US-Präsident Obama hat das Regime in Pjöngjang lange vernachlässigt, andere Probleme schienen dringlicher. Nordkorea will durch die jüngste Provokation womöglich erreichen, wieder Ernst genommen zu werden.

Ach so, Kim Jong Il will nur ein wenig mehr Aufmerksamkeit und Zuneigung? Dann ist’s ja halb so schlimm. Wäre nur schön, wenn der SPIEGEL bei US-Präsidenten genauso verständnisvoll wäre wie bei dahergelaufenen Tyrannen. Denn Bush wollte ja vielleicht auch bloß, daß die Vereinigten Staaten wieder ernst genommen werden, und der Irakkrieg war am Ende nur ein verzweifelter Hilferuf angesichts eines global grassierenden Antiamerikanismus.

Erschreckend ist, wie wenig die USA über das stalinistische Land wissen.

Noch erschreckender ist allerdings, wie wenig Gregor Peter Schmitz über das stalinistische Land und seine internationalen Verflechtungen sowie ganz allgemein über das Funktionieren von Diktaturen weiß. Die Wahrscheinlichkeit, dass Nordkorea die Krise nur künstlich inszeniert, um den iranischen Spießgesellen angesichts des Flottenaufmarschs im Mittleren Osten etwas Entlastung zu bringen und die USA dort von etwaigen Abenteuern abzuhalten, ist jedenfalls mindestens genauso groß, wie dass der geliebte Führer gerade nur ein wenig „ronery“ ist.