Im Nirgendwo habe ich zufällig den Verweis auf einen wie eine Präzisionsbombe treffenden Artikel von Hannes Stein gefunden, den ich aus Zeitgründen bisher leider übersehen hatte, der aber zweifellos zur Pflichtlektüre der seit Tagen tobenden Lieblingsdiskussion der Deutschen gehören sollte. Da er einige der Punkte anspricht, die ich Skeptikern gegenüber auch immer wieder gebetsmühlenartig wiederhole, seien hier die schönsten Stellen noch einmal zitiert (ich hoffe Hannes wird mir vergeben, aber er spricht mir einfach zu sehr aus der Seele, so ich denn eine haben sollte):

Dass die arabischen Gesellschaften in einem grauenhaften Zustand sind – näheres darüber im „Arab Human Development Report“ von 2002 –, daran ist, glaube ich, der Islam eigentlich nur am Rande schuld. Viel verheerender ist der Umstand, dass die Staaten im Nahen Osten seit Menschengedenken von Diktatoren beherrscht werden (Diktaturen verblöden die ihnen Unterworfenen bekanntlich ungemein), ferner gibt es im Nahen Osten, wie wir von Gunnar Heinsohn gelernt haben, einen „youth bulge“: einen Überschuss an jungen, sexuell frustrierten Männern, die dann auch noch ökonomisch alimentiert werden, sei´s durch Petrodollars (Saudi-Arabien), sei´s durch die liebe gute Uno (Gazastreifen).

[…] Ich fresse eine Moschee samt Minarettverbot, wenn die Mitglieder der türkischen und libanesischen Jugendbanden, die Neukölln unsicher machen, je auch nur eine Seite im Koran gelesen haben. Wahrscheinlich handelt es sich bei denen um strukturelle Analphabeten, die dazu gar nicht in der Lage wären. Das Problem mit den Muslimen ist, kurz gesagt, das Ergebnis eines außer Rand und Band geratenen Sozialstaates, der exakt jenes Elend zementiert, das er abschaffen möchte – allerdings betrifft das eben nicht nur die jungen Türken und Araber, von denen 40 Prozent keinen Schulabschluss schaffen.

[…] Ich war schon 1992 dafür, dass die Nato die eine oder andere Bombe auf Belgrad schmeißt, um die bosnischen Muslime vor dem Genozid zu retten, und wollte 1995, als Europa das Massaker von Srebrenica geschehen ließ, im Grunde nichts mehr mit der Alten Welt zu tun haben. In diesem Punkt bin ich zufällig immer noch meiner Meinung. Und ich halte den Genossen Wladimir Putin, der 20 Prozent der muslimischen Tschetschenen ausrotten ließ, für einen Verbrecher; ich wünsche ihm genauso den Tod wie Osama Bin Laden und Machmud Achmadingsbumsda in Teheran.

[…] Ich war – das ist kein Geheimnis – für den Afghanistankrieg. Ich war für den Irakkrieg. Je ne regrette rien. Und ich fürchte (wie mein Kollege Richard Herzinger), dass Amerika seine Soldaten viel zu früh aus dem Irak abgezogen hat. Ich habe Angst, dass der Westen Afghanistan im Stich lassen wird und dass sich dann die Pforten der Hölle öffnen, die bekanntlich in Pakistan liegt. Ich glaube, dass nur noch ein Militärschlag die „Islamische Republik Iran“ davon abhalten kann, dass sie die Mittel zum Massenmord in ihre blutverschmierten Finger bekommt, und bin sehr froh, dass die Israelis schon mal üben.

Aber ich möchte hier auf etwas anderes aufmerksam machen: Wer allen Ernstes glaubt, dass der Islam an und für sich der Feind sind – wer denkt, dass 1,6 Milliarden Muslime auf keinen Fall, nach keinem denkbaren Szenario, in die liberale Moderne integriert werden können –, der hätte nach dem 11. September etwas ganz anderes befürworten müssen als den Einmarsch in Afghanistan (also die Befreiung der muslimischen Afghanen vom Talibanregime) und den Irakkrieg (die Befreiung der muslimischen Araber und Kurden im Irak von Saddam Hussein).

Wer diesen Text nicht gelesen hat, sollte zum Thema „Sarrazin und die Sarazenen“ jedenfalls besser schweigen. Das einzige, was man an diesem „Glaubensbekenntnis“ kritisieren kann, ist, daß es dort keine Kommentarfunktion gibt, bei der man es unterschreiben kann. Was ich hiermit getan habe.