Da läßt sich jemand feiern, weil er unerlaubt Daten veröffentlicht. Das ist zwar eigentlich nicht nett, aber erstens gilt Datenschutz nicht für jeden, und zweitens veröffentlicht er ohnehin nicht alles. Es reicht schließlich seit Jahren völlig, wenn man westliche Demokratien anprangert, um in jenen erlauchten Kreis der Aktivisten mit Rebellenstatus erhoben zu werden, in welchem sich illustre Namen wie beispielsweise „amnesty international“ und „attac“ bereits befinden. Und für ein wohlwollendes SPIEGEL-Interview reicht das völlig:

Es gibt ein allgemeines Gefühl, dass es besser wäre, den Krieg zu beenden.

Stimmt, die Taliban hätten das sicher gerne. Dann können sie endlich wieder ohne Gegenwehr weitermassakrieren. Und die Abwesenheit von militärischem Widerstand ist ja bereits Frieden. Weswegen Friedhöfe auch so heißen.

Diese Dateien allein werden das nicht schaffen, aber sie werden den politischen Willen beeinflussen.

Ok, vielleicht nicht gerade den der Taliban, aber die haben eh kein Internet. Sonst würden sie auf große Denker wie Assange sicher hören.

[…] Echte Reformen kann es nur geben, wenn ungerechte Handlungen entlarvt werden.

Man erinnere sich nur an damals, als WikiLeaks die Barbarei der Taliban gegenüber der afghanischen Bevölkerung in die Öffentlichkeit gezerrt hat und Mullah Omar von schlechtem Gewissen getrieben den Rücktritt seines Regimes bekanntgab. Danach herrschte in Afghanistan dann ja bekanntlich das Paradies auf Erden, bis die bösen Amerikaner kamen und die Idylle zerstörten.

Am besten geht man gegen Ungerechtigkeiten dann vor, wenn sie noch gar nicht begangen wurden, wenn es nur den Plan gibt – dann kann man sie noch stoppen.

Klar, denn nichts beeindruckt die Taliban mehr als die Meinung von irgendwelchen selbstverliebten Nerds da draußen im Westen, die denjenigen in den Rücken fallen, die letztlich auch dafür kämpfen, daß die Afghanen eines Tages für den Konsum von Assanges Erkenntnissen nicht mehr gleich hingerichtet oder ausgepeitscht werden.

Die gefährlichsten Männer sind diejenigen, die Krieg führen.

Das sollte man noch mal für die Archive festhalten: Nach der Logik des WikiLeaks-Gründers waren die britischen Politiker, die Deutschland 1939 den Krieg erklärten, gefährlicher als die Organisatoren der „Reichskristallnacht“ 1938. Nur falls es jemals irgendjemand wagen sollte, den Deppenstatus dieses denkbefreiten Vollidioten in Frage zu stellen.

Wir müssen sie stoppen. Wenn mich diese Auffassung in ihren Augen gefährlich macht, dann ist es eben so.

Deswegen muß man ja auch nichts gegen den Talibanterror unternehmen. Das ist ja schließlich kein Krieg, sondern nur ein etwas eigenes kulturelles Lokalkolorit. Und solange die Taliban ihre Steinigungen nicht heimlich auf einem Server speichern, ist das schon aus technischen Gründen nicht Assanges Baustelle.

Wir leben alle nur einmal. Deshalb sollten wir in unserer Zeit etwas Sinnvolles und Befriedigendes anstellen. Das hier ist so etwas für mich. Ich mag es, große Systeme zu entwickeln, und ich genieße es, Menschen zu helfen, die verletzbar sind.

Außer es sind die Millionen von Afghanen, die nach einem Abzug der NATO den Taliban zur freien Verfügung übergeben würden. Aber was haben kleine Mädchen auch in der Schule oder im Krankenhaus zu suchen? Wenn sie derlei Provokationen unterlassen, verletzt sie auch keiner.

Und ich mag es, den Mächtigen in die Suppe zu spucken. Diese Arbeit macht mir wirklich Spaß.

Was ein toller Hecht! Er spuckt den Mächtigen in die Suppe. Was auch daran liegen könnte, daß die Mächtigen ihn nicht nachts abholen und dann in einem Fußballstadion zu Tode quälen lassen. Das machen eher die weniger Mächtigen. Weswegen unser Held die ja auch lieber in Ruhe läßt.