Der US-Präsident bleibt weltweit ein Sympathieträger – doch bei Muslimen scheint Obamas Bonus aufgebraucht. Die Kriege in Irak und Afghanistan sowie der Stillstand im Nahost-Friedensprozess sorgen für Frust, zeigt eine repräsentative Umfrage in 22 Ländern.

Eine interessante Logik, die Befreiung der Muslime im Irak und Afghanistan von ihren Unterdrückern als Grund für Obamas Unpopularität anzugeben, zumal ja nicht er, sondern Bush sie – teilweise gegen Obamas massiven Widerstand! – durchsetzen mußte. Ein genauerer Blick läßt die Sache aber ohnehin in einem ganz anderen Licht erscheinen:

“the new [Pew] poll does show a modest increase over the past year in support for suicide bombing being often or sometimes justifiable, with a rise in Egypt from 15% to 20% and in Jordan from 12% to 20%.”

So betrüblich diese Zahl für die Obama-Fans sein mag, die wohl dachten, mit einer Rede in Kairo und dem Kuschelkurs gegenüber den diversen muslimischen Potentaten würde ihr Herr und Meister nach dem Weltfriedensprinz auch noch zum Kalifen ehrenhalber ernannt, sie wird noch viel betrüblicher, wenn man sich die Entwicklung unter seinem vielgeschmähten Vorgänger ansieht:

During the George W. Bush years, that number had plunged. In 2007, the BBC reported, “In Lebanon, Bangladesh, Jordan, Pakistan and Indonesia, the proportion of Muslims who support suicide bombing has declined by half or more since 2002.”

Diese Entwicklung ist andererseits nicht wirklich überraschend und sollte, wenn man die unterschiedlichen Ansätze mal direkt einander gegenüberstellt, auch für einen SPIEGEL-Redakteur mit etwas Nachdenken nachvollziehbar sein:

[…] Under Bush, American democracy put your oppressive leaders on notice and gave you the hope, if not the actual opportunity, to change your hopeless life. Under Obama, democracy bows to your authoritarian king, extends an open hand to the autocrat who beats you over the head, and welcomes with open arms the dictator who tortured you in jail. Obama’s made the choice a no brainer.

Doch nicht nur finstere, im Dienste der jüdischen Weltverschwörung stehende NeoCons kommen zu derlei erstaunlichen Ergebnissen, auch muslimische Dissidenten, die Obamas Realpolitik ja letztlich auszubaden haben, wollen sich der Interpretation unseres Hamburger Welterklärungsbeauftragten irgendwie nicht so recht anschließen:

[…] To be sure, the methods through which Bush pursued his policies left much to be desired, but his persistent rhetoric and efforts produced results. From 2005 to 2006, 11 contested elections took place in the Middle East: in Iraq, Afghanistan, Palestine, Lebanon, Kuwait, Jordan, Yemen, Egypt and Mauritania. These elections were not perfect, but the advances sparked unprecedented sociopolitical dynamism and unleashed tremendous pent-up desire for democratic choice.

Damit nicht genug, scheinen die Muslime die Kriege, die sie hinterher im SPIEGEL dann wieder furchtbar doof finden werden, vorher mitunter auch noch selbst zu fordern:

In Egypt, 55% respondents supported a military strike on Iran, compared to 16% who objected to it. In Jordan, the figures in favor of an Iran strike are 53-20% respectively. Only in Turkey, more people said they would accept a nuclear Iran that respondents who preferred military action.

Tja, und jetzt fehlen eigentlich nur noch die entsprechenden Zahlen aus der SPIEGEL-Redaktion…