Schön, wie sich jetzt auf einmal alle darüber freuen, wenn arabische Potentaten stürzen. Und wo Journalisten fast täglich neue Gipfel der Heuchelei erklimmen, darf die hohe Politik natürlich nicht abseits stehen, wie uns stellvertretend CDU-Außenpolitiker Ruprecht Polenz eindrucksvoll demonstriert:

„Wir brauchen eine Strategie, die Freiheit und Rechtsstaatlichkeit fördert.“

In Tunesien könne nun etwas entstehen, „was Demokratie und Rechtsstaatlichkeit wesentlich näher kommt als alles andere, was wir bisher in der arabischen Welt gesehen haben“, sagte der CDU-Politiker.

Da hat er nur Glück, dass dieses geheimnisvolle, unbekannte Land namens Irak, in dem wie durch ein Wunder seit einigen Jahren die Regierung nicht nur in freien Wahlen bestimmt, sondern sogar abgewählt werden kann, nicht auch zur arabischen Welt gehört. Sonst hätte er am Ende womöglich noch unrecht.

„Wir hatten uns ja daran gewöhnt, notgedrungen auf die autoritären arabischen Regime zu setzen, weil wir in ihnen Bollwerke gegen das islamistische Chaos sahen.“ Inzwischen glaube er aber, „dass es eher umgekehrt ist, dass die autoritären Regierungen wie eine Art Treibhaus für Islamismus wirken“, sagte Polenz.

Wenn man seine holprige Zusammenfassung der Nationalen Sicherheitsstrategie von 2002 so hört, könnte man fast vergessen, wie unsere Staatenlenker für dieselben Erkenntnisse, die sie jetzt nach Jahren offenbar aus heiterem Himmel wie der Blitz beim Pressegespräch treffen, Bush wegen seiner Vision einer demokratischen arabisch-islamischen Welt als naiv-gefährlichen Traumtänzer kritisiert haben; wie sie die Zusammenarbeit mit weit schlimmeren Tyranneien als dem noch vergleichsweise harmlosen tunesischen Regime parteiübergreifend als nicht nur wirtschaftlich nützlich, sondern auch der nationalen Sicherheit zuträglich schöngeredet haben; und wie sie in schon mehr als peinlicher Anbiederung die Ankunft des Erlösers Obama erwartet haben, der endlich die gewohnte realpolitische Stabilität durch Anerkennung des verbrieften Rechts der Autokraten auf ungestörte Unterdrückung ihrer eigenen Völker wiederherzustellen versprach.

Wie gesagt, fast könnte man es vergessen. Aber eben nur fast…