Das ist schon seltsam. Da kommt eine Vorzeigemigrantin, ist intelligent, fleißig, gebildet, modern, verfassungstreu und wie aus dem Bilderbuch integriert, und schafft es trotz ihrer türkischen Wurzeln sogar in der christlichen CDU was zu werden. Eigentlich sollte man da erwarten, daß sich all jene Konservativen, die sonst bei jeder Gelegenheit klagen, daß Muslime grundsätzlich dumm, faul, primitiv, rückständig sowie deutschenfeindlich seien und sich immer in ihren Parallelgesellschaften abschotten würden, jetzt vor Begeisterung regelrecht überschlagen.

Immerhin könnten sie diese Frau den so gern kritisierten Fundamentalisten, Rütli-Schlägern und Familienpatriarchen mit einem triumphierenden „Na geht doch!“ als gutes und nachahmenswertes Beispiel vorhalten, wie man es als Einwanderer hierzulande durch aufrichtiges Bemühen und Anpassung an die landesüblichen Gepflogenheiten zu was bringen kann, und sie gleichzeitig als Beweis dafür benutzen, daß die Deutschen überhaupt nicht fremdenfeindlich seien, sondern auch aus dem Ausland stammende Neubürger mit offenen Armen empfangen.

Doch weit gefehlt. Schon bevor Aygül Özkan ihr Amt überhaupt angetreten hat, schlug ihr bei den angeblich auf dem Boden des Grundgesetzes stehenden Antiislambloggern von PI eine Welle von Ablehnung, ja Haß entgegen, die ihresgleichen sucht. Von Anfang an und noch bevor sie überhaupt ihren Mund aufgemacht hatte, wurde dort aus allen Rohren mit Beleidigungen und Unterstellungen gegen Frau Özkan gefeuert, die als unter der Kontrolle finsterer orientalischer Strippenzieher stehende Exekutorin türkischer Interessen dargestellt wurde.

Özkans durchaus bedenkenswerte Äußerungen zum Vorteil des Migrationshintergrunds einzelner Richter und zur berechtigten Frage nach der Sinnhaftigkeit von religiösen Symbolen in den Klassenzimmern öffentlicher Schulen wurden in der Folge als Versuch gewertet, zweierlei Recht einzuführen (so als ob die Paragraphen im Strafgesetzbuch inzwischen nach Herkunft geordnet wären) bzw. als unverschämter Angriff auf das christliche Abendland (die Trennung von Kirche und Staat hat sich offenbar noch überall herumgesprochen) angesehen.

Besonders infam dabei ist, daß man ihr nur die Wahl läßt, wofür sie geprügelt wird, nicht ob. Würde sie tatsächlich die Einführung der Scharia fordern, wäre die Empörung bei PI nicht größer, denn wenn sie sich zum deutschen Rechtsstaat bekennt (was bei Ministern ja nicht völlig unüblich ist), dann ist das halt Taqiyya, und damit zusätzlich noch verlogen. Die Schutzbehauptung, man habe ja nur was gegen den Islam als Ideologie, aber nichts gegen Muslime als Menschen, können sie sich bei PI nach diesem Auftritt jedenfalls in die Haare schmieren.