Um Israel mit der Aussicht auf einen nuklear bewaffneten Iran zu versöhnen, liegen mal wieder ein paar Ideen auf dem Tisch, die zur Abwechslung zwar grundsätzlich bedenkenswert, allerdings im speziellen Fall der durchgeknallten Armageddon-Jünger, die seit mehr als dreißig Jahren im Großraum Teheran ungestört ihr Unwesen treiben, kaum zielführend sind. Zumindest hat der Autor dieser Vorschläge, ein ob seiner Einschätzungen einschlägig bekannter ehemaliger CIA-Bediensteter namens Bruce Riedel, das Hauptproblem des Umgangs mit Gestalten vom Schlage eines Achmadinedschad auch nach Jahren offenbar immer noch nicht ansatzweise erfaßt, was natürlich daran liegen kann, daß die Schurken, die sich die CIA von Zeit zu Zeit zu kaufen pflegt, anders als fundamentalistische Apokalyptiker irdischen Genüssen wie dem nackten Überleben durchaus zugänglich sind:

1. The US must spread a nuclear umbrella over Israel that would entail the installation of American nuclear depots in Israel to show Tehran that a nuclear attack on the Jewish state would meet with a US nuclear response.

Schöner Plan. Er funktioniert nur nicht, wenn der Gegner einen nuklearen Gegenschlag gar nicht als das Ende seiner Macht sieht, sondern im Gegenteil als Beginn einer besseren Welt unter der väterlichen Führung des in einem eindrucksvollen Atomblitz heranrauschenden Mahdi. Und darauf zu bauen, daß das alles nur Geschwätz ist, wäre selbst für einen casinogestählten Geheimagenten verdammt hoch gepokert. Denn schon bei einer nur 20-prozentigen Wahrscheinlichkeit, daß die Anhänger dieses irrwitzigen Doomsday-Kultes das ernst meinen – und wohl kaum jemand würde Haus und Hof darauf verwetten, daß die Chance auch nur unter 50% liegt – wären die Aussichten, seinen Fehler noch bereuen zu können, geringer als beim russischen Roulette, was eigentlich selbst unseren Aushilfs-James-Bond davor zurückschrecken lassen sollte, sich den Atomrevolver an die Schläfe zu halten.

2.  American nuclear submarines would be supplied to the Israeli Navy as the backbone of its nuclear counter-strike. There are two categories – ballistic missile submarines and attack submarines.

Auch hier zu kurz gedacht. Schicke Atom-U-Boote schaffen zwar schöne Arbeitsplätze in amerikanischen Werften und lassen Obamas Wirtschaftsbilanz vielleicht etwas weniger kläglich erscheinen, aber wenn die Rückkehr des Mahdi deswegen von ein paar Atomblitzen zusätzlich bloß etwas heller beleuchtet wird, nützt das den Toten in Tel Aviv wie Teheran nur wenig. Merke: Nur weil das Begrüßungsfeuerwerk etwas umfangreicher geliefert wurde als bestellt, wird das kaum ausreichen, um denjenigen, der seit Jahren ausschließlich darauf hinarbeitet, es endlich mal ausrichten zu dürfen, davon abzuschrecken, die Lunte auch anzuzünden.

3. The Israeli Air Force would receive US F-22 Raptor stealth jets, the most sophisticated warplane in the skies today. They would be equipped with all the systems and ordnance needed to strike the Iranian nuclear program.

Das ist nett (genauer betrachtet wäre es sogar eine Selbstverständlichkeit, die schon längst in die Tat hätte umgesetzt werden müssen), dient aber im wesentlichen der Aufrechterhaltung der militärischen Überlegenheit gegenüber den konventionellen Bedrohungen aus der arabischen Welt. Der zweite Satz zeigt denn auch deutlich, wie wenig durchdacht das ganze in diesem Zusammenhang ist. Denn die F-22 (die im übrigen ein Jagdflugzeug ist und angesichts ihrer vergleichsweise geringen internen Waffenzuladung ohnehin nur begrenzt als strategischer Stealth-Bomber taugt, aber gut, Riedel war ja bei der CIA und nicht beim Militär, wie soll er das wissen) zu liefern, um einen Angriff auf den Iran zu verhindern, und das dann damit zu begründen, daß die F-22 einen solchen Angriff umso besser führen könnte, ist nicht wirklich schlüssig, und es wird nicht besser dadurch, daß der Angriff auf einen bereits nuklear bewaffneten Iran gar nicht mehr geführt werden müßte, weil dann die Abschreckung ja offenbar funktioniert hätte.

4. The US would arrange for Israel’s full membership of NATO, so rendering an Iranian nuclear attack on Israel subject not just to US retaliation but a declaration of war by the 26-member alliance.

Dieser Schritt ist zwar schon lange überfällig, und sei es nur, um den palästinensischen Revanchisten um Hamas & Co. ein für allemal klar zu machen, daß sie den Krieg endgültig verloren haben und Israel so lange bestehen bleiben wird, wie es einen Westen gibt, aber seien wir mal realistisch: Spätestens nach der erbärmlichen Vorstellung der NATO im Zusammenhang mit der Gaza-Flotille, als ihre Mitglieder Israel ohne Not schmählich im Stich gelassen haben, wenn sie sich nicht sogar gleich direkt an den terroristischen Aktionen gegen ihren Bündnispartner in spe beteiligt haben; aber auch angesichts ihrer bisherigen Geschichte, wo die NATO sogar militärischen Aktionen ihrer Mitglieder untereinander tatenlos zugesehen hat, kann man kaum erwarten, daß Israel sich darauf verlassen wird, daß dieselben Staaten, die schon vor ein paar leichtbewaffneten Talibankriegern den Schwanz einziehen, gleichzeitig Soldaten schicken, um einen verhaßten Staat, den man in der UNO gerade noch verurteilt hat, in einem heißen Krieg zu retten. Von der bis ins Lächerliche absurden Vorstellung, daß die europäischen Appeasementpolitiker bei einem nuklearen Schlagabtausch Berlin, Madrid, Paris oder Ankara opfern würden um das bereits zerstörte Tel Aviv zu rächen, mal ganz zu schweigen.

Riedels ganze Mühe ist aber nicht nur wegen ihre Inhalts vergeblich, sie ist es vor allem wegen dem, was er nicht geschrieben hat. Denn den einzigen Punkt, der Israel, den Iranern und der Welt vielleicht wirklich hätte helfen können, weil er sich der Ursache des Problems – und das ist nun mal nicht die Atombombe, sondern das Terrorregime, daß über sie gebietet – annimmt, ohne daß ein Schuß fallen muß, den hat er dann zu allem Überfluß vergessen. Macht aber nix, man hilft doch gerne:

5. Stürzt das Mullahregime, mit allen Mitteln, die dazu nötig sind, beginnend mit einer klaren und offenen Unterstützung der iranischen Oppositionsbewegung durch die gesamte westliche Welt (oder zumindest jene Staaten, die einen Militärschlag vermeiden wollen), sprich das volle Programm von finanzieller Unterstützung bis hin zur diplomatischen Anerkennung, und das ganze bei einem gleichzeitigem totalen Wirtschaftsembargo des Iran auf alles und jedes außer Lebensmittel und Medikamente, kombiniert mit schmerzhaften Strafzöllen auf die Importe aus allen Ländern, die dieses Embargo nicht vorbehaltlos und nachvollziehbar unterstützen.

Und damit es da hinterher keine Ausreden gibt: Wer weniger fordert als das, der fordert Krieg.