Ich kann mir nicht helfen, aber irgendwie erschließt es sich mir nicht so recht, wie WikiLeaks-Boss Julian Assange, dessen Arbeit offenkundig unter dem Motto steht, dass jeder alles über andere erfahren sollte (ups, falsches Foto, aber der Unterschied ist jetzt nicht so groß, und der Spruch passt ohnehin perfekt), es zum Idol einer Generation von Bloggern und Journalisten bringen konnte, die sich ansonsten bei Begriffen wie Online-Durchsuchung oder Vorratsdatenspeicherung 24 Stunden am Tag vor Angst ins Hemd machen.

Zugegeben, das kann natürlich auch daran liegen, dass hier nur ein paar lächerliche internationale Krisen riskiert werden, um verabscheuungswürdige Kapitalverbrechen wie abfällige Bemerkungen über ausländische Politiker durch vertrauenswürdige Privatleute ans Tageslicht zerren zu lassen, während bei von dubiosen Richtern genehmigten staatlichen Eingriffen immerhin die Privatsphäre harmloser Eierdiebe verletzt wird, bloß um Bagatelldelikte wie die Vergewaltigung kleiner Kinder oder die Planung von Terroranschlägen aufzuklären.

Aber gut, vielleicht muss man das ganze ja auch einfach vom Unterhaltungswert her betrachten. Alleine die Vorstellung, dass ein Bediensteter der hiesigen US-Botschaft die seiner Ansicht nach schlecht gefärbten Haare früherer deutscher Bundeskanzler megapeinlich gefunden haben könnte, und dies jetzt raus käme, ohne dass man ihn dafür vor Gericht zerren könnte, entschädigt wenigstens ein klein wenig dafür, dass dieser unsympathische WikiLeaks-Schnösel niemals die Frau von John McClane kennenlernen wird.