Türkei droht 100.000 Armeniern mit Deportation

Hey, hey, das klingt schlimmer als es ist! Er will sie ja nicht gleich wieder massakrieren lassen. Hier ist es eher im Sinne eines ganz normalen freundschaftlichen „Ausländer raus!“ gemeint. Und hätte man je gehört, daß sich hierzulande irgendjemand aufregt, wenn mal wieder ein depperter Populist nach seiner Entlassung aus der geschlossenen Abteilung „Türken raus“ grölt? Na also.

UPDATE: Kein Update. Und damit auch kein Link. Denn bei PI (das ist das Blog, wo jeder in der Türkei geplatzte Sack Reis üblicherweise zeitnah auf eine entsprechende Stelle im Koran hin abgeklopft wird) gibt es zur Stunde tatsächlich immer noch keine offizielle Reaktion auf Erdogans Äußerungen. Offenbar hat man sich redaktionsintern noch nicht auf eine einheitliche Sprachregelung einigen können, weil man diesmal ja nicht einfach mit dem Finger auf die bösen Türken zeigen kann ohne daß dann die übrigen Finger auf das geistige Prekariat im eigenen Kommentarbereich deuten. Die dortige Kundschaft ist nämlich weit rückständiger als Ali Normalleser:

In den Leserreaktionen und Internetforen der Türkei waren es „seine“ Bürger, die Erdogan auf den gröbsten Unsinn seiner Bemerkung hinwiesen: Sollte die Türkei diesen Fehler begehen, dann wäre das nur der Präzedenzfall, auf den ganz Europa warte, um die Türken in europäischen Ländern auszuweisen, hieß es in einer ganzen Anzahl der zuletzt 337 Leserkommentare auf der Webseite der Zeitung „Hürriyet“.

UPDATE II: Es ist soweit. Bei PI scheint man aber zu ahnen, daß eine direkte Kritik an der Ausweisung von ethnischen und/oder religiösen Minderheiten die eigenen Leser nur unnötig verwirren würde, also deutet man einfach an, daß da mehr hintersteckt:

Erdogan ist davon überzeugt, dass der Mord an den Armeniern “notwendig” war und betrachtet sie nicht als türkische Bürger:

“In meinem Land sind 170 000 Armenier ansässig, von denen 70 000 türkische Bürger sind. Im Notfall würde ich morgen den restlichen 100 000 sagen, dass sie unser Land verlassen. Ich tu das, weil sie nicht meine Bürger sind und ich nicht verpflichtet bin, sie in meinem Land zu unterhalten.”

Das von Erdogan im Interview verwendete Wort “Deportation”, ist derselbe Ausdruck, den man bereits 1915 für den Massenmord verwendete.

So geht’s natürlich auch.