Der SPIEGEL macht sich in seiner aktuellen Ausgabe mal wieder Sorgen:

Irak – Die Pentagon-Protokolle

Über 100.000 Tote und immer noch kein Frieden

War es das wert?

Das läßt sich ganz einfach herausfinden. Schauen wir uns doch einfach mal die Alternativszenarios zum Sturz des Ba’ath-Regimes an:

Variante 1 – Business as usual

Nach zusätzlichen 7 Jahren Sanktionen, während denen Saddam Hussein seiner Bevölkerung weiterhin vorsätzlich die nötigen Hilfsgüter vorenthielt, weil ihm die unvorteilhaften Bilder von hungernden Menschen als vorteilhaft für seine eigenen Pläne erschienen, starben alleine zwischen 2003 und 2009 mindestens 500.000 Iraker (nach Angaben der Sanktionsgegner sogar mehr als 1 Million), darunter hauptsächlich Kinder, an Hunger und Krankheiten. Der SPIEGEL titelt am 25.10.2010 vor Begeisterung darüber, daß 2003 der Irakkrieg vermieden werden konnte:

Irak – Die Rotkreuz-Protokolle

Über 500.000 Tote und immer noch Frieden

Das war es wert!

Wie? Die Sanktionen hätte es gar nicht so lange gegeben? Stimmt, sie standen ja bereits 2003 kurz vor dem Zusammenbruch:

Variante 2 – Leben und morden lassen

Die zur Durchsetzung der Sanktionen in immer kürzeren Abständen notwendigen alliierten Luftoffensiven forderten zwar kaum nennenswerte Opfer unter der irakischen Zivilbevölkerung, jedoch gingen den USA nach Desert Wolf 2003, Desert Rat im Frühjahr 2004 und Desert Jackal im Herbst desselben Jahres nicht nur allmählich die Tiernamen aus, sondern auch die notwendige internationale Unterstützung verloren, weil die französische Ölindustrie einen 100-Mrd-Dollar-Deal mit dem Irak in der Tasche hatte. Mit dem offiziellen Ende des Sanktionsregimes der Vereinten Nationen widmete sich Saddam Hussein wieder verstärkt seinen Untertanen, vor allem jenen in den jetzt nicht mehr unter dem Schutz einer Flugverbotszone stehenden abtrünnigen kurdischen und schiitischen Gebieten. Der SPIEGEL titelt am 25.10.2010 vor lauter Freude über den 2003 vermiedenen Irakkrieg:

Irak – Die amnesty-Protokolle

Über 200.000 Tote und immer noch kein richtiger Krieg

Das war es wert!

Aber das Best Case-Szenario können wir eigentlich auch beiseite lassen, denn ein Saddam Hussein hat nicht nur depressive Phasen, sondern an guten Tagen – also meistens – weit größere Pläne:

Variante 3 – Frieden ist, was der SPIEGEL so nennt

Nach Ende der UNO-Sanktionen und der gleichberechtigten Rückkehr in die Völkergemeinschaft im Jahre 2004 nahm der Irak seine Programme zur Entwicklung von Massenvernichtungswaffen an der Stelle wieder auf, wo er sie zwischenzeitlich hatte stoppen müssen. Während der Aufbau eines Arsenals an Chemiewaffen mit Hilfe Syriens recht schnell voranging, zog sich das mit nordkoreanischer Unterstützung vorangetriebene Atomwaffenprogramm etwas in die Länge. Nach dem ersten Atomwaffentest 2008 fühlte Saddam Hussein sich jedoch stark genug, um endlich die Ernte seiner mehrjährigen Wiederaufrüstung einzufahren und – diesmal geschützt von einem Atomschirm – offene Rechnungen zu begleichen. Ging der Anschluß von Kuweit als 19. Provinz des Irak 2009 noch ohne militärische Gegenwehr vonstatten, zeigt sich das Mullahregime trotz der militärischen Überlegenheit des Irak uneinsichtig und kapitulierte trotz monatelanger erbitterter Kämpfe erst im Oktober 2010 nach dem Atomschlag, der die heilige Stadt Ghom auslöschte und alleine für rund ein Viertel der Kriegstoten verantwortlich war. Der SPIEGEL kriegt sich ob des 2003 vermiedenen Irakkriegs trotzdem nicht ein und titelt am 25.10.2010:

Irak – Die Sicherheitsrat-Protokolle

Über 1.000.000 Tote und immer noch kein Krieg mit amerikanischer Beteiligung

Das war es wert!

Und genau deswegen war die SPIEGEL-Ausgabe 43/10 den Kauf auch nicht wert.