Wohl wie niemand vor ihm wird Barack Obama für Eigenschaften verehrt, die einander eigentlich ausschließen. Einerseits ist er der Heilsbringer, der demnächst den allgemeinen Weltfrieden einführen wird, andererseits der große Stratege, der es im „guten Krieg“ in Afghanistan im Gegensatz zu seinem diesbezüglich der Nachlässigkeit geziehenen Amtsvorgänger endlich mal richtig krachen läßt. Er kann das israelische „targeted killing“ verurteilen und selber in Pakistan massiv verstärken, ohne daß der Widerspruch seinen Jüngern auffallen würde.

Selbst innerhalb eines einzigen Konflikts vollbringt „The One“ geradezu unmögliches. Zumindest dürfte es in der Geschichte noch keinen politischen Führer gegeben haben, der wie Obama im Irakkrieg einen Kampf für verloren geben kann und gleichzeitig von seinen Anhängern als derjenige angesehen wird, der eben diesen Kampf am Ende zum Guten gewendet hat. Vom angeblichen Eintreten für die Menschenrechte bei gleichzeitigem Ersatz der als naiv verlachten Demokratisierungsvisionen Bushs durch klassische Realpolitik mal ganz zu schweigen.

Bevor die Legendenbildung, nach der die positiven Entwicklungen bis hin zur morgen stattfindenden Parlamentswahl im Irak irgendwie der Amtsübernahme Obamas zu verdanken seien, die Schwierigkeiten in Afghanistan hingegen Spätfolgen Bush’scher Mißwirtschaft wären, all zu sehr um sich greift, ist es daher dringend an der Zeit, eine kurze Zwischenbilanz des „War on Terror“ zu ziehen. Werfen wir also einfach mal einen Blick auf die Zahl der getöteten US-Soldaten seit dem Wechsel im Weißen Haus sowie den entsprechenden Zeitraum direkt davor:

Januar 2008 – Januar 2009: Irak 330 + Afghanistan 170 = 498
Februar 2009 – Februar 2010: Irak 143 + Afghanistan 363 = 506

Wer jetzt staunt, daß die amerikanischen Verluste unterm Strich anders als im Wahlkampf versprochen ja gar nicht abgenommen haben, kennt die entsprechenden Werte der Alliierten noch nicht. Und da Obama im Rest der Welt bekanntlich noch weit mehr Bewunderer hat als an der Heimatfront, wollen wir dem geneigten Leser die Zahlen der entsprechenden Opfer unter den Verbündeten nicht vorenthalten, denn unser Friedensnobel- wie Weltbeliebtheitspreisträger verlangt gerade den Europäern so manches ab, was Bush sich wohl nie getraut hätte:

Januar 2008 – Januar 2009: Irak 8 + Afghanistan 150 = 158
Februar 2009 – Februar 2010: Irak 1 + Afghanistan 232 = 233

Genauso viele amerikanische und die Hälfte mehr ausländische Opfer sollten der Bewegung seiner Gläubigen den Zahn, daß der Kriegstreiber Bush das Leben der Soldaten riskiert hat, die der Friedensfürst Obama dann wieder heil nach Hause holt, jedenfalls an der Graswurzel ziehen.