Die nicht nur von der Linkspartei zu den zukünftigen Herrschern Afghanistans auserkorenen Taliban haben erneut demonstriert, was sie unter nationalem Befreiungskampf und kultureller Selbstbestimmung verstehen und wie sie zu regieren gedenken, wenn die westlichen Exitstrategen ihnen erst mal offiziell das Zepter übergeben haben:

Eine grausame Strafaktion der Taliban zeigt, wie wenig Einfluss Bundeswehr und lokale Polizei rund um Kunduz nur noch haben. Die Aufständischen haben in aller Öffentlichkeit ein junges Paar wegen „unsittlichen Verhaltens“ gesteinigt. Tatort: ein Marktplatz nur eine Stunde vom deutschen Camp entfernt.

Wohlgemerkt eine Autostunde, und da führt keine 6-spurige Autobahn hin, sondern der Ort liegt sozusagen in Sichtweite gleich hinterm nächsten Berg. Die Flugzeit einer für solche Fälle in Reserve gehaltenen Luftlandeeinheit bemäße sich also eher in Minuten. Nur gibt es eine solche in Kunduz nicht, und selbst wenn es sie gäbe, fehlen nicht nur die Hubschrauber, um die Fallschirmjäger überhaupt zum Einsatz zu fliegen, sondern vor allem auch der politische Wille, die Soldaten vor Ort ihren Job machen zu lassen, statt ihnen genau dafür auch noch mit der Bundesanwaltschaft zu drohen. Weswegen auch all die schönen Drohnen, Jagdbomber und sogar die mit so viel medialem Tamtam nach Kunduz verfrachteten Panzerhaubitzen ziemlich nutzlos sind. Wer nicht schießen darf, kann halt auch nicht viel treffen.

[…] Rund hundert Taliban waren mit Motorrädern und ihren umgehängten Waffen in das Dorf gekommen. Sie brachten zwei Gefangene mit: den 28-jährigen Abdul Qayom und die 20-jährige Sedeqa.

Hundert, und zwar auf einmal. Einfach so, aus dem Nichts, am Ende vielleicht sogar in einer großen Staubwolke über die Ebene. Aber gut, selbst wenn sich dieses Verbrechen tatsächlich nicht hätte verhindern lassen, sollte sich angesichts der militärischen Überlegenheit der NATO eigentlich sicherstellen lassen, daß zumindest hinterher nicht allzuviele der Täter noch groß mit ihrer Tat prahlen können. Das allerdings ist zugegeben natürlich insofern naiv, als die Vorstellung, wie Angela Merkel zur nächsten Kabinettssitzung mit dem „Find them and kill them!“-Stempel in der Hand erscheint, fast so absurd wirkt, wie daß Guido Westerwelle sich unter dem Ausruf „Jetzt reicht’s, Ihr bösen Taliban!“ breitbeinig vor die Kameras stellt und eine Verdoppelung des Bundeswehrkontingents in Afghanistan durch zusätzliche Kampftruppen bis spätestens zum nächsten FDP-Parteitag fordert.

[…] Die Berichte aus Kunduz erinnern an die Zeit vor der von den USA angeführten Invasion in Afghanistan. Nun, neun Jahre später, etablieren sich vielerorts die gleichen Herrschaftssysteme der Taliban wie damals. Mit rücksichtsloser Gewalt wollen sie die Bevölkerung einschüchtern. Erst kürzlich peitschten Taliban in Badghis eine schwangere Witwe wegen Ehebruchs erst öffentlich aus und erschossen sie dann.

Was zeigt, daß der Muslimhass unter der Linken genauso weit verbreitet ist wie unter der Rechten, sonst wäre die Linkspartei und ihre Mitläufer nicht so mitleidlos, wenn Muslime auf derart bestialische Weise zu Tode gequält werden. Aber immerhin wissen wir jetzt, was unser lieber Oskar in Sachen Frauenrechte so alles zu akzeptieren bereit ist, wenn es gilt den sozialistischen Frieden zu retten. Frau Wagenknecht sollte jedenfalls gewarnt sein, bevor sie unter ihrer Burka irgendwann mal versehentlich dem Bartsch zulächelt.

Für die Taliban sind die Rituale ein simples Mittel zur Ausweitung ihres Einflusses. Sie wissen genau, dass sich die Berichte über Steinigungen, Auspeitschungen, Mord und Totschlag schnell herumsprechen. Ganz ähnlich haben sie nach dem Rückzug der Sowjets ihre Herrschaft aufgebaut.

Und zum Schluß ein Satz, der nicht nur aufgrund seiner grundsätzlichen Bedeutung für die Abzugsdiskussion rot angestrichen gehört, sondern vor allem dafür, daß er sich im SPIEGEL findet, wo seit Jahren für die Flucht von wo auch immer getrommelt wird; auch bzw. gerade weil seine Leser ihn nicht verstehen werden:

Nun, da auch die westlichen Armeen ihren Abzug angekündigt haben, weiten sie ihr Schreckensregime aufs Neue aus.

Oder um Henryk M. Broders beliebtes Bonmot mal etwas drastischer zu formulieren: Wenn es Kultur ist, daß jemand andere Leute wegen ihres Liebeslebens steinigt, dann ist es Zivilisation, wenn man ihn dafür dahin zurückbombt, wo er herkommt. Nämlich in die Steinzeit.