Was muss sich an Hartz IV ändern? Die nordrhein-westfälische SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft fordert, Empfänger zu gemeinnütziger Arbeit zu bewegen – und stößt damit jetzt auch bei Gewerkschaften und Sozialverbänden auf Kritik. Selbst Parteifreunde sind skeptisch.

Das ist schon seltsam. Da hat eine Sozialdemokratin mal eine grundsätzlich sinnvolle Idee zur Wirtschafts- und Sozialpolitik, und schon (oder genau deswegen?) bricht aus den eigenen Reihen ein Sturm der Entrüstung über sie herein.

Offenbar ist es inzwischen unsozialdemokratisch sich gesellschaftlich nützlich zu machen und den Schwachen der Gesellschaft – Kindern, Alten und Kranken – zu helfen, indem man beispielsweise für die alte Oma nebenan die Einkäufe erledigt oder den Nachbarskindern etwas vorliest, damit die alleinerziehende Mutter die fehlende Stunde Nachmittagsbetreuung, die bei ihr zwischen Arbeitslosigkeit und Erwerbsleben steht, gesichert hat.

Wo kämen wir denn da auch hin, wenn jemand, dem seine in der Regel auch nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geborenen Mitproletarier im Rahmen der Solidargemeinschaft finanziell aushelfen müssen, im Gegenzug auch etwas für sie tun müßte? Solidarität ist nun mal eine Einbahnstraße, und „niedere“ Arbeiten sind nicht nur deswegen zulässig, weil noch keiner daran gestorben ist, mal einen Besen oder eine Einkaufstüte in die Hand zu nehmen.

Und so bleibt es bei der vom Zentralkomitee des (A)Sozialstaats beschlossenen Grundregel, daß es zwar ok ist, sich schon am Nachmittag bei Fernsehdokumentationen über verrottende Kinderspielplätze in Deutschland aufzuregen oder irgendeiner Pseudorichterin zuzuschauen, wie sie gecastete Rowdies zu ein paar Sozialstunden verdonnert, aber nicht, statt dessen die kaputten Bierflaschen im Sandkasten vor der Tür mal selber wegzuräumen.