Das Ende der Blockade ist also eine reine Frage der Vernunft. Zumal es Alternativen gibt. Niemand denkt daran, die Grenzen Gazas zu Israel und Ägypten so zu öffnen wie die zwischen Straßburg und Kehl. Die EU hat längst angeboten, sich an effektiven Grenzkontrollen zu beteiligen. Ladungen würden durchleuchtet und durchsucht: Raketen und Granatwerfer bitte beim Zoll abgeben.

Man fragt sich unwillkürlich, an welche Art von Kontrolleuren der Autor beim Schreiben seines Textes gedacht hat. Vielleicht an jene Vollprofis, die heute auf Steuerzahlerkosten Urlaub im Hotel in Ashkelon machen, weil es ihnen in Gaza selbst zu heiß geworden ist? Die Schiffchen, die vor der libanesischen Küste dümpeln, damit die Besatzung wenigstens einen Yachturlaub im Mittelmeer bekommt, wenn sie dort schon keine ernsthaften Kontrollen durchführen darf? Ihre Kollegen an Land, die die Wiederbewaffnung der Hisbollah im Südlibanon schon seit 4 Jahren nicht zu verhindern in der Lage sind? Oder gar deren Kameraden an der Grenze zu Syrien, die nur deswegen nicht von ihren Grenzposten türmen können, weil sie sie erst gar nicht beziehen?

Es wäre jedenfalls interessant zu erfahren, welche Garantien dem verantwortlichen Redakteur so vorschweben, um die israelische Regierung zu überzeugen, daß sich ein Debakel wie die bisherigen EU/UNO-Kontrollen nie mehr wiederholen wird, und diesmal alles, aber auch wirklich alles anders wird. Aber das sind wohl nur Detailfragen, über die sich große Denker keine Gedanken machen müssen. Hauptsache, Bibi unterschreibt die Kapitulationsurkunde, dann wird der ZEIT sicher noch rechtzeitig was einfallen. Und wenn nicht, macht’s auch nix. Die Raketen schlagen ja schließlich nicht im eigenen Verlagshaus ein.