Archive for Dezember, 2010



Es soll eine Schießübung von nie dagewesener Größe werden: […] Zum Einsatz kommen Kampfjets, Hubschrauber und Anti-Panzer-Raketen – in unmittelbarer Nähe zur Grenze Nordkoreas.

Na, das muß ja der Kracher sein, ist die südkoreanische Armee doch nicht gerade die kleinste. Da dürfte im Vergleich dann ja wohl selbst Reforger 88 blass aussehen.

[…] An der Übung mit scharfer Munition sollen sich 800 Soldaten, sechs Kampfjets sowie Hubschrauber und Panzer beteiligen.

In Bataillonsstärke? Mit einer halben Fliegerstaffel? DAS gilt als Übung der Superlative? Aber gut, für eine knackige Schlagzeile reicht’s dem SPIEGEL offenbar. Und nur darum geht es ja.

Böser Baschir!


Sudans Präsident Umar al-Baschir wird wegen Völkermordes gesucht – nun wird ihm nach WikiLeaks-Informationen auch noch vorgeworfen, neun Milliarden Dollar unterschlagen zu haben.

Schon lustig: Kaum gerät WikiLeaks ob des zunehmend manische Züge annehmenden Privatkriegs ihres Chefs gegen die USA ein wenig unter Druck, fällt ihnen auf, dass es auch außerhalb des Weißen Hauses noch Schurken gibt, und sie kommen auf einmal tatsächlich mit Informationen über Despoten und Tyrannen rüber.

Ok, natürlich nichts richtig knackiges wie die Live-Videos amerikanischer Hubschrauberpiloten (wäre ja auch ein wenig unappetitlich, zu zeigen, wie die Dschandschawid gerade Zivilisten massakrieren, gerade weil sie wissen, dass ihre Opfer unbewaffnet sind), aber das sind ja ohnehin Peanuts, die von den Medien nur hochgespielt werden.

Dafür erfahren wir jetzt erstaunliches, was wir uns ohne Julians „Informationsportal“ nie hätten vorstellen können: Diktatoren sind doch tatsächlich korrupt und veruntreuen Geld! Im Sudan herrschen gewissermaßen italienische Verhältnisse, und al-Baschir spielt jetzt in einer Liga mit Berlusconi. Mindestens.

Womit die Vorwürfe der Einseitigkeit gegenüber WikiLeaks für die Öffentlichkeit wohl erst mal widerlegt sein dürften.

Super, Julian, ganz toll…


Einzelzelle, Laptopverbot, graue Sträflingskleidung: Nach seiner Festnahme kämpft WikiLeaks-Gründer Assange mit der rauen britischen Gefängnisrealität. Immerhin: Das Internetverbot für den Australier wird wohl gelockert werden – der 39-Jährige soll Zugang zu einem Computer erhalten.

Gerüchten zufolge sollen im Rahmen der Gefängnisreform zudem inhaftierte Diebe in Zukunft mit Einbruchswerkzeug ausgestattet werden, Mörder mit Hieb- und Stichwaffen sowie Spione mit einer abhörsicheren Leitung in eine Botschaft ihrer Wahl. Aber gut, vielleicht nutzt Assange ja die Gelegenheit und distanziert sich nicht nur unmißverständlich von den DDOS-Attacken der selbsternannten WikiLeaks-Rächer, sondern ruft sie auch auf, diesen Unsinn sofort zu beenden.

Sonst ist das Internet nämlich ganz schnell nicht mehr für alle da, sondern nur noch für jene, die einen millionenstarken Cybermob zusammentrommeln können, um Kraft eigener Arroganz den Zugriff auf mißliebige Websites zu verhindern. Wenn aber dank der Anhänger des Assange-Kults jetzt auch außerhalb von Staaten wie China und dem Iran weltweit Zensur geübt werden kann, wird ihr Idol ganz sicher nicht als Held in die Annalen des Internet eingehen. Sondern als sein Totengräber.


Erst stoppten Visa und Mastercard Zahlungen an WikiLeaks – jetzt veröffentlicht die Enthüllungsplattform Material über die Firmen. Einer Depesche zufolge drängten die Konzerne die US-Botschaft in Moskau, Lobbyarbeit gegen ein ungeliebtes Gesetz zu machen. Die Kreditkartenfirmen wollen sich dazu nicht äußern.

Einerseits kann man in gewisser Weise verstehen, wenn WikiLeaks sich jetzt gegen die Zahlungssperre von Visa und Mastercard wehrt (zumindest sofern man auch vorher Verständnis für die US-Regierung hatte, daß sie sich gegen den Geheimnisverrat durch WikiLeaks wehrt), andererseits erbringen die Datenklausöldner damit selber den Beweis für die Richtigkeit des Vorwurfs, dass es ihnen eben nicht darum geht, alle geheimen Informationen unabhängig vom Ansehen der Person und möglichen eigenen Präferenzen ans Tageslicht zu zerren, sondern dass sie eine spezielle Agenda haben, nach der die zugespielten Informationen ganz bewußt zur Veröffentlichung selektiert und bei Bedarf auch gerne für „besondere Aufgaben“ zurückgehalten werden.

Und zu glauben, dass dann nicht auch mal was komplett unter den Tisch fallen könnte, ist wohl noch naiver als Julian Assange für einen selbstlosen Gutmenschen zu halten. Außer natürlich man geht davon aus, dass bei Wikileaks noch gigabyteweise Material über Schurkenstaaten schlummert, das nur als Rückversicherung für den Fall einer iranischen Fatwa oder eines nordkoreanischen Killerkommandos eingelagert wurde.


Hizballah Prepares Detention Centers for 5,000 Opponents

Scheint im Libanon offenbar keine geeigneten Fussballstadien zu geben. Sonst würden sich unsere Medien, Intellektuellen und Aktivisten sicher ganz doll darüber empören. Aber wenn die Oppositionellen bloß ganz dezentral verschleppt werden sollen, gibt’s für echte Fans des politischen Strassenfussballs natürlich keinen Grund sich aufzuregen. Denn selbst wenn sich unter den potentiellen Opfern auch Kommunisten und Sozialisten befinden sollten, spielt das keine Rolle, solange sich nur die Täter antiwestlich genug gebärden.

Wunschzettel, oben links


Falls jemand noch nicht weiß, was er mir zu Weihnachten schenken soll, nun, ich hätte da eine Idee


Russland schlägt wieder härtere Töne gegenüber dem Westen an. Erst hat Präsident Dmitrij Medwedew in seiner Rede zur Lage der Nation am Dienstag vor einem „neuen Wettrüsten“ gewarnt.

Muss man verstehen. Immerhin hatte Obama fast durchgedrückt, dass die USA ohne nennenswerte Gegenleistung auf das Niveau ihres halb so großen und vielfach ärmeren Möchtegernkonkurrenten abrüsten, damit der Putinator sich wieder etwas wichtiger fühlen kann. Die jetzige Entwicklung gefällt seinem Sesselwärmer natürlich überhaupt nicht.

Dann erregten Berichte Aufsehen, denen zufolge Russland taktische Atomwaffen heimlich an seinen Westgrenzen postiert haben soll.

Russland? Andere Länder bedrohen? An der Westgrenze aufrüsten? Und das ganze auch noch heimlich? So eine Überraschung aber auch…

Und nun das: Ministerpräsident Wladimir Putin sagt in einem Interview mit CNN, Russland behalte sich die Stationierung technologisch neuartiger Atomwaffen vor.

Neuartige Atomwaffen? Machen die jetzt nicht mehr „Bumm!“, sondern nur noch „Blitz!“? Sozusagen die erste Atombombe, die auch deutschen Lärmschutzvorschriften gerecht wird? Schon toll, was sich die Wunderwaffenbranche immer so alles ausdenkt, wenn’s bei Despotens gerade mal wieder nicht so rund läuft.

Es ist Säbelrasseln wie zu besten Sowjetzeiten.

Genau. Und man sollte sich mal erinnern, wie das das letzte Mal, als die USA viel schwächer und ihr Gegner viel stärker war, ausgegangen ist. Schade nur, dass man Ronald Reagen dazu nicht mehr befragen kann, der könnte das Geheimnis sicher aufklären.


Auch wenn man sich zu Recht über die mehr als fragwürdige Vorgehensweise von WikiLeaks ärgert, so sollte dabei jedoch das durchaus interessante Ergebnis der Enthüllungen nicht vergessen werden. Denn dieses bestätigt im wesentlichen die seit Jahr und Tag – teilweise schon fast gebetsmühlenartig – wiederholten Warnungen der Kritiker der weichen Welle gegenüber der Achse des Bösen und ihren Helfershelfern und zeigt, dass die Diplomaten der zweiten Reihe nicht immer so dumm sind wie die in der ersten Reihe daherreden müssen:

Das außenpolitische Personal Deutschlands nur begrenzt einsatzbereit, Europas Führung eine Ansammlung von lächerlichen Witzfiguren, Russland eine Demokratur von Putins Gnaden, die Türkei auf dem Weg auf die dunkle Seite der Macht, Pakistan ein Musterbeispiel für die Schattenseiten der Realpolitik, und der Iran nicht nur aus neokonservativer Sicht eine Bedrohung, die selbst die Araber zwingt, auf einen Militärschlag Israels zu hoffen, weil der Präsident der Schutzmacht Amerika sich nicht zum Jagen tragen lassen will – realistischer kann man es kaum einschätzen.

Womit mal wieder bewiesen wäre, daß auch aus bösen Taten noch gutes erwachsen kann. Natürlich bleibt Assange danach immer noch ein egomanischer Idiot (ein Idiot ist ja laut Wiki – pedia, nicht leaks – „ein Mensch, der Privates nicht von Öffentlichem trennt“, was wohl selten so zutraf wie in seinem Fall). Aber immerhin hat er es wenigstens zum nützlichen Exemplar seiner Zunft gebracht. Die meisten seiner Fans schaffen nicht mal das. Oder anders ausgedrückt: Er mag ein Unsympath sein, aber gewissermaßen ist er jetzt auch unser Unsympath.


Interpol ruft zur Fahndung nach Julian Assange auf: Die Polizeiorganisation hat eine „Red Notice“ gegen den WikiLeaks-Gründer erlassen. Demnach soll weltweit nach ihm gesucht werden – wegen der in Schweden erhobenen Vergewaltigungsvorwürfe.

[…] Der Australier hatte die Vorwürfe stets bestritten und von einer Schmutzkampagne gegen ihn und WikiLeaks gesprochen. Er ist seit längerer Zeit untergetaucht, sein Aufenthaltsort ist unbekannt.

Dann sollte er sich den Behörden stellen und die Vorwürfe entkräften statt einen auf Dr. Kimble zu machen. Wenn er’s nicht war, hat er ja nichts zu befürchten. Mehr Sorgen sollte er sich hingegen wegen seines Datendiebstahls machen. Denn da dürfte er tatsächlich verdammt schlechte Karten haben, die Vorwürfe zu widerlegen, ist doch digitale Inkontinenz kombiniert mit dem Abfluß jeglicher Logik und Ausgewogenheit durch das WikiLeak im Kopf seine eigentliche Geschäftsidee.

[…] Zuletzt erwog er, sich in der Schweiz niederzulassen und dort politisches Asyl zu beantragen. Die Schweiz sei neben Island das einzige westliche Land, in dem sich WikiLeaks sicher fühle, sagte er Anfang November im Schweizer Fernsehen.

Dass er sich da mal nicht täuscht. Denn kriminelle Ausländer werden dort seit neustem ratzfatz in die Heimat zurückgeschickt. Womit die Ausschaffungsinitiative wenigstens etwas gutes hätte, da sich die australische Regierung sicher freuen wird, den kleinen Julian am Flughafen wieder in Empfang nehmen zu dürfen, um anschließend mit dem amerikanischen Botschafter in aller Ruhe die Formalitäten des unweigerlich folgenden Auslieferungsgesuches zu klären.

Mitarbeiter der Plattform fühlten sich wegen der Protokolle über die Kriege im Irak und in Afghanistan vom US-Verteidigungsministerium bedroht, erklärte der Internetaktivist mehrmals.

Klar, in der Schweiz oder Island wäre er vor den Todesschwadronen der CIA natürlich sicher, denn wenn die US-Killerkommandos vor was Respekt haben, dann sind es sicherlich Geissen und Geysire. Schon klasse, wenn jemand, der permanent Verschwörungsscheisse absondert, sich so offensichtlich weigert, selber reinzutreten.

[…] Wenn Clinton für die von WikiLeaks aufgedeckten Spionageanweisungen verantwortlich sei, müsse sie dafür auch die Verantwortung übernehmen, sagte Assange am Dienstag.

Diplomaten, die für ihr Land Informationen weitergeben? Am Ende gar Spione in Botschaftsgebäuden? So was gibt es doch nur im James Bond-Film, in der Wirklichkeit wäre das schließlich verwerflich. Die Russen oder Iraner machen so was ja auch nicht (täten sie es, hätte WikiLeaks das sicher schon mit dem selben Engagement aufgedeckt).

„Damit hätten die USA gegen internationale Vereinbarungen verstoßen. Sie sollte zurücktreten.“

Im Ernst, wenn die Vereinigten Staaten von Amerika sich als einziges Land der Erde daran halten würden, müßte Hillary tatsächlich zurücktreten, und zwar wegen erwiesener Unfähigkeit. Dass unser Möchtegern-Datenzorro es gerade mit dieser Begründung trotzdem fordert, beweist zusammen mit der fast schon obsessiven Konzentration auf die USA, worum es seiner virtuellen Räuberbande wirklich geht, nämlich um blanken Antiamerikanismus. Und darauf kann es nur eine Antwort geben: WikiLeckt mich am Assange!