehasst wird
  • die Berufsbedenkenträger, die jedesmal, wenn man einen Diktator zum Teufel jagen will, vor dem großen, unweigerlich folgenden Flächenbrand warnen
  • die altgedienten Realpolitiker, die am liebsten alle Tyrannen an ihrem Platz lassen würden, weil die Unterdrückten am Ende sowieso undankbar sind
  • die verzagten Liberalen, die sich inzwischen den arabischen Winter zurückwünschen, weil im Frühling neben Blumen nun mal auch Unkraut wächst
  • die antiwestlichen USA-Verächter, die es nicht ertragen können, dass die Amerikaner nicht nur die Guten sind, sondern auch noch gewinnen
  • die Friedensdividende-Träumer, die Europa so weit abrüsten würden, bis selbst ein Obama nichts mehr vorfände, was er von hinten führen könnte
  • die antiimperialistischen Nostalgiker, die glauben, dass die Völker der Welt jedem Schwachkopf hinterherlaufen, der sich gegen die Moderne stellt
  • die reaktionären Islamhasser, die meinen, Muslime wären alles fundamentalistische Irre, die nur den Dschihad gegen die Ungläubigen im Kopf haben
  • die arroganten Kulturrelativisten, die sagen, Muslime stünden kulturell bedingt darauf, von den fundamentalistischen Irren unterdrückt zu werden

Sex & Drugs & Sarrazin


Was für ein Titel! Wenn der keinen Traffic bringt, weiß ich auch nicht. Nein, Spaß beiseite, die Sache ist viel zu ernst, deshalb einen Witz, den ein Kollege letztens zum besten gab:

Woran erkennt man eine türkische Domina? Am Lederkopftuch.

Und mit diesem grenzwertigen Scherz (grenzwertig deshalb, weil ich allen Klischees zum Trotz trotzdem laut lachen mußte) wären wir auch schon mitten beim Thema, (nein, nicht Sex), sondern der Integrationsdebatte, auch wenn das auf den ersten Blick nicht so klingen mag. Denn die Frage ist doch folgende:

Sollte der Staat SadoMaso-Spielchen erlauben? Also so richtig mit Peitschen, Ketten und das volle Programm? Hat der Bürger überhaupt das Recht, freiwillig Dinge zu ertragen, die Andersdenkende gemeinhin nur unter dem Begriff „Folter“ kennen und die zweifellos weit unangenehmer sind als nur die falsche Wahl der Kopfbedeckung oder ein Aufenthalt im Club Gitmo?

Oder sollte der Staat derartigen Praktiken grundsätzlich einen Riegel vorschieben, weil es ja weit häufiger vorkommt, daß Menschen gegen ihren Willen gequält werden als freiwillig, und der Staat offenkundig nicht in der Lage ist, derartige Mißstände, deren Bekämpfung immerhin seine primäre Existenzberechtigung darstellen, halbwegs zuverlässig zu unterbinden.

Die Antwort ist letztlich einfach: Wenn das Verwerfliche daran die Tatsache ist, daß jemandem Schmerz zugefügt wird, müssen S/M-Ferkeleien natürlich verboten werden. Wenn das Schlimme daran hingegen ist, daß jemandem etwas gegen seinen Willen aufgewungen wird, gibt es für einen Verbot keinen Grund, sondern nur dafür, die Freiwilligkeit endlich sicherzustellen.

Ähnlich verhält es sich mit Alkohol. Er macht die Menschen oft aggressiv und Millionen von Frauen – wohlgemerkt auch und gerade ohne Migrationshintergrund – haben unter den Folgen zu leiden. Trotzdem käme niemand auf die Idee, wegen des nachgewiesenen Zusammenhangs zwischen Gewalt und Alkohol den Genuß von letzterem zu verbieten, um erstere einzudämmen.

Und aus genau diesem Grund sollten wir der Türkin ihr Kopftuch selbst dann lassen, wenn es nicht aus Leder ist, und dem Christen sein Bierchen, solange er dann nicht wild um sich schlägt. Und wenn ich nicht aus persönlichen Gründen was gegen Drogen hätte, würde ich genau jetzt einen dicken fetten Joint rauchen. Nur so aus Trotz. Aber eben freiwillig.


Erst mahnte er seine Landsleute zu mehr Toleranz, jetzt waren die Türken dran: Bei seiner historischen Rede vor dem Parlament in Ankara hat Bundespräsident Christian Wulff mehr Rechte für Christen in islamischen Ländern gefordert. Das kam nicht überall gut an.

Schau mal einer an, der Sparkassendirektor weiß dann doch noch zu überraschen. Da muß ich ihm tatsächlich Abbitte leisten. Respekt, Herr Wulff, und vor allem danke!

Denn angesichts der säuerlichen Reaktion jetzt auch auf türkischer Seite haben wir den unumstößlichen Beweis, daß Geistesverwandtschaft nicht nur über Parteigrenzen möglich ist, sondern auch kulturelle, religiöse und nationale Barrieren problemlos überwinden kann.

Da bleibt nur zu hoffen, daß die deutsche Christen-Rechte Wulffs Appell für selbige in der Türkei nicht nur hört, sondern auch begreift, daß dieser dann umgekehrt für die Forderung der türkischen Moslem-Rechten nach solchen in Deutschland genauso gelten muß.


Der Sparkassendirektor spricht und die Wellen der Empörung schlagen hoch:

Bundespräsident Wulff hat einen Nerv getroffen: „Auch der Islam gehört zu Deutschland“, befand er in seiner Einheits-Rede – nun wächst in seiner eigenen Partei der Unmut. Konservative Unionspolitiker warnen vor einer Gleichsetzung des Islams mit dem Christentum.

Doch bloß weil Wulff eine Fehlbesetzung ist und hier erwartungsgemäß nur eine Wischiwaschi-Wohlfühlrede gehalten hat, muß er nicht in jedem Punkt irren. Auch wenn die C-Parteien schäumen, aber der Islam gehört tatsächlich zu Deutschland, und – um einen anderen Wischiwaschiwohlfühlpolitiker zu zitieren – „das ist auch gut so“. Man sollte sich halt nur zusätzlich die Rede des anderen Bundespräsidenten (das ist der, der leider gegen Wulff verloren hat) in Erinnerung rufen, und der hat zum Thema folgendes wichtige zu ergänzen:

„Der Staat darf sich nicht selbst zur Disposition stellen, indem er die eigenen Normen nicht ernst nimmt“, sagte er. „Bei der Versorgung wollen selbst diejenigen integriert sein, die unsere Kultur ablehnen, sie sogar bekämpfen und denunzieren“, sagte Gauck. Dies sei „ein merkwürdiger Zustand und der kann nicht unbesprochen bleiben“, fügte er hinzu. „Wenn eingewanderte Familien sich noch jahrelang der Landessprache verweigern, dann werden alle Integrationsbemühungen scheitern“, sagte Gauck.

Dies sind Mißstände, die tatsächlich nicht unbesprochen bleiben können, und der Staat hat nicht nur das Recht, sondern auch die verdammte Pflicht, sie zu bekämpfen (dies gilt im übrigen ganz unabhängig von religiösen Fragen und es ist traurig, daß man es immer wieder extra hervorheben muß, weil zu viele meinen, daß es irgendwie liberal, tolerant und nett wäre, wegzuschauen, statt universelle und nicht verhandelbare Werte notfalls auch gegen den Willen illiberaler, intoleranter und weniger netter Zeitgenossen durchzusetzen).

Wird das aber getan, dann gibt es tatsächlich keinen Grund, dem Islam das Recht abzusprechen, genauso zu diesem Land zu gehören wie Christentum, Scientology oder die Episkopalkirche der vereinigten Atheisten. Das heißt ja nicht, daß dann gleich jemand eine Zeitmaschine baut, Karl dem Großen einen Turban auf den Kopf setzt und nachträglich das Heilige Islamische Reich deutscher Nation ausruft. Aber hier und jetzt leben nun mal Millionen von Muslimen, und gerade wenn Sarrazin recht behalten sollte, werden es sogar noch einige mehr.

Mit anderen Worten, wenn der Staat dafür sorgt, daß Muslime genau wie ihre christlichen Brüder und Schwestern, die inzwischen ebenfalls gelernt haben, sich vom Papst keine gesetzeswidrigen Anweisungen mehr zu holen, akzeptieren, daß im Konfliktfall Angela Merkel das letzte Wort hat und nicht Mohammed, dann spricht auch nichts dagegen, daß eines Tages mitten in Köln eine Moschee errichtet wird, deren Minarette höher sind als die Türme des benachbarten Doms. Und mit einem guten Architekten wird sie sogar richtig hübsch.


Weil jetzt sogar schon die GEW (das ist jene Organisation, die am lautesten schreit, wenn man den Schülern was beizubringen versucht, wenn die darauf gerade keinen Bock haben, weil das Abitur gefälligst aus der Steckdose zu kommen hat und Lernen nur was für konservative Eliteförderer mit reaktionärem Menschenbild ist) auf den Islam einprügelt, noch mal eine Klarstellung der jetzt offenbar auch auf der Linken zunehmend verzerrten Wahrnehmung der Realität:

Wenn der prügelnde Papa demonstrativ vor den Nachbarn in Handschellen aus dem Haus gezerrt wird, wenn die Mama auch gegen den Willen des Patriarchen zum Deutschkurs geht, wenn die Eltern nach mehrmaligem Fehlen ihrer Sprößlinge im Kindergarten sich das Sorgerecht für ihre Kinder temporär mit dem Jugendamt teilen müssen, wenn der in der Schule schwächelnde Nachwuchs nachmittags im Förderkurs büffelt statt auf der Straße herumzulungern, wenn der angehende Gangsta nach der zweiten gemeinsamen Gewalttat seine Kumpels wegen einer Kontaktsperre für die nächsten 6 Monate nicht mehr sieht, wenn der Macho-Gangleader vor der Webcam in rosa Unterwäsche Damenklos putzt statt im tiefergelegten 3er-BMW herumzucruisen, während die Perspektive seiner ehemaligen Gefolgsleute eine sichere Lehrstelle statt Hartz IV ist, dann spielt es schlicht und einfach keine Rolle mehr, ob zuhause aus dem Koran statt der Bibel gelesen wurde oder wie sich der alte Mohammed vor 1400 Jahren die Zeit vertrieben hat.

Chrr, de Islam!


Bürgermeister zu Tode gesteinigt, kriminelle Clans auf dem Vormarsch, religiöse Fanatiker überschwemmen uns mit ihrer Brut – da kann es angesichts der Religionszugehörigkeit der Täter nur eine logische Konsequenz geben: Das Neue Testament mitsamt dem Kult um diesen Unruhestifter Jesus muß verboten werden und straffällige Christen gehören ausgewiesen. Sonst macht mir der Sarrazin gar keinen Spaß mehr.

Read his lips


Und wem der Name Hannes Stein wider Erwarten nichts sagen sollte, dem seien die folgenden Worte von jemand anderem, der es nun wirklich wissen muß, ans Herz gelegt:

The face of terror is not the true faith of Islam.  That’s not what Islam is all about.  Islam is peace.  These terrorists don’t represent peace.  They represent evil and war.


Im Nirgendwo habe ich zufällig den Verweis auf einen wie eine Präzisionsbombe treffenden Artikel von Hannes Stein gefunden, den ich aus Zeitgründen bisher leider übersehen hatte, der aber zweifellos zur Pflichtlektüre der seit Tagen tobenden Lieblingsdiskussion der Deutschen gehören sollte. Da er einige der Punkte anspricht, die ich Skeptikern gegenüber auch immer wieder gebetsmühlenartig wiederhole, seien hier die schönsten Stellen noch einmal zitiert (ich hoffe Hannes wird mir vergeben, aber er spricht mir einfach zu sehr aus der Seele, so ich denn eine haben sollte):

Dass die arabischen Gesellschaften in einem grauenhaften Zustand sind – näheres darüber im „Arab Human Development Report“ von 2002 –, daran ist, glaube ich, der Islam eigentlich nur am Rande schuld. Viel verheerender ist der Umstand, dass die Staaten im Nahen Osten seit Menschengedenken von Diktatoren beherrscht werden (Diktaturen verblöden die ihnen Unterworfenen bekanntlich ungemein), ferner gibt es im Nahen Osten, wie wir von Gunnar Heinsohn gelernt haben, einen „youth bulge“: einen Überschuss an jungen, sexuell frustrierten Männern, die dann auch noch ökonomisch alimentiert werden, sei´s durch Petrodollars (Saudi-Arabien), sei´s durch die liebe gute Uno (Gazastreifen).

[…] Ich fresse eine Moschee samt Minarettverbot, wenn die Mitglieder der türkischen und libanesischen Jugendbanden, die Neukölln unsicher machen, je auch nur eine Seite im Koran gelesen haben. Wahrscheinlich handelt es sich bei denen um strukturelle Analphabeten, die dazu gar nicht in der Lage wären. Das Problem mit den Muslimen ist, kurz gesagt, das Ergebnis eines außer Rand und Band geratenen Sozialstaates, der exakt jenes Elend zementiert, das er abschaffen möchte – allerdings betrifft das eben nicht nur die jungen Türken und Araber, von denen 40 Prozent keinen Schulabschluss schaffen.

[…] Ich war schon 1992 dafür, dass die Nato die eine oder andere Bombe auf Belgrad schmeißt, um die bosnischen Muslime vor dem Genozid zu retten, und wollte 1995, als Europa das Massaker von Srebrenica geschehen ließ, im Grunde nichts mehr mit der Alten Welt zu tun haben. In diesem Punkt bin ich zufällig immer noch meiner Meinung. Und ich halte den Genossen Wladimir Putin, der 20 Prozent der muslimischen Tschetschenen ausrotten ließ, für einen Verbrecher; ich wünsche ihm genauso den Tod wie Osama Bin Laden und Machmud Achmadingsbumsda in Teheran.

[…] Ich war – das ist kein Geheimnis – für den Afghanistankrieg. Ich war für den Irakkrieg. Je ne regrette rien. Und ich fürchte (wie mein Kollege Richard Herzinger), dass Amerika seine Soldaten viel zu früh aus dem Irak abgezogen hat. Ich habe Angst, dass der Westen Afghanistan im Stich lassen wird und dass sich dann die Pforten der Hölle öffnen, die bekanntlich in Pakistan liegt. Ich glaube, dass nur noch ein Militärschlag die „Islamische Republik Iran“ davon abhalten kann, dass sie die Mittel zum Massenmord in ihre blutverschmierten Finger bekommt, und bin sehr froh, dass die Israelis schon mal üben.

Aber ich möchte hier auf etwas anderes aufmerksam machen: Wer allen Ernstes glaubt, dass der Islam an und für sich der Feind sind – wer denkt, dass 1,6 Milliarden Muslime auf keinen Fall, nach keinem denkbaren Szenario, in die liberale Moderne integriert werden können –, der hätte nach dem 11. September etwas ganz anderes befürworten müssen als den Einmarsch in Afghanistan (also die Befreiung der muslimischen Afghanen vom Talibanregime) und den Irakkrieg (die Befreiung der muslimischen Araber und Kurden im Irak von Saddam Hussein).

Wer diesen Text nicht gelesen hat, sollte zum Thema „Sarrazin und die Sarazenen“ jedenfalls besser schweigen. Das einzige, was man an diesem „Glaubensbekenntnis“ kritisieren kann, ist, daß es dort keine Kommentarfunktion gibt, bei der man es unterschreiben kann. Was ich hiermit getan habe.


Die Kanzlerin distanziert sich von Thilo Sarrazin, räumt aber Defizite in der Integrationspolitik ein. Darüber müsse ohne Tabus und ohne einen Verdacht von Fremdenfeindlichkeit diskutiert werden – beispielsweise über die erhöhte Gewaltbereitschaft strenggläubiger muslimischer Jugendlicher.

Vielleicht sollte sie aber auch mal überlegen, über die erhöhte Gewaltbereitschaft jugendlicher Schulschwänzer, die nicht mal den Hauptschulabschluß schaffen, zu diskutieren. Oder über die erhöhte Gewaltbereitschaft Jugendlicher aus sozial schwachen Familien, deren Eltern seit Jahren arbeitslos sind. Oder über die erhöhte Gewaltbereitschaft Jugendlicher, die von ihren Eltern mißhandelt wurden. Oder über die erhöhte Gewaltbereitschaft Jugendlicher, deren kriminelle Freunde dickere Autos fahren als die nichtkriminellen Freunde. Oder über die erhöhte Gewaltbereitschaft Jugendlicher, die auch nach der zehnten Gewalttat noch keine ernsthaften Konsequenzen zu spüren bekommen haben. Oder einfach auch nur mal über die erhöhte Gewaltbereitschaft Jugendlicher, die ausschließlich Hosen tragen statt Röcke.

Vielleicht würde sich nach all diesen Diskussionen herausstellen, daß am Ende viel zu wenige strenggläubige muslimische Jugendliche übrig bleiben, über die es sich dann noch groß zu diskutieren lohnt. Und dann könnte man bezüglich der anderen Diskussionspunkte endlich mal handeln, anstatt immer nur drüber zu reden.


Sakine Mohammadi Aschtiani ist in Iran wegen Ehebruchs zum Tod durch Steinigung verurteilt. Nun soll sie zudem ausgepeitscht werden, weil die britische „Times“ ein Foto von ihr veröffentlicht hat, das sie unverhüllt zeigt. Das Problem: Auf dem Bild ist eine andere Frau zu sehen.

Da wird eine Frau nicht nur für etwas, daß kein Verbrechen ist, zum Tode verurteilt, und das auch noch auf eine besonders unmenschliche Weise, sie wird dann auch noch für etwas, das selbst wenn es zuträfe, nicht mal ein Vergehen wäre, zusätzlich zu brutalster Folter verurteilt, bevor man sie anschließend endgültig zu Tode quälen wird, und trotzdem sitzt der iranische Botschafter am Tag danach immer noch genauso fröhlich in Berlin wie seine EU-Kollegen in Teheran.

Machen wir uns nichts vor: Den Mullahs geht es bei diesem – juristisch ohnehin unhaltbaren – Fall ausschließlich darum, der eigenen Opposition wie auch der Weltöffentlichkeit zu zeigen, daß man erstens uneingeschränkten Zugriff auf die eigene Bevölkerung hat, daß man zweitens dem als Geisel genommenen eigenen Volk gegenüber zu jeder vorstellbaren wie unvorstellbaren Grausamkeit bereit ist, und daß drittens niemand diese Willkür zu verhindern in der Lage oder auch nur bereit ist.

Es wird höchste Zeit, sie in allen drei Punkten zu widerlegen. Denn wenn der Westen dieses Regime nicht stoppt, obwohl er es hätte tun können, wenn er es nur wirklich wollte, dann wird er in nicht allzu ferner Zukunft einen Preis dafür bezahlen müssen. Es wäre jedenfalls nicht das erste Mal, daß jemand, der meinte, die Probleme der Menschen in fernen Ländern würden ihn nichts angehen, wenig später vor den Trümmern der eigenen Existenz stand.