Revolte gegen Gaddafi eskaliert zum Bürgerkrieg

Ja wie? Eskalation? Bürgerkrieg? Ohne einen vorherigen Einmarsch der Amerikaner? Das hat gar nicht zwingend etwas miteinander zu tun? Sollte das am Ende gar bedeuten, dass religiöse Differenzen, ethnische Spannungen und Clanrivalitäten gar nicht durch westliche Interventionen hervorgerufen werden, sondern durch religiöse Differenzen, ethnische Spannungen und Clanrivalitäten?

Upps, dann müssen die Opferzahlen des Irakkriegs nach der Lancet-Pleite aber wohl noch ein weiteres Mal drastisch nach unten korrigiert werden, denn ohne die Opfer des Milizenterrors durch die miteinander verfeindeten ethnischen und religiösen Gruppen bleibt nicht mehr allzu viel für die Amerikaner übrig, was man ihnen wegen ihres Kampfes gegen den Ba’ath-Faschismus bei allem bösen Willen noch halbwegs schlüssig zurechnen könnte.

Außer natürlich man vertritt die seit dem Fallen der arabischen Dominosteine nicht nur faktisch, sondern endlich auch politisch zunehmend unkorrekte Position, dass die USA mit dem Sturz von Saddam Hussein die Büchse der Pandora geöffnet hätten, weil der vorher mit harter Hand für Ruhe und Ordnung gesorgt habe, und dass das in irgendeiner Weise etwas positives gewesen sei (also sozusagen Massengräber mit Autobahnanschluss).

Dann allerdings sollte man jetzt auch nicht wegen eines angesichts von Völkermördern der Saddam-Klasse vergleichsweise harmlosen Clowns wie Gaddafi anfangen zu weinen. Denn selbst wenn der wollte, könnte er sich ohne den Zugriff auf Atomwaffen (die er ja auch nicht einfach so aufgegeben hat) nicht mal annähernd in jene Regionen morden, in denen Saddam Husseins Herrschaft vielen, die sich heute zu Wort melden, noch schützenswert schien.

Womit die Irakkriegsgegner aus der Libyendiskussion dann mal raus wären. Denn wie man sieht, argumentieren sie entweder skrupellos oder dumm. Wobei die Erfahrung zeigt, dass sie es natürlich problemlos schaffen werden, beides bei Bedarf miteinander zu verbinden.