Die guten Umfragewerte des britischen Liberalen Nick Clegg schrecken die US-Politik auf. Er steht Brüssel näher als Washington, hält nicht viel von Kriegsfreundschaften – wenn er in die Regierung einzieht, muss sich Barack Obama auf rauere Töne einstellen.

Mit anderen Worten: Der Zauberlehrling hat gut aufgepaßt, was man jenseits des Atlantik nach dem Ausbruch des allgemeinen Weltfriedens von überkommenen alten „Kriegsfreundschaften“ hält.

[…] In Washington wird die Entwicklung mit Sorge beobachtet. Die Aussicht auf eine britische Regierung unter Beteiligung der US-kritischen Liberalen lässt bei einigen bereits die Alarmglocken schrillen. Dabei ist die Regierung Obama an der neuen britischen Kühle nicht unschuldig. Die Amerikaner selbst hätten die Idee der „Special relationship“ längst hinter sich gelassen, argumentiert Clegg. „Wenn die darüber hinweg sind, warum nicht auch wir?“

Und damit Vorhang auf für ein hervorragendes Beispiel jener brillianten Staatskunst, mit der Obama unter seinen Anhängern immer wieder Begeisterungsstürme erzeugt, weil er auf diese Weise die unter Bush so sehr beschädigten Beziehungen der USA zu ihren Alliierten ganz bestimmt verbessern wird:

Tatsächlich haben die Amerikaner die Beziehung noch nie so wichtig genommen wie die Briten. Und Barack Obamas Team tat sich von Anfang an besonders schwer mit der „special relationship“. Als der US-Präsidentschaftskandidat durch eine Europa-Reise im Sommer 2008 seine außenpolitische Eignung unterstreichen wollte, hielt er eine große Rede lieber in Berlin als in London – auch weil der britische Premier Gordon Brown Obamas Helfern damals als Auslaufmodell galt.

Da muß dann sogar der SPIEGEL schlucken, zumal er das, was er hier mit gehöriger Verspätung kritisiert, Obamas Amtsvorgänger sicherlich noch gleich am selben Tag genüßlich um die Ohren gehauen hätte:

Dieser Trend setzte sich mit dem Einzug ins Weiße Haus fort. Beim Antrittsbesuch Browns in Washington überreichte Obama seinem britischen Gast eine DVD-Sammlung – kein ausreichendes Gastgeschenk, monierte die Londoner Presse. Auch schickte Obama die Churchill-Büste an die britische Regierung zurück, die während der Bush-Jahre im Oval Office stand. Er ersetzte sie durch Büsten von Martin Luther King und Abraham Lincoln. Die Geste war pikant: Churchill war es gewesen, der den Begriff der „special relationship“ im Zweiten Weltkrieg geprägt hatte, als die USA und Großbritannien die freie Welt gegen die Nazis verteidigten.

Die wahren Probleme der Welt liegen nun mal in den „weichen“ Themen, da muß man halt ein Zeichen setzen. Was sind letztlich nordkoreanische Raketen gegen die Machenschaften der Wallstreet oder iranische Atombomben gegen die Bedrohung durch den Klimawandel? Deswegen erinnert sich ja auch heute keiner mehr an diesen komischen Churchill. Hätte der sich besser mal mit Sozialreformen oder der Entkolonialisierung beschäftigt anstatt sich im Kriegführen zu verzetteln und seinen Ruf durch Einmischung in die deutschen Angelegenheiten zu ruinieren.

[…] Laut Beobachtern in Washington hat Obama zur Entfremdung zwischen den Ländern selbst beigetragen. „Seine recht kühle Beziehung zu Mr. Brown, die einige als Kränkung empfundene Episoden enthielt, war ein Dauerthema in den britischen Medien“, schreibt die „Washington Post“.

Das wäre es wohl besser auch mal bei den deutschen Medien gewesen. Dann würden die Menschen hierzulande es sich beim nächsten Mal vielleicht überlegen, bevor sie noch mal leichtfertig an die nächste Siegessäule strömen.