Zehntausende sind auf der Flucht, die Proteste gehen weiter – doch der libysche Despot Gaddafi will nicht weichen.

Gell, da schaut‘s! Aber der Bruder Oberst ist eben keiner, der der sich von einer Handvoll unbewaffneter Demonstranten und einem Anruf aus Paris oder Washington ins Bockshorn jagen lässt. Das tun antiwestliche Diktatoren ohnehin seltener als ihre prowestlichen Amtskollegen, und ein Gaddafi schon mal gar nicht. Der ist ein Mann der Tat, und wenn er verkündet, in jenen Stiefeln zu sterben, in denen er gerade durch ein Meer aus Blut und Öl watet, dann ist ihm das auch zuzutrauen.

Die Opposition erwägt laut US-Zeitungsberichten nun, den Westen um ein militärisches Eingreifen zu bitten. Die Nato-Partner allerdings zweifeln noch.

Klar, ist ja auch eine unüberschaubare militärische Herausforderung. Die NATO ist schließlich nur die stärkste Militärallianz der Geschichte, Libyen mit seinen 6 Millionen, zu großen Teilen ihren Unterdrücker hassenden Einwohnern hingegen die Kombination aus Goldener Horde, Mordor und dem Dunklen Imperium in einem. Da darf man nichts überstürzen.

Washington/Tripolis – Der internationale Druck auf Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi nimmt stetig zu. Wegen des brutalen Vorgehens gegen Regierungsgegner wurde Libyen am Dienstagabend offiziell aus dem Uno-Menschenrechtsrat in Genf ausgeschlossen. Nie zuvor ist die Weltorganisation in dieser Form gegen ein aktives Mitglied vorgegangen.

Das macht es nicht besser. Zumal einige dieser aktiven Mitglieder um einiges mehr Dreck am Stecken hatten. Denn bei allem was man Gaddafi vorwerfen kann – und das ist nicht wenig – Völkermord gehört (noch?) nicht dazu. Da hat die „Völkergemeinschaft“ (ach, ich liebe dieses Wort einfach, man kann es so schön sarkastisch aussprechen) mit ihren entspannungsgeübten Friedensachsen und pseudokritischen Dialogpartnern schon ganz andere Gestalten unbehelligt gelassen, wenn nicht sogar die schützende Hand über sie gehalten.

Die Regierung von US-Präsident Barack Obama erwägt, ob sie die diplomatischen Beziehungen zu Libyen offiziell abbrechen soll, sagte ein ranghoher Regierungsmitarbeiter dem US-Nachrichtensender CNN in der Nacht zum Mittwoch. Die EU und die Uno haben bereits weitreichende Sanktionen verhängt, vor allem gegen den Gaddafi-Clan. Doch der gibt sich davon bisher unbeeindruckt.

Und das völlig zu Recht. Er muss ja denken, dass im Rest der Welt nur Verrückte regieren, wenn die allen Ernstes glauben, dass jemand, der die Hälfte seiner mehr als 40-jährigen Herrschaft unter Sanktionen aller Art verbracht hat, gerade jetzt, wo es um seinen Kopf geht, sich wegen der Verlängerung um ein paar weitere Jährchen ins Hemd macht. Solange er eine reelle Chance sieht, davonzukommen, wird er weiterkämpfen, und da man ihm auch sonst alles durchgehen lässt, wäre er schön blöd, das anders zu handhaben.

Machen wir uns also nichts vor: Man wird ihn schon holen müssen.