Seit Günter Grass den Mund hält, ist wohl bei wenigen Intellektuellen der geistige Niedergang der denkenden Klasse so schön zu beobachten wie bei dem schwedischen Bestsellerautor Henning Mankell, der, wenn er sich zu Israel äußert, immer ein wenig (oder auch gerne ein wenig mehr) den Eindruck erweckt, zu oft beim Elchtest durchgefallen zu sein:

Mankell erklärt, dass er bis zum Betreten der Lufthansa-Maschine, die ihn vorgestern aus Israel ausflog, nichts von den Vorgängen an Bord der „Marmara“ erfahren hatte und bis heute, wie er sagt „so sehr damit beschäftigt war, mit Journalisten zu reden“, dass er keine Zeit gefunden habe, sich die Videos anzuschauen, auf denen zu sehen ist, wie sich einige Passagiere auf eine gewaltsame Auseinandersetzung vorbereiten und dann auf die israelischen Soldaten brutal mit Eisenstangen und Ketten eindreschen. Dafür weiß der erfahrene Krimi-Autor erstaunlich gut über die Motive der Israelis Bescheid: „Das israelische Militär war darauf aus, Mord zu begehen.“

Weswegen dort, wo die Passagiere nicht versucht haben, möglichst viele Juden totzuschlagen, die Opferzahlen unter den wehrlosen Passagieren bekanntlich ja auch besonders hoch waren. Und Paintball-Waffen haben diese grausamen zionistischen Teufel bestimmt nur eingesetzt, weil es so länger dauert, jemanden damit zu erschießen.

Weniger gut informiert ist Mankell über jene, „zutiefst menschenfreundliche“ Organisation IHH, die hinter der Aktion stand. Gegen sie ermittelte schon kurz nach ihrer Gründung die deutsche Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts, Spendengelder an islamistische Terrorgruppen weiterzuleiten. Nilüfer Narli von der Universität Istanbul hält es für bewiesen, dass die IHH die Hamas finanziert. Und IHH-Sprecher Ümer Faruk Korkmaz sagte breit lächelnd bei einer Pressekonferenz, es sei bei der sogenannten Hilfsaktion für Gaza darum gegangen, „Israel vorzuführen“. Von dieser Zeitung auf diese Fakten angesprochen, antwortet Mankell zuerst unwirsch, die Fragen zeugten von „Aggressivität“.

Interessant. Die Frage nach dem Grund für die widerspruchslose Hinnahme aggressiven Verhaltens ist also selber aggressiv. Angesichts derart krasser logischer Aussetzer fragt man sich im Nachhinein, wie Mankell jemals einen Krimi hinbekommen konnte, der einen Verleger findet oder gar verfilmt wird. Aber wer weiß, am Ende ja vielleicht gerade deswegen.

Dann aber sagt er, wenn sie zuträfen, werde er „sehr sauer“ sein.

Na immerhin. Damit mir aber die Zeit nicht so lang wird, bis unser vielbeschäftigter Interviewgeber jene lächerlichen 42 Sekunden freimachen konnte, um sich die folgenden antisemitischen Haßgesänge seiner friedlichen Mitstreiter anzusehen, bin ich auch erst mal sauer, zumal da ja noch folgende Meldung unwidersprochen im Raum steht:

Drei Tage nach dem israelischen Angriff auf die pro-palästinensische Hilfsflotte denkt Henning Mankell darüber nach, die Übersetzung ins Hebräische einzustellen.

Angesichts der Parole „Verkauft nicht an Juden Israelis Menschen, die zufällig hebräisch sprechen!“ kann es denn auch nur eine Antwort geben: Kauft nicht bei Menschen, die nicht an Juden Israelis Menschen, die zufällig hebräisch sprechen, verkaufen. Und lest nicht ihre Bücher. Und schaut nicht ihre Filme. Und hoffen wir, daß die Juden wenigstens über halb so viel Geld verfügen, wie es ihnen von den Antisemiten unterstellt wird. Dann sind die Menschen, die nicht an Juden Israelis Menschen, die zufällig hebräisch sprechen, verkaufen, wenigstens bald pleite.