Der Irakkrieg ist verloren?

Die meisten sunnitischen Aufständischen haben den Kampf mittlerweile aufgegeben.

[…] Wir können seit 2007 beobachten, wie sich die ehemals sehr große und starke irakische Aufstandsbewegung schrittweise auflöst. Diejenigen, die den Aufstand bis heute weiterführen, sind stark geschwächt und damit zu normalen terroristischen Gruppierungen geworden, die allerdings noch in der Lage sind, sehr wirkungsvolle Anschläge durchzuführen.

Die Terroristen können die Macht erobern?

[…] Die Aufständischen sind geschlagen. Das ist ganz eindeutig. Al-Kaida im Irak wird weiter eine Rolle spielen, aber dieses Land nicht destabilisieren können. Das zeigt sich an der Entwicklung der letzten beiden Jahre, ganz egal wie viele Anschläge jetzt noch folgen werden.

[…] Ihr Ziel ist immer noch ein islamischer Staat im Irak und ein anschließendes Ausgreifen auf die Nachbarländer. Allerdings sind dies keine realistischen Ziele mehr.

Die Wirtschaftslage ist aussichtslos?

[…] Es gibt eine ganze Menge Probleme, die nicht gelöst sind, aber es gibt eine erstarkende Zentralregierung und Ansätze für eine positive wirtschaftliche Entwicklung. Die Zukunft wird ganz entscheidend davon abhängen, inwieweit der Irak seine Öl- und Gasindustrie jetzt aufbauen kann. Aber auch das, denke ich, ist nur eine Frage der Zeit.

Der Irak ist keine Demokratie?

[…] Es besteht jetzt die Gefahr, dass die Wahl vor allem von Allawi und seinen Verbündeten nicht als legitim betrachtet wird. Insgesamt aber sind es doch demokratische Wahlen, und ich gehe auch davon aus, dass es keine wirklich gravierenden Probleme geben wird.

Die US-Politik war ein Fehlschlag?

Das ist natürlich ein ganz, ganz großer Erfolg der amerikanischen Politik in dem Land in den letzten Jahren, nachdem es zwischen 2003 und 2007 so schien, als würde das gesamte Land und damit auch die amerikanische Politik in die Katastrophe schlittern. Es war nicht zu erwarten, dass sich das Land so schnell stabilisiert und dass sich diese demokratischen Strukturen auch halten.

Der das sagt, ist kein neokonservativer Kreuzzügler, sondern ein kampferprobter Kriegsgegner, dessen gerade einmal ein Jahr alte und – sei es auch nur im Hinblick auf die oben aufgeführten Zitate – lesenswerte Bewertung des Irakkriegs („Die Bilanz ist katastrophal“) ein bezeichnendes Licht darauf wirft, was davon zu halten ist, wenn uns von den Medien jemand als Experte verkauft wird. Wer allen Ernstes überrascht ist, daß die Iraker genauso auf Demokratie stehen wie alle anderen Menschen auf diesem Planeten, dem hilft auch die Beförderung vom allgemeinen Nahost- zum speziellen Irakkenner nichts mehr. Aber was soll’s, als Kronzeuge gegen die eigene Kundschaft reicht’s noch.