US-Außenministerin Hillary Clinton hat Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wegen der Siedlungspläne für Ost-Jerusalem scharf kritisiert. Der Nahost-Friedensprozess sei durch das Bauprojekt gefährdet. Es sei der Ministerin unverständlich, wie es zu der Ankündigung kommen konnte.

Komisch. Bisher dachte ich in meiner Naivität immer, daß zu wenig Wohnungen ein Problem darstellen, nicht zu viele. Aber anstatt sich zu freuen, daß im Nahen Osten zur Abwechslung mal Wohlstand geschaffen statt in dessen Vernichtung investiert wird, regt sich die halbe Welt darüber auf, weil Häuslebauen angeblich dem allgemeinen Weltfrieden nicht zuträglich ist. Der aber ist, wenn er tatsächlich durch die Produktion materieller Güter mehr gefährdet wird als durch deren Zerstörung, seinen Namen nicht wert.

Denn anders als von Terroristen ermordete Zivilisten, die sich mit einer medienwirksamen Unterschrift in Camp David oder Dayton nicht einfach wiederbeleben lassen, kann man für Häuser in jedem Konflikt eine vernünftige Lösung finden, wenn beide Seiten dies wirklich wollen. Und wenn sie dies nicht wollen, dann nützt auch der Verzicht auf ihren Bau nichts. Ein Haus wird zwar vielleicht für die Ewigkeit gebaut, aber es steht noch nirgendwo geschrieben, daß es in dieser Zeit nicht den Besitzer wechseln darf.

Nur weil die von ihrem Boß ins Abseits gedrängte Hillary auch endlich mal wieder in die Schlagzeilen will, wird aus einer simplen Infrastrukturmaßnahme jedenfalls noch lange nicht der gefürchtete zionistische Landraub, da Wohnungen genausowenig wie der Anti-Terror-Zaun eine zukünftige Grenzziehung vorwegnehmen. Im Gegenteil, sie bringen gerade für eine friedliche Beilegung des Nahostkonflikts eher Nutzen, wie bereits ein flüchtiger Blick auf die möglichen Szenarien eines Friedensabkommens zeigt:

Variante 1: Nehmen ist genauso selig ist wie Geben

Diese Lösung ist hierbei die wohl wahrscheinlichste, d.h. beide Seiten werden sich voraussichtlich darauf einigen, daß die Palästinenser für jeden Quadratzentimeter, den sich die Zionisten unter den Nagel reißen, mit entsprechenden Ländereien an anderer Stelle entschädigt werden. Da keine von beiden Seiten dies unterschreiben wird, wenn sie einen schlechten Deal zu machen glaubt, dürfte er salomonisch fair ausfallen. Falls nicht, wird sich der europäische Steuerzahler sicherlich wieder was einfallen lassen, damit die Palästinenser am Ende nicht weinen müssen.

Variante 2: Ich habe nichts gegen Juden, mein Nachbar ist auch einer

Falls die Grenzen wider Erwarten nicht der Realität angepaßt werden sollten, leben die jüdischen Bewohner der neu gebauten Häuser in Palästina genauso friedlich und ungestört, wie das die Araber in Israel tun. Diejenigen von ihnen, die lieber nicht unter arabischer Herrschaft leben wollen, werden dann ihre Häuser verkaufen, und sofern die Palästinenser jene ihrer Landsleute, die sie ihnen abkaufen wollen, wegen des Verstoßes gegen das „Kauft nicht bei Juden“-Gesetz nicht gleich wieder lynchen, wird der Markt schon richten, was das Schlachtfeld nicht hergab.

Variante 3: Palästina wird judenrein

Aber selbst wenn sich bei den Friedensverhandlungen die Erkenntnis durchsetzen sollte, daß man mit Juden nicht zusammenzuleben kann, dann wird die Europäische Union halt die gewünschte ethnische Säuberung durchsetzen, an deren Ende sie ihren Besitz in Palästina zu räumen haben. So hätten die Palästinenser anders als die zionistischen Pioniere, die sich ihre Häuser noch mühsam selber bauen mußten, zur Staatsgründung sogar gleich ein paar schmucke Wohnblöcke da stehen. Und daß 1600 Wohneinheiten dann im Rückblick noch viel zu wenig waren, wird man schon daran erkennen können, wie schnell verdiente Kämpen der palästinensischen Nomenklatura ihr neues Wandlitz mit Beschlag belegen werden.

In keinem dieser Fälle also wäre die Existenz von Juden bewohnter Häuser – oder sogar kompletter jüdischer Siedlungen! – selbst aus Sicht der glühendsten Israelhasser ein Hindernis für einen Frieden. Das wäre es nur dann, wenn man darüber hinaus noch der Ansicht ist, daß es einem Araber nicht zuzumuten ist, in einem Haus zu leben, in welchem sich vormals Affen und Schweine tummelten, und dieses deshalb schon aus hygienischen Gründen abgerissen werden muß. Nur sollte man das dann auch so sagen.

Damit kein Mißverständnis aufkommt: Hillary Clinton denkt das bestimmt nicht. Aber sie sollte auch nicht aus falsch verstandener Ausgewogenheit Verständnis dafür aufbringen, daß es andere tun.