Das realpolitische Stabilitätsgeschwätz von Egon Bahr gestern abend bei Anne Will war so ernüchternd, ja nachgerade deprimierend, dass ich schon nach ein paar Tagen wieder gar keine Lust zum Bloggen mehr habe, weil es irgendwie so sinnlos scheint gegen eine veröffentlichte Meinung anzuschreiben, bei der Leute wie dieser sozialdemokratische Dinosaurier der Despotenhätschelei immer wieder irgendwo einem Millionenpublikum als „Experte“ präsentiert werden.

Da ist es dann kein Wunder, wenn die Mehrheit der Leute am Ende tatsächlich glaubt, die Revolte in der arabischen Welt wäre vom Himmel gefallen und der Irakkrieg ein ganz anderes Thema, das nichts mit den aktuellen Ereignissen zu tun hätte. Und das alles nur, weil man im öffentlich-rechtlichen Fernsehen lieber ausgemusterte deutsche Diktatorenversteher einlädt als irakische Demokraten, damit George W. Bush am Ende ja nicht besser dasteht als unser Friedenskanzler.

Zum Glück kam dann – gewissermaßen als Entschädigung – heute doch noch ein Motivationsschub von ganz unerwarter Seite, nämlich aus dem SPIEGEL:

Bei ARD und ZDF findet sich leider kein einziger Beitrag über die finsteren Seiten des ägyptischen Regimes, das jetzt ins Wanken gerät. Und was heißt überhaupt Diktator? Hieß der Mann nicht eben noch, von „taz“ bis „Süddeutsche“, respektvoll „Präsident Mubarak“? Na gut, auch im Journalismus setzt die Erkenntnis manchmal verspätet ein, dafür dann umso heftiger.

Nun wird also eine wertegeleitete Außenpolitik gefordert, die weltweit entschlossen für die Menschenrechte eintritt. Das klingt gut, wer will etwas dagegen haben? Eigenartig nur, dass die selben Leute, die jetzt so vehement mehr Idealismus einfordern, gerade eben noch die USA für ihre Abkehr von den Prinzipien der Realpolitik gescholten haben.

Es war, so schmerzlich dies auch für den einen oder anderen sein mag, der verhasste George W. Bush, der an die Demokratisierung der islamischen Welt glaubte und sich dafür den Hohn und Spott der gesammelten Linken einhandelte.

Ohne auch nur einen Muslim näher zu kennen, wussten alle gleich, warum sich das Modell westlicher Demokratien nicht auf eine rückständige Gesellschaft wie den Irak übertragen lasse und der neokonservative Glaube an den universalen Drang nach Freiheit und Fortschritt naiver Unsinn sei.

Das versöhnt dann doch etwas.