Sarrazin schlägt Kindergeld-Halbierung für vergessene Hausaufgaben vor

Nichts gegen unkonventionelle Ansätze in der Politik, aber jetzt dreht Sarrazin offenbar völlig durch. Es macht ja sicher Sinn, die Eltern von Schulschwänzern und Hausaufgabenverweigerern bei Bedarf persönlich anzusprechen (wenn auch bestimmt nicht gleich beim zweiten Mal, da hätten meine Eltern ziemlich oft Besuch vom Jugendamt bekommen), aber wenn der Staat schon eingreifen muß, dann mit mehr, nicht weniger Hilfe für die Kinder. Wenn die Betreffenden länger in der Schule bleiben müssen, um den Rückstand zu ihren draußen spielenden Klassenkameraden aufzuholen, steigt die Motivation zum zeitgerechten und eigenständigen Erledigen der Hausaufgaben schon von ganz alleine. Jedenfalls weit eher, als wenn sie wegen des daraus resultierenden finanziellen Schadens zuhause verprügelt werden.

Aber Kindern die Essensrationen zu kürzen ist nicht nur unmoralisch, sondern auch kontraproduktiv. Und genau darauf läuft es zumindest im Hartz IV-Umfeld, das bei derartigen Problemen sicherlich nicht unterrepräsentiert sein dürfte, ja hinaus, denn anders als bei gutverdienenden Bildungsbürgern, wo dann schlimmstenfalls im Urlaub eine Hotelnacht weniger gebucht werden kann, macht sich ein derartiger Einschnitt bei einkommensschwachen Familien, bei denen das ohnehin zu knapp bemessene Kindergeld einen nicht unwesentlichen Teils des verfügbaren Nettoeinkommens darstellt, direkt am Mittagstisch bemerkbar. Vom Hungern aber ist noch niemand schlau geworden. Die Redensart „voller Bauch studiert nicht gern“ heißt jedenfalls noch lange nicht, daß deswegen gleich der Umkehrschluß zutrifft.