Sarrazin äußerte sich in der „Süddeutschen Zeitung“ auch zur derzeitigen Hartz-IV-Debatte. Er verteidigte die geltenden Sätze und nannte sie ausreichend. Letztlich sei es keine Geldfrage, sondern eine Frage der Mentalität, des Wollens und der Einstellung. „Wo diese fehlt, hilft auch kein Geld, und wo diese da ist, ist das Geld gar nicht so wichtig.“ Als Sparmöglichkeit nannte Sarrazin das Duschen: „Kalt duschen ist doch eh viel gesünder. Ein Warmduscher ist noch nie weit gekommen im Leben.“

Heißt das, daß Hartz IV-Empfänger, die ganz aufs Duschen verzichten, eine Bonuszahlung bekommen? Und sollten dann Eltern, die ihre Kinder nach der Geburt ein paar Minuten ins Eiswasser tauchen, wegen der daraus unweigerlich resultierenden Erhöhung der Volksgesundheit (wenn auch vermutlich nur der Überlebenden) einen Nachlaß beim Krankenkassenbeitrag kriegen? Könnten wir am Ende nicht gar Hartz IV-Empfänger in den GULag schicken (in Sibirien kann man auch im Sommer noch Schnee schippen)? Der Möglichkeiten wären ja viele, wenn man das Sozialsystem erst mal nach dem Motto „Nur die Harten kommen in den Garten“ umbaut.

Im Ernst: Bei allem Verständnis für markige Worte in der Politik und auch angesichts der dringenden Notwendigkeit, den muffig gewordenen Sozialstaat mit etwas frischem neoliberalen Wind zu durchlüften, aber daß jetzt nur noch bärenstarke Wikinger ein Recht auf Hilfe haben sollen, geht am Solidaritätsprinzip, das eigentlich ja ursprünglich mal primär zum Schutz der Schwachen gedacht war, dann doch ein kleines bißchen vorbei. Über die Notwendigkeit von Kneipenbesuchen auf Steuerzahlerkosten läßt sich gewißlich streiten, aber in diesem Fall hätte Sarrazin es vor seiner Wortmeldung besser wohl selber mal mit kalten Duschen probieren sollen.