Archive for Mai, 2010



Die Idee, Hilfsgüter für Palästina nicht in Absprache mit den zuständigen Behörden über die offiziellen Grenzübergänge zu liefern, sondern lieber in Zusammenarbeit mit islamistischen Extremisten auf dem Seeweg, war offenbar ein Schlag ins Wasser. Den Versuch herauszufinden, ob sich so später einmal unkontrolliert Waffen für die Hamas schmuggeln lassen, haben die israelischen Streitkräfte jedenfalls im Keim erstickt:

Upon boarding the ships, the soldiers encountered fierce resistance from the passengers who were armed with knives, bats and metal pipes.

Obwohl es angesichts eines Lynchmobs, der sie mit Messern angreift, durchaus verständlich und angemessen gewesen wäre, wenn sie in so einer Situation von der Schußwaffe Gebrauch gemacht hätten, haben die Soldaten versucht, genau das zu vermeiden:

The soldiers used non-lethal measures to disperse the crowd.

Aber nicht alle haben es so mit dem Mitdenken, und für den Frieden braucht man bekanntlich immer zwei. Oder um es mit Sean Connery zu sagen: Typisch Friedensaktivisten, kommen mit ’nem Messer zu ’ner Schießerei, die sie dann auch noch selber angezettelt haben. Denn die Zurückhaltung der Kommandoeinheit interpretierten die Top Brainer der anwesenden Israelhasser offenbar als Schwäche, die es auszunutzen gilt:

The activists, according to an IDF report, succeeded in stealing two handguns from soldiers and opened fire, leading to an escalation in violence.

Auf die Idee, militärischen Elitetruppen während eines Einsatzes die Waffen zu entreißen, um dann damit auf sie zu schießen, muß man jedenfalls erst mal kommen. Sollte man aber besser nicht. Sonst gibt’s hinterher bei der abschließenden Bewertung des daraus zwangsläufig resultierenden Gefechts möglicherweise eine bittere Überraschung.


Es ist eine undankbare Aufgabe. Obama hat die Ölpest nach der Explosion der BP-Bohrinsel „Deepwater Horizon“ vor 48 Tagen nicht zu verantworten, und es gibt wenig, was er und sein Team nun wirklich dagegen tun können, allen unsinnigen Erwartungen zum Trotz.

Und das ist eben der Unterschied. George W. Bush hatte den Wirbelsturm Katrina damals nämlich nicht nur höchstpersönlich ausgelöst, als er auf den großen roten Knopf der in der Area 51 aufgebauten geheimen CIA-Windmaschine drückte, er hätte auch hinterher viel mehr gegen die Folgen tun können, weil die USA zu jener Zeit noch nicht aus 50 relativ unabhängigen Bundesstaaten bestanden, sondern nur aus einem einzigen riesigen, direkt der Willkür des Präsidenten zur persönlichen Verfügung unterstellten Fürstentum, mit dem Bush bis in die Niederungen der Kommunalpolitik jederzeit nach Gutdünken hätte durchregieren können, wenn er es nur wirklich gewollt hätte.

Wo Bushs Umgang mit der Umweltkatastrophe also noch von hinterhältiger Bosheit oder zumindest grober Unfähigkeit geprägt war, hat Obama schlicht und einfach nur ein bißchen Pech mit den widrigen Umständen. Zudem war Bush ja auch ein Versager, Obama hingegen nur die Reinkarnation von Superman. Da sollte man an ihn auch nicht so hohe Erwartungen stellen wie an seinen Vorgänger.


Die Schiffe der bislang größten „Solidaritätsflotte“ werden in den Küstengewässern vor dem Gazastreifen erwartet. Die Aktivisten wollen Hilfsgüter in das weitgehend von der Außenwelt abgeriegelte Palästinensergebiet bringen. Den Organisatoren geht es dabei vor allem um Provokation gegen Israel.

[…] Zur Unterbringung jener rund 800 Menschen aus den verschiedensten Ländern, die sich an Bord der Friedensflotte befinden, sei bereits ein Internierungslager in Planung. Dann werde das Innenministerium die Rückführung der Aktivisten in ihre Heimatländer veranlassen – darunter auch der schwedische Krimiautor Henning Mankell und die Bundestagsabgeordnete der Linkspartei, Annette Groth.

Sehr praktisch. Mußte man früher noch rufen „Geht doch nach drüben!“, wenn mal wieder irgendein Idiot das Honeckerregime schönredete, machen sich die Trottel heutzutage sogar freiwillig auf den Weg, um endlich auch mal die harte Hand starker Männer spüren zu dürfen.

Herr Mankell darf dort bestimmt in eine Verhörzentrale der Hamas reinschnuppern, um den zionistischen Kollaborateuren auch noch schnell eine reinzuhauen, bevor sie hingerichtet werden, und Frau Groth kann sich beim Abfeuern der Kassamraketen vom benachbarten Schulhof aus sicher als menschlicher Schutzschild gegen israelisches „counter battery fire“ nützlich machen.

Wenn Mankell dann noch brav seinen iPod mit der zersetzenden ABBA-Musik abliefert und Groth nicht vergißt, sich politisch korrekt die Burka überzustülpen, gibt’s beim Bummel über den Basar sicher auch keinen Ärger mit den Sittenwächtern von der Religionspolizei.

Deshalb, liebe Israelis, laßt sie ruhig rein nach Gaza. Die Hamas darf sie gerne behalten, und zwar je länger, desto besser. Da lernen sie was für‘s Leben, was ihnen die freie westliche Gesellschaft bisher leider offensichtlich nicht in ausreichendem Maße beibringen konnte.


Jetzt werden die Waffen nämlich einfach ganz offen geliefert:

Yossi Baidatz, an Israeli intelligence officer, told the Knesset this month that the amount of arms being sent to Hezbollah by Syria and Iran could no longer be described as “smuggling”. He said it was an “organised and official transfer” of weapons and that the Scuds were “only the tip of the iceberg”.

Wenn das mal kein Fortschritt ist. Und zugleich noch der endgültige Beweis für die Wirksamkeit des Entgegenkommens gegenüber Syrien.


Und da behaupte noch mal jemand, kommunistische Unruhestifter, radikale Großpalästinaträumer und israelische IDF-Hardliner könnten nicht ohne aufeinander zu schießen nebeneinander leben:

Der Kapitalismus verbindet eben auch sonst miteinander verfeindete Gruppen über nationale und ideologische Grenzen hinweg. Dazu braucht es nur einen freien Markt. Und sei es ein arabischer.


Die Angst vor einer Eskalation wächst entsprechend. Denn das Regime in Pjöngjang zeigt sich wenig beeindruckt von der scharfen Kritik des Rests der Welt – allen voran der Amerikaner.

Obama schickt seine Expertin für deutliche Worte

Dabei spricht für die USA „Obama’s bad cop“, wie das US-Magazin „Newsweek“ gerade Außenminister Hillary Clinton titulierte. Die Frau für die harten Worte, für das entschlossene Krisenmanagement.

DAS erklärt natürlich einiges. Denn wenn Hillary bereits der „bad cop“ ist und in ihrer Regierung als der Experte für die deutlichen Worte gilt, dann ist es natürlich nur folgerichtig, wenn Obama ungefähr so hart rüberkommt wie eine alte Banane (geschält wohlgemerkt). Und auf die Bösewichter der internationalen Politik auch ungefähr dieselbe Wirkung hat.


In an interview with Egyptian television, Abbas said that Hamas was refusing to achieve intra-Palestinian reconciliation because of an Iranian veto.

„We, the Palestinian people, are like a hijacked airplane,“ he said. „The decision-making power is not in our hands, but rather, in the hands of the Iranians. For that reason, the Palestinian people’s unity, just like the plane, is also hijacked.“

Womit er die Lage zugegeben recht gut beschreibt. Und er muß es ja nun wirklich wissen, hat doch die PLO mit seinem Amtsantritt als Generalsekretär ihres Exekutivkomitees im Jahre 1968 Flugzeugentführungen erst zu jenem politischen Kampfmittel gemacht, das wir heute kennen:

1968-69 gab es einen massiven Anstieg in der Zahl der Entführungen. 1968 gab es 27 Entführungen, bzw. versuchte Entführungen nach Kuba. 1969 wurden weltweit 82 Entführungsversuche notiert, mehr als das doppelte der gesamten Periode 1947-67. Die meisten waren solche, bei denen Palästinenser Flugzeugentführung als politisches Druckmittel einsetzten, um ihr Anliegen publik zu machen und um die israelische Regierung zu zwingen, palästinensische Gefangene aus dem Gefängnis freizulassen.

Weswegen es bei aller Tragik auch nicht gänzlich ungerechtfertigt erscheint, daß gerade die Palästinenser jetzt zur Abwechslung mal die Rolle der Geiseln statt ihrer Peiniger spielen dürfen. Ganz besonders, weil sie diese auch noch ausdrücklich um ihre Entführung gebeten haben.


Für alle, die diesen Ort nicht kennen, das ist „The Good Fence“, also jener Grenzübergang zum Libanon bei Metulla, wo man einen Blick auf ein kleines Stück jenes Friedens erhaschen kann, der zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn möglich wäre, wenn diese nicht von Terroristen und Tyrannen in sinnlose Kriege gegen die einzige Demokratie des Nahen Ostens gehetzt würden.

Genauer gesagt, konnte man das. Inzwischen sieht es an der Grenze etwas anders aus. Denn als ich am Wochenende in Israel war und dort vorbeischauen wollte, erfuhr ich zu meinem Erstaunen, das dieser Grenzübergang schon lange nicht mehr existiert, und zwar nicht erst seit dem Libanonkrieg von 2006, sondern bereits seit dem Abzug der israelischen Armee aus dem Südlibanon im Jahr 2000.

Wo früher ungeachtet des offiziellen Kriegszustands libanesische Exportgüter zur Verschiffung nach Haifa gebracht wurden, fliegen heute bestenfalls Steine über die Grenze, und wenn sich dort jetzt Libanesen versammeln, dann nicht mehr, um wie einst zur Arbeit ins Nachbarland zu kommen, sondern um gegen Israel zu demonstrieren, was aus arabischer Sicht offenbar als Fortschritt gilt.

Und so steht dort heute anstelle der oben abgebildeten Touristenattraktion ein häßliches Metalltor, durch das man, wenn man nicht aufpaßt, ganz schnell einen ungewollten Open-End-Urlaub in den gastfreundlichen Verliesen der Hisbollah antreten kann. Was mal wieder zeigt, daß weniger die Präsenz der israelischen Armee dem Frieden im Nahen Osten entgegensteht als ihre Abwesenheit.


Official: US wants to build up Hezbollah moderates

White House adviser says Washington aims to diminish influence of hardliners within guerrilla group

Also die lassen sich ja immer wieder was einfallen, seit Mr. Peace das Weiße Haus erobert hat. Nachdem das Dialogangebot an den Iran und Syrien bereits so ein großer Erfolg war (die Mullahs haben ihr Atomprogramm bekanntlich vollkommen demontiert den Inspektoren der IAEA übergeben, während Assad zur Zeit die ersten freien Wahlen vorbereitet, bevor er sich wieder in seine Arztpraxis zurückzieht), und in Afghanistan die letzten Streitpunkte mit den Taliban bei einer Wasserpfeife unter Freunden ausgeräumt werden konnten, jetzt also bei der Hisbollah die Suche nach den sagenumwobenen „Gemäßigten“.

Klingt ja auch ziemlich vielversprechend, die Hardliner unter den Radikalen der fanatischen Extremisten zu isolieren, so daß man es bei etwaigen späteren Verhandlungen nur noch mit einfachen radikalen fanatischen Extremisten zu tun hat. Da tun sich schließlich ganz neue Möglichkeiten auf. Auf einmal steht die Option auf einen freien Abzug der Frauen und Kinder vor der Vernichtung Israels im Raum, und wer weiß, ob am Ende eines Gesprächs mit dem sympathischen Schwippschwager Nasrallahs nicht sogar die Duldung einer – wenn auch natürlich begrenzten – Zahl von Juden im befreiten Palästina denkbar wäre.

Wer die Hoffnung auf derartige Zugeständnisse nicht von vorneherein aufgeben will, wird daher nicht umhin kommen, auf die Gemäßigten zu setzen. Und umgekehrt.


Hm, was könnte man für eine Schlagzeile wählen, wenn ein Terrorregime eine für unbestimmte Zeit laufende Atempause zur Entwicklung von Nuklearwaffen und Trägersystemen bekommt, bloß weil es seine grundsätzliche Bereitschaft erklärt, einen Teil seines Urans in einem in dieser Frage de facto verbündeten Nachbarstaat zum Schein weiterverarbeiten zu lassen, und dafür die ohnehin nicht offiziell deklarierten Komponenten seines Atomprogramms in Zukunft ohne Furcht vor weiteren UNO-Sanktionen weiterentwickeln darf? Nun, wie wär’s mit dieser:

Iran lenkt offenbar im Atomstreit ein