Sakine Mohammadi Aschtiani ist in Iran wegen Ehebruchs zum Tod durch Steinigung verurteilt. Nun soll sie zudem ausgepeitscht werden, weil die britische „Times“ ein Foto von ihr veröffentlicht hat, das sie unverhüllt zeigt. Das Problem: Auf dem Bild ist eine andere Frau zu sehen.

Da wird eine Frau nicht nur für etwas, daß kein Verbrechen ist, zum Tode verurteilt, und das auch noch auf eine besonders unmenschliche Weise, sie wird dann auch noch für etwas, das selbst wenn es zuträfe, nicht mal ein Vergehen wäre, zusätzlich zu brutalster Folter verurteilt, bevor man sie anschließend endgültig zu Tode quälen wird, und trotzdem sitzt der iranische Botschafter am Tag danach immer noch genauso fröhlich in Berlin wie seine EU-Kollegen in Teheran.

Machen wir uns nichts vor: Den Mullahs geht es bei diesem – juristisch ohnehin unhaltbaren – Fall ausschließlich darum, der eigenen Opposition wie auch der Weltöffentlichkeit zu zeigen, daß man erstens uneingeschränkten Zugriff auf die eigene Bevölkerung hat, daß man zweitens dem als Geisel genommenen eigenen Volk gegenüber zu jeder vorstellbaren wie unvorstellbaren Grausamkeit bereit ist, und daß drittens niemand diese Willkür zu verhindern in der Lage oder auch nur bereit ist.

Es wird höchste Zeit, sie in allen drei Punkten zu widerlegen. Denn wenn der Westen dieses Regime nicht stoppt, obwohl er es hätte tun können, wenn er es nur wirklich wollte, dann wird er in nicht allzu ferner Zukunft einen Preis dafür bezahlen müssen. Es wäre jedenfalls nicht das erste Mal, daß jemand, der meinte, die Probleme der Menschen in fernen Ländern würden ihn nichts angehen, wenig später vor den Trümmern der eigenen Existenz stand.