Ja ist denn schon wieder Weihnachten?

Lange haben die Kriegsgegner in Europa den Irak als hoffnungslosen Fall ignoriert. Nun zeigen die Wahlen, dass die Demokratie Fortschritte macht.

Es wird glaube ich Zeit, selbige wieder öfters zu lesen:

Hat George W. Bush doch recht gehabt? Die Iraker haben ein neues Parlament gewählt, mit eindrucksvoller Beteiligung trotz massiver Terrordrohungen.[…] Das ist eine enorme Errungenschaft politischer Kultur. Die Verächter des früheren US-Präsidenten (also mehr oder weniger die ganze Welt) muss das nachdenklich machen. War der Krieg zum Sturz Saddam Husseins vielleicht doch richtig? Bestätigt sich Bushs als Fantasterei abgetane Vision von der Demokratisierung des Mittleren Ostens am Ende doch noch?

Ach, liest sich das schön! Da verzeiht man gerne ein bißchen Zucker für die Stammkundschaft:

Ob der Irakkrieg zu rechtfertigen war, der, die Besatzungszeit mitgerechnet, Zehntausende von Menschenleben gekostet hat, lässt sich nicht allein mit Blick auf seine politischen Ergebnisse entscheiden.

Zumindest, wenn das Publikum damit gleichzeitig eine ziemlich bittere Medizin schlucken muß:

[…] Doch das sollte nicht blind für die Größe und Richtigkeit des demokratischen Projekts im Irak machen. Zu lange haben die Kriegsgegner in Europa das Land ignoriert und instinktiv als hoffnungslosen Fall abgeschrieben, als gewissermaßen moralisch mitbeschmutzt von Bushs Politik.

Und zu lange hat man warten müssen, bis ihnen das mal jemand in den Mainstreammedien um die Ohren haut. Umso schöner ist es, daß es jetzt so weit ist.

Das ist eine unwürdige und kurzsichtige Haltung, die korrigiert gehört. Sobald es in Bagdad eine neue Regierung gibt (was freilich dauern kann), sollte sich auch der deutsche Außenminister zügig dort blicken lassen.

Guido, hör die Signale! Nimm wegen mir Deine ganze Familie mit und laßt es Euch dort gerne mal so richtig gut gehen. Hauptsache Du kriechst dann vor den demokratisch gewählten irakischen Politikern demütig im Staub und erkennst, daß die Ära Bush eben doch eine gute war, und zwar gerade für die Freunde Amerikas. Denn sonst könntest Du bei Deinem Staatsbesuch auch heute noch Saddam den Schnurrbart putzen.

Präsident Bush hat den Irakkrieg mit unwahren Begründungen herbeigeführt und die ersten Besatzungsjahre durch schwere Fehler zu einer verlorenen Zeit werden lassen. Aber die Zerschlagung der Saddam-Diktatur hat überhaupt erst den Raum für eine Besserung der politischen Verhältnisse geschaffen, die Chance für eine menschenwürdige Ordnung, wo vorher nur bleierne Repression herrschte.

Read his lips! Denn selbst wenn Bushs Fehler tatsächlich so schwer gewesen wären, hätte es trotzdem kein Kriegsgegner besser gemacht oder auch nur den Irakkrieg ohne diese Fehler plötzlich gutgeheißen. Die Irakkriegsgegner haben, und das soll hier noch mal klar und deutlich festgehalten werden, auf der falschen Seite der Geschichte gestanden und man sollte diese Gelegenheit nutzen, um ihnen das noch mal so richtig schön unter die Nase zu reiben. Ok, bei jeder anderen Gelegenheit natürlich auch, aber gerade macht es irgendwie besonders viel Spaß. :-)

Es ist nicht sicher, dass die Geschichte, die der Irak in den letzten Jahren so schrecklich durchlebt hat, ein gutes Ende finden wird. Aber es ist möglich. Und heute, wo George W. Bush Vergangenheit ist, sollte man sich frei fühlen, das auch anzuerkennen.

Eat this, suckas!

(Hat tip: Bruno)