Über 4400 tote US-Soldaten und mehr als eine Billion Dollar Kriegskosten: Mit dieser Bilanz hat Barack Obama den Kampfeinsatz im Irak offiziell für beendet erklärt. Wichtigste Aufgabe sei es nun, die heimische Wirtschaft anzukurbeln, kündigte der Präsident in seiner Rede an die Nation an.

Das hätte er wohl gerne. Abzug aus dem Irak und alles wird gut. Dumm nur, daß die Fakten dem entgegenstehen. Denn so wie es aussieht, wurden hier zunächst mal die Kosten anderer militärischer Operationen einfach dem Irakkrieg zugerechnet. Wäre Obama der Grundrechenarten mächtig, hätte er hingegen auf Seite 15 des Berichts seiner eigenen für die Ermittlung der Zahlen zuständigen Behörde, des Congressional Budget Office, nachlesen können, daß die Kosten bei $709 Mrd. lagen, was natürlich zugegeben nicht so knackig klingt wie „mehr als eine Billion“.

Somit betrugen die Kriegskosten nur ca. 3,2% der Bundesausgaben, und die direkten negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft sind alleine schon deswegen zweifelhaft, weil der Krieg allen Unterstellungen neoliberaler Umtriebe auch unter Bush ja nur auf Pump finanziert wurde (wobei er selbst zur Neuverschuldung nur etwa ein Siebtel beiträgt und sogar nur ein Zwölftel der Gesamtverschuldung des Bundes ausmacht), so daß die Folgen daher sowieso erst in der Zukunft spürbar werden, wenn es darum geht, das Geld wieder zurückzuzahlen.

Rein wirtschaftlich betrachtet wäre der Irakkrieg also eher eine – wenn auch wie immer bei Rüstungsausgaben nur begrenzt effiziente – Konjunkturspritze gewesen. Und gemessen an dem selbst nach Ansicht des SPIEGEL mehr als fragwürdigen Konjunkturprogramm, mit dem Obama die heimische Wirtschaft gleich nach seinem Amtsamtritt beglückte, war der Irakkrieg geradezu ein Schnäppchen, denn wo Bush noch 6 Jahre Krieg brauchte, um das Geld loszuwerden, verpulverte sein Nachfolger denselben Betrag bereits in zwei Jahren Frieden.

Spätestens jetzt kommt der Einwand, daß Obama hier vielleicht ein bißchen gemogelt hat, aber an der Zahl der amerikanischen Opfer dafür nicht zu rütteln ist (gerettete Iraker zählen bei Leuten, die solche Einwände bringen, ja bekanntlich nichts), und Blut nun mal viel wichtiger ist als Geld. Doch dumm gelaufen, denn wenn es tatsächlich darum ginge, könnte Obama anders weit mehr Menschenleben retten. Der verlustreichste Krieg findet nämlich nicht in den Straßen von Baghdad statt, sondern auf denen von New York und Los Angeles, und zwar ohne daß ein Schuß fällt.

Im selben Zeitraum, in welchem mehr als 4.000 GIs im Irak fielen, starben nämlich zuhause schätzungsweise zwischen 250.000 und 300.000 amerikanische Zivilisten. Oder um es etwas deutlicher zu machen: In jeder Woche sterben mehr Amerikaner im Straßenverkehr als in einem Jahr Krieg im Irak. Im Jahre 2003 waren es mit fast 43.000 alleine fast zehnmal soviele wie im gesamten Irakkrieg, und daß die Zahl bis 2008 auf etwas über 37.000 gefallen ist, hat bereits mehr gebracht als dies durch den Verzicht auf den Sturz Saddam Husseins zu erreichen gewesen wäre.

Die Opfer dieses Krieges finden vielleicht weniger mediale Aufmerksamkeit als tote Soldaten, aber sie sind nicht nur genauso tot, sie sind es zudem auch noch völlig sinnlos, da niemandem dadurch geholfen ist, wenn man durch die Windschutzscheibe fliegt. Und nachdem ungefähr die Hälfte der getöteten Unfallopfer nicht angeschnallt war, würde alleine eine Durchsetzung der Gurtpflicht mehr Amerikanern das Leben retten als der Abzug aus dem Irak. Aber das klingt im Wahlkampf natürlich nicht so cool. Und nur darum geht es.

(Hat tip: S1IG)