Die Bundesregierung hat zugegeben, dass bei Operationen der deutschen Sondereinheit Task Force 47 in Afghanistan gezielt Bomben abgeworfen wurden.

Bomben? Abgeworfen? Aus dem Flugzeug? Im Krieg? Die traut sich aber was, unsere Regierung. Wo doch jeder weiß, daß die rot-grüne Bundesregierung zur Befreiung des Kosovo nur diesen riesigen Wattebausch nach Belgrad rollen mußte, um Milosevic in die Knie zu zwingen.

„In zwei Fällen haben die beteiligten Luftfahrzeuge dabei auch Wirkmittel gegen Ziele am Boden eingesetzt“, schreibt die Bundesregierung in einer Antwort vom 8. September auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion der Grünen, die der taz vorliegt.

Also wenn es hier ein Verbrechen gibt, das rechtfertigen würde, unsere Volksvertreter mit einer kleinen Anfrage von der Arbeit abzuhalten, dann ja wohl höchstens die Formulierung der hier gegebenen Antwort. Wirkmittel! Hallo!? Da will jemand unsere Soldaten bzw. die unserer Verbündeten töten, und wenn der Einsatz von Sprengstoff aller Farben und Formen dabei hilfreich ist, sie daran zu hindern, dann sollte man das verdammt noch mal nicht mit pseudoneutralen Formulierungen schönreden, und zwar gerade auch wegen der Außenwirkung. Potentiellen Gegnern sollte schon sprachlich eindeutig klargemacht werden, daß sie, wenn sie das stärkste Militärbündnis der Welt angreifen, als Antwort nicht mit „Wirkmitteln“ rechnen müssen, sondern das es dann gehörig rumst. Und zwar aus Prinzip, nicht nur wenn sie gerade mal einen Tanklaster geklaut haben.

Zudem räumt sie ein, dass afghanische Sicherheitskräfte „im Rahmen von Operationen, bei deren Durchführung sie von der Task Force 47 unterstützt wurden, über 50 Personen zumindest vorübergehend in Gewahrsam genommen“ haben.

Vorübergehend in Gewahrsam? Das wäre schon bei einer ganzen Reihe von Gewalttätern, die hierzulande unbehelligt von Wiederholungstat zu Wiederholungstat ziehen, viel zu wenig, aber daß dies jetzt bereits im Krieg gegen eine fundamentalistische Steinzeitmiliz extra erwähnt werden muß, läßt Böses für den weiteren Kampfverlauf ahnen.

Weiter schreibt die Bundesregierung, US-Spezialkräften würden Zielpersonen bekannt gegeben, die anschließend „unter Einsatz tödlich wirkender Gewalt“ verfolgt werden. Es sei „nicht auszuschließen, dass Erkenntnisse der Bundeswehr bei Operationen gegen Zielpersonen in Afghanistan, die nicht unter der Isaf-Kommandostruktur durchgeführt werden, herangezogen werden“.

Kriegführung unter Einsatz tödlich wirkender Gewalt? Die traut sich aber was, unsere Reg… – ach, das hatten wir ja schon.

An direkten „Capture or Kill“-Operationen („fangen oder töten“) der US-Spezialkräfte sei die Bundeswehr jedoch nicht beteiligt gewesen, heißt es. „Weder an der Vorbereitung noch an der Planung noch an der Durchführung von national durch die USA geführten Operationen“, wie die Bundesregierung betont. Dies liege daran, dass eine Zusammenarbeit der Spezialkräfte der USA im Süden und der Bundeswehr im Norden Afghanistans nicht stattfinde.

Das heißt soviel wie, daß wenn eine afghanische Frau in Zukunft ein halbwegs freies und unbeschwertes Leben führen kann, weil das sadistische Arschloch, daß sie ursprünglich daran zu hindern gedachte, rechtzeitig zur Hölle geschickt wurde, dies nicht das Verdienst unserer Regierung ist. Gut zu wissen, und sei es nur für den Fall, daß sich in ein paar Jahren irgend so ein liberaler Möchtegernaußenminister für die Befreiung Afghanistans feiern läßt.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele sagte, die Bundeswehr beteilige sich „wissentlich an gezielten Tötungen“. Dies sei „ein Verstoß gegen Grundgesetz, Völkerrecht und die Menschenrechtskonvention“, so Ströbele.

Also wenn jemand dem Ströbele erklärt, daß in einem Krieg tatsächlich Menschen umkommen, und daß das kein Zufall ist, sondern dort oft sogar leider Sinn der Sache ist, dann wird vermutlich wieder eine Welt für ihn zusammenbrechen. So wie damals, als die bösen alliierten Bomber schon sein eigenes schönes Heimatland in Schutt und Asche gelegt haben. Weswegen er ihnen das wohl auch nicht mehr vergeben kann.

Die deutsche Sondereinheit Task Force 47 war im Sommer in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt, als die Internet-Plattform Wikileaks mehrere Zehntausend Geheimdokumente über den Afghanistaneinsatz veröffentlicht hat. Die Sondereinheit besteht aus rund 120 Soldaten, die Terroristen verfolgen sollen. Dies tun sie in der Regel, ohne der üblichen Kommandokette zu unterliegen. Unklar ist, inwiefern die Task Force 47 mit US-amerikanischen Sondereinheiten zusammenarbeitet. Im Gegensatz zu den Aussagen der Bundesregierung halten Experten eine Zusammenarbeit für denkbar.

Das wollen wir doch schwer hoffen. Immerhin retten sie so die Ehre der Bundeswehr, der im Kampf für das, was wir heutzutage Zivilisation nennen, von einer Allparteienkoalition in Berlin die Hände ansonsten fachgerecht zusammengebunden werden. Solch eine Zusammenarbeit sollte also nicht nur denkbar, sondern die Politik sollte für sie geradezu dankbar sein. Nicht daß Merkel und Gabriel, wenn sie dereinst von der Geschichte zu ihrer damaligen Position im Kampf gegen die Barbarei befragt werden, keine befriedigende Antwort wissen.